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Geschützt: Autoren- bzw. Autorinnengeheimtipp- -Vorschau

Das Clubstüberl vom Club LiterAUTur ist heute zum zweiten Mal für Publikum geöffnet. Auf der Lesecouch haben Ascari, Lisa, und Nicole Platz genommen, ich sitze an der Ecke der Couch auf dem Sprung und hab als Gastgeberin zusätzlich noch die Verantwortung über die Kuchentheke und die Kaffee- und Teemaschine.

Das Thema unseres heutigen Treffens rund um das buchige Österreich lautet: Autoren- oder Autorinnengeheimtipp. So allgemein gehalten bietet es viele Möglichkeiten, auf jemanden aufmerksam zu machen, der oder die die große Aufmerksamkeit noch nicht genießt. Offensichtlich bietet das aber auch ein paar Fallstricke, wie die einzelnen Beiträge andeuten. Wie gut, dass auf jeden Fall vier klasse Buchempfehlungen dabei herausgekommen sind!


Das Wort hat zuerst Ascari, die für den Club LiterAUTur sogar ihre Blogpause unterbrochen hat:

Ich gebe zu, ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das Thema „Autorengeheimtipp“ ganz richtig interpretiert habe, aber egal. Ich habe mich für unser zweites Treffen für das Buch einer Autorin entschieden, die offensichtlich diversen Medienberichten zufolge letztes Jahr ein absoluter Shooting-Star bei uns in Österreich war: Martina Parker. Ich muss allerdings gestehen, dass ich davon absolut nichts mitbekommen habe.

Jetzt ist schon der zweite „Gartenkrimi“ von Martina Parker erschienen – und dieses Buch ist mir nun durch die Werbung in der Buchhandlung meines Vertrauens aufgefallen. Da ich bei Reihen aber gern beim ersten Teil anfange, habe ich mich dafür entschieden, erst einmal mit „Zuagroast“ zu starten.

Für die, die mit dem Begriff nichts anfangen können: „Zuagroast“ ist unser, nicht immer ganz nett gemeinter Begriff für jemanden, der von woanders zugezogen ist. Wortwörtlich bedeutet es „Zugereist“.

Zuagroast sind in diesem Buch auch zwei der drei Frauen, um die sich die Geschichte hauptsächlich dreht. Da ist einmal Vera, Journalistin, mit Teenager-Tochter, die mangels Zukunftsperspektive in das Haus ihrer verstorbenen Großmutter zieht. Die zweite Fremde ist Eva, Vorzeige-Frau des Architekten Paul, der man im Verlauf der Geschichte schon bald anmerkt, dass sie es satt hat, an der Seite ihres Mannes immer nur die zweite Geige zu spielen… Die dritte im Bunde ist Johanna, eine absolute Koryphäe in Sachen Garten und Natur. Sie ist es auch, die den Klub der grünen Daumen gründet, wo sich die Freundschaft von Eva und Vera vertieft.

Zugegeben, das klingt jetzt auf den ersten Blick nicht sonderlich spektakulär und es braucht auch weit bis in die Mitte der Geschichte, ehe der Krimi überhaupt anfängt bzw. eine Leiche auftaucht, aber ich ertappte mich schon bald dabei, dass ich gerade diese leisen Töne am Anfang sehr mochte. Die Autorin nimmt sich Zeit, ihre Heldinnen einzuführen und trotz ihrer Lebensumstände Sympathie für sie zu erwecken. Nach und nach spürt man immer mehr, dass etwas passieren wird – man kann nur noch nicht sagen was…

Als Krimi würde ich das Buch definitiv in den Bereich „Cozy Crime“ stecken, aber die Geschichte lebt meiner Meinung nach mehr von den Figuren, den liebevoll eingestreuten Anspielungen auf Orte und Personen aus dem Südburgenland (Manche der Nebenfiguren gibt es wirklich, habe ich gelesen) und den kleinen Gartentipps am Anfang jeden Kapitels, die einen gewissen Ausblick auf das geben, was im Kapitel geschieht.

Ab und zu lässt die Autorin ihre Figuren auch im Dialekt sprechen, wer sich damit schwer tut, findet am Ende des Kapitels eine entsprechende Endnote auf Hochdeutsch. Am Ende des Buchs befindet sich auch ein Glossar mit typisch österreichischen Wörtern und eine Kurzgeschichte, mit der die Autorin einen Literaturwettbewerb vor dem Erscheinen von „Zuagroast“ gewonnen hat. Das Hörbuch verzichtet darauf leider, dafür hat man allerdings die Gelegenheit, „unseren“ Dialekt auch zu hören. Gelesen wird es von Catharina Ballan, die auch die Bücher von René Anour vertont hat.

