Buchiges

Memory of Scorpions Reihe von Aleksandr Voinov (englisch)

Das Imperium von Shara ist auseinandergefallen und es herrscht Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Volksgruppen. Die elitäre Kämpfertruppe „Scorpions“ verdingt sich als Söldner mal für die eine oder die andere Seite, aber im Grunde sehen sie sich als Familie und sind nur ihren Mitkämpfern und ihrem „Officer“ wirklich verpflichtet. Doch auch sie können sich nicht ganz frei machen und verstricken sich in politische Intrigen, lebensgefährliche Aufträge, verwirrende Gefühle und die Frage, wem sie tatsächlich Loyalität schulden.

Eine gelungene Mischung aus Fantasy, Militärepos und Actionabenteuer mit einer guten Prise Männer-Sex.

Band 1: Scorpions

Darum geht’s:

Kendras ist am Ende. Nach einer Schlacht ist er alleine, ohne Waffen oder Geld, schwer verletzt und befürchtet, dass keiner seiner Kameraden von den „Scorpions“ mehr lebt. Er muss das Angebot des Fremden annehmen, der ihm Medizin und Zeit zur Schonung verspricht, dabei aber zuerst nur im Sinn hat, den stolzen Kendras zu unterwerfen und ihn dann für einen undurchsichtigen Auftrag einzusetzen. Als Kendras entdeckt, dass doch noch einige wenige der „Scorpions“ am Leben sind und möglicherweise sogar der „Officer“ noch lebt, setzt er alles daran, die Truppe wieder zu vereinen. Auf welche Intrigen und geheimen Machtspielchen er sich einlässt, ist ihm anfangs egal, denn es zählt nur der „Officer“, dem er nicht nur Treue geschworen hat, sondern den er rückhaltslos bewundert und den er liebt.

So fand ich’s:

Es ist eine düstere und erbarmungslose Welt, in der die Scorpions leben. Kendras hält sich an die Grundsätze, die ihm sein Officer beigebracht hat und die ihm bisher gut geholfen haben, auch wenn die Umstände hoffnungslos zu sein scheinen. Sex ist ein Weg, die gegenseitige Verbundenheit der Scorpions auszudrücken oder wird dafür benutzt, Macht auszuüben. Deshalb gibt es reichlich davon im Buch und nicht immer einvernehmlich.

Es gibt niemanden, der nur gut oder nur böse ist, jeder hat seine Untiefen und Schwächen, die die Personen nur noch interessanter machen. Manche sind auch völlig undurchschaubar. Je länger man Kendras, den Bösewicht Steel oder den Officer beobachtet und je mehr man über sie und die Welt, in der sie leben, erfährt, desto faszinierender wird es, den Kampf um Macht und die Vorherrschaft im Reich zu beobachten.

Und was nach einem Happy End aussieht, entpuppt sich in Band zwei relativ schnell als Trugschluss …

Band 2: Lying with Scorpions

Darum geht’s:

Kendras ist der neue Officer und von seinem Liebhaber König Adrastes zum Chef der königlichen Leibwache gemacht worden. Weil es durchsickert, wie intim ihre Verbindung ist, wird auch Kendras zum Spielball politischer Ränkespiele, mit denen er am liebsten gar nichts zu tun haben will. Außerdem versteht er Adrastes Entscheidungen immer weniger. Da ist es eine Erleichterung, als er auf Graukar trifft, einen Kriegshelden mit austrainiertem Körper und wachem Verstand, mit dem er sofort auf einer Wellenlänge ist.

So fand ich’s:

Kendras hat Verantwortung und hat sie doch nicht, weil sich Adrastes überall einmischt. Die machthungrige und taktierende Seite seines Liebhabers kennt Kendras bisher gar nicht, sie gefällt ihm nicht besonders und die beiden gehen sich aus dem Weg. Trotzdem kann sich der geradlinige Kendras aus der Politik nicht ganz heraushalten, auch wenn sie ihm zuwider ist. So ist er ziemlich unglücklich und weiß nicht, wie er das ändern kann.

In diesem zweiten Band gibt es mindestens genauso viel Action wie im ersten, doch die Personen werden intensiver beschrieben. Man wirft einen genaueren Blick auf die neuen „Scorpions“-Rekruten Kiran, Blood und Runner, die jeder für sich eine interessante Geschichte haben. Und auch die Akteure im Palast sind spannend, weil sie teilweise nicht zu durchschauen und vielschichtig sind. Die Hauptperson ist und bliebt aber Kendras. Die Grundsätze, nach denen die Scorpions leben, sind ihm ausgesprochen wichtig. Er setzt sich darüber hinweg und hält sie gleichzeitig doch in Ehren. So merkwürdig das klingt, so gut funktioniert es doch.

