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Darum geht’s:

Palina ruht sich auf dem Weihnachtsmarkt am Brunnen aus, als sie in eine Art Trance fällt, die sie nackt in eine Wüstenlandschaft versetzt. Die Polizei ist mit einigen merkwürdigen Todesfällen beschäftigt und als Palinas Weihnachtsmarktflirt unter den Opfern ist, gerät sie in den Blick der Polizei. Und nicht nur die ist hinter ihr her, denn durch ihre Trance-Reise hat sie eine Fähigkeit offenbart, die begehrt und gefürchtet ist.

So fand ich’s:

Das schöne Cover und der Titel haben mich eine abenteuerliche Fantasygeschichte erwarten lassen. Stattdessen bekam ich ungewöhnliche Todesfälle im Hier und Jetzt und eine Clique junger Frauen, die sich hauptsächlich auf Essen, Trinken und Feiern konzentriert. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich für Palina, eine der Hauptpersonen, ein paar Merkwürdigkeiten zeigten, die in eine Fantasywelt gehören und diese zunehmend für uns öffneten. Und auch bei den Todesfällen ergaben sich Ungereimtheiten, die den Rechtsmediziner stutzig machten, weil er sie sich nicht erklären konnte.

„Die Tore der Assassinen“ ist eine Mischung aus Fantasyroman, Krimi und Chicklit, was ich so noch nie gelesen habe. Diese ungewöhnliche Kombination hat mir gefallen, allerdings ist es dem Buch nicht leicht gefallen, allen drei Genres gerecht zu werden.

Die Runde der trink- und schlemmerfreudigen Freundinnen tut im Grunde nichts anderes als das. Sie sitzen zusammen, reden über Männer, essen, und trinken sehr viel Alkohol. Am Krimi- oder Fantasyaspekt des Buches sind sie nicht wirklich beteiligt. Es hätte mir gut gefallen, wenn die Mädels auch mal Hirn und Spürnase eingesetzt hätten und sich mehr hätten einbringen dürfen.

Die beiden Polizisten Mario und Rene befassen sich mit den Todesfällen, die man nur bei näherem Hinsehen als Morde erkennen kann. Selbst der erfahrene Rechtsmediziner weiß nicht, wie es zu den tödlichen Herzschäden kommen konnte. Dabei lassen sich Rene und Mario auch mal von einer oder zwei Flaschen Bier im Büro helfen. Bei angetrunkenen Waffenträgern und Dienstwagenfahrern hatte ich kein gutes Gefühl, aber im Buch wird das nicht als Problem angesprochen. Immerhin haben die beiden Beamten weniger getrunken als die Damenclique und der gute Wille zählt. Die Ermittlungsarbeit wird nur angedeutet und da man als LeserIn zwar mehr weiß als die Polizei, aber die Zusammenhänge doch lange nicht erfährt, kann man auch nicht miträtseln.

Die Träume, die Palina am Brunnen des Weihnachtsmarktes überfallen und in eine Art Bewusstlosigkeit schicken, nimmt sie recht gelassen hin. Schnell noch einen Lumumba trinken, dann lässt sich das alles schönreden oder wegschieben. Dass Leichen quasi ihren Weg pflastern, beunruhigt sie auch nur am Rande. Wahrscheinlich steckt sie voller Emotionen, doch ich habe sie nicht wahrgenommen. Selbst als der Gentleman Charles ins Spiel kommt und ihr ein paar ziemlich unglaubliche Dinge eröffnet, begießen die beiden das mit einem guten Whiskey zum Kuchen und schon ist es nur noch halb so schlimm. Je weiter die Handlung fortschreitet, desto dominanter wird der Urban Fantasy Aspekt und die Spannung steigt.

Einzig der Kater Flokati bleibt durchgängig nüchtern.

Leider habe ich zu keiner der Figuren eine echte Verbindung knüpfen können. Die Distanz blieb für mich unüberwindlich und nach meinem Empfinden haben wir alle nur von außen beobachtet, aber nicht in ihr Seelenleben schauen können. Das habe ich bedauert, denn in manchen Szenen kamen die Protagonisten dadurch ziemlich gefühllos oder gar gleichgültig rüber. Die Trauer um eine Freundin bekam beispielsweise etwa genauso viel Raum wie die Frage, wer welche Töpfe oder Geschirr beziehungsweise den wunderbaren 7 Liter Bräter bekommen sollte.

Mit dem Erzählstil hatte ich leider auch so meine Probleme und bin gar nicht richtig damit warm geworden. Ein schöner Lesefluss hat sich bei mir nicht eingestellt und mit manchen Sätzen musste ich fast schon kämpfen. Hier sind die Geschmäcker verschieden, aber ich hätte auf manche verschachtelte Satzstellung, exotische Wortwahl oder holprige Dialoge verzichten können.