Für mich persönlich war dieses Buch ein echter Überraschungshit, es gab zwar ein, zwei Dinge, die mich mit der Zeit etwas nervten (An manchen Stellen kam mir das Buch fast etwas zu belehrend rüber), aber es hat Spaß gemacht, dieser Geschichte zu folgen – und es wird bestimmt nicht lange dauern, bis ich mir den zweiten Teil „Hamdraht“ vornehmen werde.


Ein Club im Club! Ich muss gestehen, dass Martina Parker bisher auch an mir vorbei gegangen ist. Ich mag meine Krimis ganz gerne blutig, aber so ein cosy Roman, der von den liebevoll beschriebenen Figuren lebt, hat schon auch für mich seinen Reiz. Besonders auf dem Balkon oder am Badesee vertrödelte Wochenenden schreien geradezu nach so einem Buch. Liebe Ascari, mich hast Du auf jeden Fall neugierig gemacht mit Deinem Geheimtipp!

Auch Lisa hat sich einen Krimi gegriffen, über dessen Titel ich schon schmunzeln musste. Griffige Buchtitel finde ich wichtig, das lockt mich an. Und wer möchte nicht – wenns schon sein muss – schöner sterben ;-)


Lisas Buch-Empfehlung einer noch nicht ganz so bekannten Autorin:

Witzigerweise hatte ich bei diesem Thema, genauso wie du Ascari, so meine Startschwierigkeiten. Ich hab zunächst kein Buch gefunden, welches von einem eher unbekannteren Autor oder Autorin geschrieben wurde. Andererseits hab ich in den letzten Tagen einen Liebesroman einer jungen österreichischen Autorin als Hörbuch gehört, welches mich leider nicht vollends jubeln hat lassen und so fiel das Werk für diese Kategorie flach.

Den Krimi, den ich euch heute vorstelle, kann ich euch aber empfehlen.

Spieglein, Spieglein an der Wand? Wer ist die Schönste im ganzen Land? So, oder so ähnlich stell ich mir die Patienten einer Schönheitsklinik am Tag danach vor. In „Schöner sterben in Wien“ von Dagmar Hager geht es vollends um Eitelkeit, Schönheitswahn und natürlich um die Tatwaffe: Botox.

„Schöner sterben in Wien“ ist der 2. Band rund um die Wiener Reporterin Lilly. An dieser Stelle ist anzumerken, dass es nicht zwingend notwendig ist den Vorgängerband zu lesen. Ich hab’s auch ohne geschafft.

In der Vergangenheit hat unsere Protagonistin, Lilly, einen Unfalltod vertuscht und jetzt kommt heraus, dass jemand davon weiß. Der Schock sitzt tief und gemeinsam mit ihrem Kameramann Ferdl und seiner Nichte Marlena gehen sie dessen auf Spur und entdecken so nebenbei einen Mörder, der mit dem Nervengift Botulinumtoxin tötet.

Für mich ist der Wiener Krimi ein wahres Katz- und Mausspiel mit einigen unerwarteten – zumindest für mich – Wendungen. Mir hat besonders die Art und Weise, wie Dagmar Hager diese umgesetzt hat, gefallen.

Auch dieses Buch hat in meiner Rezension leichte Kritik eingesteckt, aber im Großen und Ganzen war es ein unterhaltsamer und spannender Kriminalroman.

Eine ausführlichere Meinung zu diesem Buch gibt’s übrigens in dieser Rezension.

Sehr zu empfehlen an dieser Stelle ist auch der Blog beziehungsweise der Podcast von Dagmar Hager. Sie hatte schon einige interessante Interviewpartner vor dem Mikrofon. Um ein paar Beispiele zu nennen: Claudia Rossbacher (z.B. Steirerkrimis), Karim El Gawhary (ORF Auslandskorrespondent über Krisensituationen) oder Ursula Poznanski (z.B. Vanitas).

Den Link dazu findet ihr hier


Lisa, wie schade, dass Dich der Liebesroman nicht so überzeugen konnte, dass es für einen Geheimtipp gereicht hat. Flexibel wie Du bist, hast Du schnell einen Wechsel von Liebe zu Mord hingelegt ;-) Der Wien-Krimi scheint auf jeden Fall ein super Tipp zu sein.