Zudem entdeckt er, wie eng seine eigene Vergangenheit mit der politischen Lage im Reich verknüpft ist und wie sehr er tatsächlich schon manipuliert und hintergangen wurde.

Dieser Band erzählt zwar eine abgeschlossene Episode, hat aber gleichzeitig auch ein so dermaßen offenes Ende, dass ich den nächsten Band dem Autor am liebsten sofort aus der Hand gerissen hätte, wenn er denn schon fertig geschrieben gewesen wäre, als ich diesen Teil 2 gelesen habe. Inzwischen ist Teil 3 erschienen:

Band 3: A Taste for Poison

Darum geht’s:

König Adrastes hat den Mordanschlag mit knapper Not überlebt. Doch er hat sich verändert. Überall wittert er Verrat und Verschwörung und auch Kendras gehört nicht mehr zu den wenigen Menschen, denen er vertraut. Während Adrastes den Krieg gegen Vededrin vorbereitet, machen ihm Rebellen in den Bergen zu schaffen, die unter der Führung des geheimnisvollen “Death” stehen und einfach nicht zu fassen sind. Kendras wird losgeschickt, um Death entlarven und zu ergreifen, während sein Geliebter Graukar, inzwischen zum General befördert, im Palast zurück bleib.

So fand ich’s:

Nach einer kurzen Orientierung (es ist schon eine Weile her, dass ich die ersten beiden Teile gelesen habe) war ich nach kürzester Zeit wieder gefesselt von dem, was da im Königspalast passiert.

Kendras steckt immer tiefer in der Klemme. Einerseits erinnert er sich an die Zeit, als er Adrastes gegenüber bedingungslos loyal war und will nicht wahrhaben, dass dieser sich so verändert hat, skrupellos und machthungrig geworden ist. Es gibt im Augenblick auch keine gute Alternative zu Adrastes auf dem Thron. Andererseits ist Kendras immer weniger einverstanden mit Adrastes Verhalten, das auch keine Rücksicht mehr auf Kendras selbst nimmt, doch Kendras hat kaum noch Einfluss auf den König. Als dann Kendras’ Geliebter Graukar und sein Bruder Shadow ins Visier des Königs geraten, muss sich Kendras entscheiden.

Aleksandr Voinovs Art zu schreiben trifft wieder mal genau meinen Geschmack, denn ich mag die direkte und doch farbige Ausdrucksweise sehr gern.

Es gibt jede Menge Action und Spannung, ein paar undurchsichtige Gestalten, politische Intrigen, aber auch Teamgeist, Loyalität und Liebe. Dabei bleibt das Ganze erstaunlich sex-frei, was ich nicht unbedingt erwartet habe, was der Qualität des mitreissenden Buches aber natürlich in keiner Weise schadet.

Die Welt, in der diese Serie spielt, ist faszinierend. Sie wird genau im richtigen Maß als Hintergrund für die Abenteuer der Scorpions erläutert und ausgemalt, sie erscheint lebendig, bunt und spannend, aber der Autor verliert sich nicht in Details, die von der eigentlichen Geschichte ablenken könnten. Dazu kommen vielschichtige und individuelle Charaktere, die sogar Tiefe und ein Eigenleben haben, wenn sie nicht direkt im Mittelpunkt stehen.

Kendras eigene Vergangenheit wird aufgeklärt und das Schicksal der neuen Scorpions-Rekruten Runner und Blood enrscheidet sich. Am Ende gehen die Helden in eine ungewisse Zukunft, wie wir alle es tun, aber trotzdem fand ich den Schluss sehr passend und bin wunderbar glücklich damit. Bis zum realistischen Ende haben die Scorpions um ihren Officer Kendras aber einiges durchzustehen.

Die Reihe mit Kendras im Mittelpunkt ist damit erst einmal (wer kann schon ahnen, was dem Autor irgendwann in der Zukunft noch zu Kendras und Graukar einfällt?) beendet, obwohl es möglicherweise noch zwei Veröffentlichungen geben wird, die Widows und Adrastes’ Vergangenheit erzählen, was sicherlich ebenfalls sehr interessant werden dürfte.

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