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Brutus, der Dorftrottel von Kim Fielding

29639235Darum geht’s:

Brutus ist groß, stark und hässlich. Seit dem Tod seiner Eltern wurde er schon als Kind herumgeschubst und als Erwachsener wird er nur als billiger Steineschlepper für besonders schwere Lasten angesehen, den man nach Belieben ausnutzen kann. Auch er hat keine besonders hohe Meinung von sich selbst. Als er den Prinzen aus einer lebensgefährlichen Situation rettet und dabei selbst schwer verletzt wird, zeigt sich der Prinz dankbar und holt ihn in den Palast. Brutus bekommt dort die Aufgabe, sich nur um einen einzigen Gefangenen zu kümmern, was nicht besonders viel Zeit in Anspruch nimmt. Trotzdem haben es seine Vorgänger auf diesem Posten nicht lange ausgehalten, denn der Gefangene, Gray Leynham, gilt als Hexer und Verräter und träumt regelmäßig vom Tod, der Personen in seiner Umgebung demnächst ereilt. Deshalb will keiner lang bei ihm bleiben.

So fand ich’s:

Brutus lebt in einer Fantasy-Welt, die mittelalterlich anmutet und in der Magie zuhause ist. Bisher hat das Leben Brutus übel mitgespielt, doch er hat es geschafft, sich sein gutes Herz zu bewahren. Dass er als Held angesehen wird, seit er den Prinzen gerettet hat, findet er übertrieben. Er hat nur getan, was getan werden musste. Andererseits wundert er sich nicht darüber, schief angesehen zu werden, denn er weiß, dass sein hässliches Äußeres und seine große, muskulöse Gestalt den Leuten Angst macht. Er ist nie zur Schule gegangen und kann weder lesen noch rechnen, aber er ist nicht dumm. Mit seiner selbstlosen und sanften Art muss man ihn sofort ins Herz schließen.

Was Gray, sein Gefangener, verbrochen hat, erfährt Brutus eine ganze Weile lang erst einmal nicht und da wir ausschließlich Brutus als Erzähler haben, wissen wir Leser das genauso wenig. Und doch behandelt Brutus Gray menschlich und freundlich und ist fasziniert von dem Mann, der blind in einer Zelle gefangen und mit Ketten an Händen, Füßen und Hals zusätzlich gesichert ist, mit zu wenig Essen versorgt wird, auf nacktem Boden schlafen muss, sich wegen eines schlimmen Stotterns kaum verständigen kann und von Alpträumen über den Tod geplagt wird.

Brutus lebt im Palast besser als je zuvor, und mit der Zeit findet er sogar echte Freunde, etwas, das ihm in seinem Leben bisher nie passiert ist. Doch wie sich seine Beziehung zu Gray entwickelt und verändert, das behält er für sich. Während wir die zögerliche Annäherung der beiden mit einem Lächeln beobachten, wird irgendwann offensichtlich, dass aus den beiden wegen Grays Situation nichts Ernsthaftes werden kann. Brutus hat da aber eine Idee, die ihn all das kosten würde, was er sich erträumt und im Palast gefunden hat.

Die unkomplizierte, direkte Sprache, in der das Buch erzählt wird, passt zum geradlinigen Brutus, und doch wird damit mühelos eine märchenhafte Stimmung erzeugt, die mit nur einer kleinen Prise Erotik auskommt, dafür aber mit umso mehr Gefühl und Atmosphäre.

Weil ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich das Original “Brute” oder die deutsche Übersetzung “Brutus der Dorftrottel” lesen soll, habe ich zwischen beiden Versionen kapitelweise hin und her gewechselt. Und nicht nur die Geschichte an sich hat mich überzeugt, sondern auch die deutsche Übersetzung davon.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch kann man bei “Ulla liebt Bücher”, bei “Gaylesen”, bei “Drei Bücher über dem Regenbogen” und bei “EL Ma liest” nachlesen.


[Werbung] Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

 

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