Und vielen Dank für den Hinweis auf den Podcast von Dagmar Hager. Ich musste gleich mal reinstöbern und habe entdeckt, dass es auch einen Talk mit Martina Parker über ihr Buch “Zuagroast” gibt, das Ascari sich als Geheimtipp ausgewählt hat. Das spricht gleich doppelt für die Autorinnen und den Podcast.

Nachdem sich Nicole gefragt hat, wie geheim ein Tipp sein muss, um noch als Geheimtipp zu gelten, hat sie sich für eine Autorin entschieden, die für mich auf jeden Fall das Kriterium “unbekannt” erfüllt.


Hier ist Nicoles Empfehlung aus der Feder einer unbekannten Autorin:

Mit dem „Autorengeheimtipp“ habe auch ich mir schwer getan. Es gibt viele österreichische Autoren und Autorinnen, die mich begeistern. Doch dann habe ich mich gefragt, wer von ihnen wirklich als Geheimtipp zählt? Ist es Andreas Gruber, den jede:r aufgrund seiner bekannten Thrillerreihen kennt, der mich aber mit seinen eher unbekannteren Horror-Romanen überzeugt? Oder soll ich Michaela Kastel vorstellen, die mit „Worüber wir schweigen“ einen Hype auslöste? Da fehlt es mir doch am „Geheim“ im „Tipp“ und deshalb habe ich mich für jemand ganz anderen entschieden: Christina Unger!

Im Grunde bin ich passionierte Horror-Leserin und daher regelmäßig bei meinen speziellen Horror-Lieferanten aka Verlagen auf Beutezug. Plötzlich fällt mir bei einem dieser Streifzüge ein quietschendes, rosa Cover mit einer schwarzen Katze darauf auf. Das Interesse war geweckt, weil das Cover extrem auffällig ist und es von Aufmachung und Inhaltsbeschreibung her eher ein ungewöhnliches Buch für den Luzifer Verlag ist.

Christina Ungers „Leichenschmaus“ hat mir großen Spaß gemacht! Sie schlägt damit in eine Kerbe zwischen Rita Falks Niederkaltenkirchen und der alten TV-Serie „Mord ist ihr Hobby“ , wovon sie sich durch schwarzen Humor und bizarren Figuren deutlich abhebt. In dem kleinen Dorf Keltenberg wird die Katze Black Sabbath tot aufgefunden, was einen Domino-Effekt auslöst. Denn rasch darauf geschehen weitere Morde, welche die Familie Burkhardt, Haushälterin Gertrud und Inspektor Junghans ins Schwitzen bringen.

Mittendrin ist Gertrud Klampfl, die das arme Tierchen findet und kurzerhand als Haushälterin eingestellt wird. Zuerst freuen sich alle Beteiligten über die Unterstützung, bis Gertrud erst einmal losgelegt hat. Mit ihrem ausgeprägtem Putzfimmel und ihrer besitzergreifenden Art, nimmt sie sich des Haushalts ‘ihrer’ Familie an.

Als Leser:in verfolgt man hierbei Gertruds Gedanken und bei ihrer Sicht der Dinge, kommt einem mancher Schmunzler aus. Sehr unterhaltsam sind außerdem Gertruds Aktionen und wie sie den Haushalt zwar in Ordnung, damit jedoch ordentlich durcheinander bringt.

Den Krimifall habe ich als solide empfunden, wobei das Buch meiner Meinung nach nicht von den polizeilichen Ermittlungen lebt. Das Zusammenspiel der Figuren ist amüsant beschrieben und mit einer düster-heiteren Note versehen. Trotzdem tut sich etwas Kriminelles, das auf ein gelungenes Finale steuert, was dem Krimi einen runden Abschluss gibt.

Für mich ist „Leichenschmaus“ amüsante, ungewöhnliche Krimiunterhaltung, die irgendwo zwischen ländlichem Charme und schwarzem Humor mit einem Schuss Psychothriller angesiedelt ist. Wer wunderliche Regionalkrimis mag und nicht unbedingt Wert auf trockene Ermittlungen legt, der hat damit ein ungewöhnliches und empfehlenswertes Buch entdeckt.

Zur ausführlichen Rezension zum Buch geht es hier entlang.


