Das Signal von Ursula Poznanski

Darum geht’s:

Das abgelegene Haus, das Viola Decker und ihr Mann Adam gekauft haben, wird für Viola plötzlich zu einer Art Gefängnis. Sie hat gerade einen Unterschenkel verloren, als der marode Weinkeller über ihr eingestürzt ist und während sie sich erholt und darauf wartet, dass der Beinstumpf verheilt, sitzt sie im Erdgeschoss ihres Hauses fest. Ihre Pflegerin Otilia bleibt distanziert und grummelig und scheint Violas Freiheitsdrang zu boykottieren, wo sie nur kann. Zuerst versieht Viola nur ihre Krücken, die Otilia ständig wegräumt, heimlich mit einem Minitracker, doch irgendwann befestigt sie auch einen am Lieblingsschuh ihres Mannes. Denn der verhält sich zunehmend seltsamer.

So fand ich’s:

Viola ist sich klar darüber, dass ihr Mann Adam nicht nur auf sein eigenes Äußeres bedacht ist, sondern als Meinungsforscher, der regelmäßig im TV auftritt, auch eine repräsentative Frau haben möchte. Noch im Krankenhaus weiß sie nicht, ob Adam mit ihrer Behinderung klarkommen wird.

Anfangs ist Viola mehr oder weniger ans Bett gefesselt und Adams Fürsorge scheint nicht darauf gerichtet zu sein, sie wieder selbständig werden zu lassen. Die von Adam eingestellte Pflegerin Otilia bremst Viola auch aus, wo es nur geht. Und Violas beste Freundin Marit hält sich auffallend zurück, was Kontakt jeder Art zu Viola angeht.

Die Minitracker werden zu Violas besten Freunden und je weniger Medikamente sie nehmen muss und je besser es ihr geht, desto häufiger sitzt sie vor ihrem Notebook und beobachtet, wo die Tracker und ihre heimlichen Träger sich befinden. Es erinnerte mich ein bisschen an den Hitchcock-Klassiker “Das Fenster zum Hof”, wo der Hauptdarsteller mit gebrochenem Bein in seiner Wohnung festsitzt und mit einem Fernglas durch den Hinterhof beobachtet, was in den Nachbarwohnungen vor sich geht. Ein sehr sehenswerter Film übrigens! Und dieses Szenario hielt mich auch in der Poznanski-Version von Anfang an gefangen. Dazu kamen noch einige neue Wendungen, die den fesselnd erzählten Plot auf Dauerspannung hielten.

Viola ist alles andere als ein hilfloses Opfer, auch wenn ihre Situation ihr nicht gerade viel Spielraum gibt. Benno, der liebenswerte Sohn der Nachbarn mit Down Syndrom ist ein wunderbarer Sidekick für Viola und aufgrund seiner Geradlinigkeit so ziemlich die einzige Person, die ich wirklich einschätzen konnte. Selbst Viola hat ihre Geheimnisse und kann trotz Schmerzen, ihrer Verletzungen und Enttäuschung ihre Situation erstaunlich sachlich einschätzen.

Hier in diesem Thriller stimmt einfach alles. Die Story ist clever konstruiert, komplex, aber jederzeit durchschaubar, emotional erzählt, aber nicht klischeehaft. Violas bösartige “Streiche” haben mir gefallen. Ich hatte aber auch Angst um sie und hab mich über ihre Fortschritte gefreut. Viola ist tough, aber nicht kalt. Sie setzt ihre Minitracker schlau ein und auch wie sie sich langsam an ihre neue körperliche Konstitution mit nur einem Unterschenkel und den Folgen der Amputation gewöhnt, fand ich sehr nachvollziehbar erzählt.

Deshalb gibt es eine begeisterte Leseempfehlung von mir für “Das Signal”.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch:
(wird ergänzt)


Herzlichen Dank an Netgalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar

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Titel: Das Signal
Autor/in: Ursula Poznanski
ISBN / ASIN:
‎ ‎ 978-3426568125
Sprache:
Deutsch
Genre: Thriller
Verlag: Knaur
Erscheinungsjahr:
2026
Medium:
eBook
Seitenzahl: 400
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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