Hier ein paar Beispiele, zum aufklappen bitte anklicken:
>> Heutzutage würden bei der Planung eines solchen Industriegebäudes wohl viele der Verschönerungen und liebevollen Details dem Kostendruck und einer Optimierung nach maximaler Funktionalität zum Opfer fallen (Position 112)

>> Das war gerade in seinem Alter und aufgrund des durch die vielen Missionen seiner ungewöhnlich langen aktiven Zeit fortgeschrittenen Abbaus besonders wichtig. (Position 990)

>> … der auch bezüglich seiner Garderobe keinerlei Abstriche in Bezug auf Qualität zu machen bereit war (Position 2208)

>> … genoss die Neige seinen Ports ohne Hast (Position 2232)

>> … dass sich ein zusammengefalteter Geldschein auf dem Silbertablett verirrt hatte (Position 2237)

>> Schopper-Tasche (Position 2411)

>> „Wird vielleicht ein Zusammenhang vermutet?“ Palina stutzte. „Meinen Sie, die Polizei vermutet irgendeinen Zusammenhang mit mir?“ (Position 2816)

>> Eine junge Frau, etwas Älter als sie, kam auf sie zu. (…) Gestikulierend forderte die Frau Palina auf, ihr zu folgen. Jedenfalls war es das, was Palina aus dem wilden Herumfuchteln herauslas. (Position 3017) [Anmerkung: Die Frau kann sprechen. Wieso sie hier vor Palina stehend nur wild gefuchtelt hat, wird nie aufgeklärt]

>> … bei dem die Ermittler sie um Hilfe bäten und sie natürlich hilfsbereit versuchen würde, zu helfen … (Position 3022)

>> „Ich habe ihn noch nie gesehen“ „Sie wollen mir doch nicht ernsthaft erzählen, Sie hätten ihn noch nie gesehen.“ „Ich habe ihn wirklich noch nie gesehen“ (Position 3047)

>> In die Rückseite ihrer weichen Schenkel und ihres Pos drückten sich die Kanten scharfkantiger Steine (Position 3230)

>> Die aufwendige und zeitwierige Ausbildung (Position 3732)

>> Weder ihr noch Peter schienen in Gefahr zu sein (Position 5310)

>> “Können Sie die Positionen genau angeben, an denen Peter stand, als er starb” (Position 5333)

>> … als plätscherndes Hintergeräusch wahrgenommen wurde … (Position 5351)

Außerdem schweifte der Erzähler quasi pausenlos ab zu kleinen Anekdoten, die für meinen Geschmack die Erzählung nicht bereicherten, sondern das ohnehin schon gemächliche Tempo herunterbremsten und den Eindruck erweckten, man würde ein wenig ziellos durch die Themenlandschaft eiern. Ich weiß jetzt z. B. genau, woher die jeansfarbenen Abriebe im Flur des Polizeipräsidiums kommen und frage mich immer noch, wieso ich das wissen sollte. Manche Kapitel beginnen mit wenigen Sätzen zur Handlung, um dann sofort zu Nebensächlichkeiten abzuschweifen, was irgendwann in mir den genervten Wunsch geweckt hat, diese Passagen zu überspringen.

Am Ende des Buches hört die Erzählung einfach auf. Für meinen Geschmack fand das offene Ende zu einem passenden Zeitpunkt statt, ein etwas runderer Abschluss dieses ersten Bandes hätte mir aber schon gefallen.

Ich fand es schwierig, zu diesem Buch eine Bewertung abzugeben. Es gab einige Dinge, die mir gut gefallen haben, denn sowohl die Grundidee als auch den Genremix fand ich klasse. Die Umsetzung hätte in meinen Augen aber noch etwas mehr an Feinschliff vertragen können, wie zum Beispiel eine Glättung der Sprache, eine zielgerichteteren Handlungsverlauf, nahbarere Figuren und auch die verschiedenen Genres hätten nicht so nebeneinander stehen müssen sondern hätten mehr verknüpft werden können. Da ist bei der einzigartigen Kombination von Genres leider viel ungenutz geblieben.

Trotz Debüt-Bonus war ich nicht ganz glücklich mit dem Buch, sehe aber Potenzial für die Zukunft. Da “Die Tore der Assassinen” der erste Band einer Reihe ist, gibt es noch Gelegenheiten, die Luft nach oben auszuschöpfen.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch:
Die folgenden Buchbesprechungen sind alle um einiges positiver ausgefallen als meine, ich vertrete hier die absolute Mindermeinung.
Tii und Ana’s kleine Bücherwelt (Ana)
Kriminetz (3 Rezensionen von Leseute, Kaline und Lesezauber_Zeilenreise)
Meenzer BuuchMeedsche (4 von 5 Sternen)

Die Serie in der richtigen Reihenfolge:
Die Tore der Assassinen

Herzlichen Dank an den Autor für das Rezensionsexemplar

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Titel: Die Tore der Assassinen
Autor/in: Dave Cobbler
ISBN / ASIN: ‎ 9798807606891
Serie: Vortices Spiritus #1
Sprache:
Deutsch
Genre: Krimi Fantasy Chicklit
Verlag: Selfpublishing
Erscheinungsjahr:
2022
Medium:
eBook
Seitenzahl: 396
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Amazon-Seite zum Buch

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