Schwarzer Humor und skurrile Figuren, das klingt wirklich nach einem lesenswerten Regionalkrimi, der gut unterhält und sich neben “Zuagroast” und “Schöner sterben in Wien” sehr gut einfügt. Drei Krimis von drei Damen aus Österreich geschrieben und von drei anderen Damen aus Österreich Interesse weckend vorgestellt.

Hmmm, die Bayerin im Club LiterAUTur (sprich: ich) geht heute mal in eine leicht andere Richtung. Ich bin wie die anderen Club-Mädels auch ein großer Krimi-Fan, aber mit meinem Blick von “halb-außen” auf die österreichische Literatur kenne ich eher die Mainstream-AutorInnen bzw. Bücher, die sich für einen Geheimtipp nicht so gut eignen. Bei meinem zweiten Lieblingsgenre Gay Romance kenne ich mich allerdings gut genug aus, um ein wenig Insiderwissen mit anderen Leseinteressierten zu teilen. Das ganze Genre ist schon ein Geheimtipp ;-) oder eher eine Nische, die nicht alle LeserInnen überhaupt wahrnehmen. Und mein Lieblingsbuch dieser österreichischen Autorin ist auch dadurch (noch) nicht in aller Munde, weil sie ohne Verlag in Eigenregie veröffentlicht und deshalb ihre Bücher nicht stapelweise in allen Buchhandlungen ausliegen. Was ich sehr schade finde!


Gabis Lieblingsbuch einer Geheimtipp-Autorin aus Österreich:

Hyacinthe fragt nicht lange nach, warum der hässliche Gavrila ihn davor retten möchte, mit Schimpf und Schande verjagt oder gar von seinem Vater erschlagen zu werden, weil Hyacinthe sich in dunkeln Ecken der Stadt herumgetrieben hat, um auf dem Strich ein bisschen Geld für seine arme Familie zu verdienen. Als der Polizeichef Hyacinthe vor allen bloßstellt, ist er heifroh, dass Gavrila ihn heiraten und damit alles wieder gutmachen will.

Gavrilas Lebensinhalt ist es, den Tod seines Bruders aufzuklären und dem Geheimbund, der offensichtlich auch an anderen Morden die Schuld trägt, das Handwerk zu legen. Dass er wegen seines Aussehens in der ganzen Stadt nur verspottet und beleidigt wird, hat Gavrila gelernt zu ignorieren. Schließlich ist er ja auch tatsächlich hässlich und kaltherzig.

So ganz kann ich mich vom kriminalistischen Einfluss der anderen Club-Mädels nicht entfernen, denn obwohl es hier um eine schwule Liebesgeschichte geht, muss auch ein Mord und eine Verschwörung aufgeklärt werden, der Hyacinthe und seinen Ehemann einander auf sehr süße Weise näher bringt und gleichzeitig ordentlich Spannung aufkommen lässt.

Tharah Meester hat mit Farefyr, Ascot oder Venice üppige, mittelalterlich angehauchte Fantasiewelten geschaffen, in denen ihre Liebesgeschichten spielen. Manchmal geht es um Mann und Frau, manchmal aber auch prickelt es zwischen zwei Männern, denn gleichgeschlechtliche Verbindungen sind dort durchaus selbstverständlich. Spannung kommt auch nicht zu kurz, es darf auch gelacht werden, doch mich überzeugt Tharah Meester am meisten mit ihrer Art, einen nicht nur in die Köpfe, sondern vor allem in die Herzen ihrer Protagonisten schauen zu lassen. Sie ist eine großartige Erzählerin, die mit schöner Zuverlässigkeit für Taschentuch-Alarm sorgt.

Meine ausführliche Rezension zum Buch findet ihr hier.


Nun ist der Kuchen gegessen, Tee und Kaffee sind getrunken und die buchigen Geheimtipps von unbekannteren Autorinnen sind ausgetauscht. Tatsächlich sind es diesmal vier schreibende Frauen geworden, auf die wir aufmerksam machen wollen.

Sind Euch die Damen schon bekannt oder waren tatsächlich Tipps dabei, die Euch überrascht haben? Hat Euch etwas davon angesprochen?

Schade, dass die gemütliche Zeit im Club LiterAUTur schon wieder vorbei ist. Unser Quartett trifft sich wieder am 21. August und dann ist Nicole bei “Zeit für neue Genres” die Gastgeberin. Das Thema wird dann passend zur Jahreszeit und hoffentlich auch zum Wetter “Summerfeeling” sein.

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