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[Gänseblümchen der Woche] #184 und einiges mehr

Wir hatten hier ein paar schöne Herbsttag mit Sonnenschein und entsprechend ausführlich war ich mit Levi draussen. Wenn ich es aufsummiere, bin ich täglich zwischen zwei und vier Stunden an der frischen Luft. Wir gehen nicht die ganze Zeit, sondern Levi schnuppert ausführlich, wir treffen andere Menschen, mit denen ich schwatzen kann oder wir treffen Hunde, mit denen Levi spielt. Verschiedene Nachbarskinder waren auch mal mit beim spätnachmittäglichen Gassigang dabei und haben Bälle für Levi geworfen. Zufällig haben wir am Spielplatz zwei Schwestern mit Mama getroffen. Die jüngere strahlte los, als sie Levi sah und kam auch schnell heran, um ihn zu streicheln. Es endete damit, dass sie laut kreischend über die Wiese rannte mit Levi ihr dicht auf den Fersen. Zuerst dachte ich, sie hätte Angst und versuchte, Levi tatsächlich zu entkommen. Ich merkte aber schnell, dass sie riesigen Spaß hatte. Und Levi auch. Die ältere Schwester ließ ihr den Vortritt und hielt sich zurück. Und Mama und ich lachten die ganze Zeit. So herzlich hab ich schon lange nicht mehr gelacht – richtig befreiend. Irgendwann änderte sich das Fangen-Spiel, weil Levi mit seinem Ball im Mund davonrannte und die Kleine – wieder hysterisch kreischend – hinterher. Levi drehte nicht allzu große Kreise und kam immer wieder zu dem Mädchen zurück. Offensichtlich gefiel es ihm genauso gut. Als wir wieder zuhause waren, musste er sich erst einmal ausruhen, so ausgepowert war er.

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Dass ich so lange draussen bin, erinnert mich ein bisschen an meine Kindheit. Ich bin auf dem Land groß geworden und wir waren im Sommer und im Winter, bei Regen oder Sonnenschein, meistens draußen. Nassgeschwitzt oder blaugefroren, nichts hat uns davon abgehalten, Spaß zu haben. Ein bisschen geht es mir im Moment auch so. Welcher Erwachsene schafft es schon, jeden Tag stundenlang im Freien herumzustromern und nicht dringend irgendwo hin zu müssen. So richtig genießen kann ich das nicht, weil mich vieles schnell nervt und ich nicht allzu viel Konzentration oder Power habe. Aber ich merke sehr wohl, dass mir das gut tut. Und dass Levi der Meister-Schnupperer das auch genießt, ist ja klar.

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Der Euro in meiner Tasche

Habt ihr auch immer einen Euro in der Tasche? Als Einkaufswagenchip, für alle Fälle, um damit herumzuspielen? Bei mir hat sich das im Laufe der Zeit soweit entwickelt, dass ich in so ziemlich jeder Jackentasche ein Eurostück habe, im Auto in einer Ablage ein paar Eurostücke liegen, in einem der kleinen Seitenfächer meiner Handtaschen auch immer irgendwo eines versteckt ist.

Ich lasse das Kleingeld immer in den Jackentaschen, auch wenn ich sie an einer Garderobe abhänge und aus den Augen lasse. Es ist mein ganz persönlicher Test für die Menschheit. Wird das Geld noch da sein, wenn ich die Jacke wieder nehme? Würde ich zweimal die Woche einen neuen deponieren müssen, hätte ich das schnellstens aufgegeben. Es ist aber tatsächlich so, dass vielleicht einer oder zwei pro Jahr verschwinden. Wenn überhaupt.

Wenn ich angebettelt werde, greife ich ebenfalls auf diesen Euro zurück. Ist einer in der Jacke, die ich gerade anhabe, dann gebe ich ihn. Das passiert noch seltener als dass er mir geklaut wird und liegt wahrscheinlich daran, dass ich eine Shoppingallergie habe und mich extrem selten in Innenstädten aufhalte. Gestern ist allerdings eine junge Frau aus einem Gebüsch im Pipipark gebrochen und hat mich nach einem Euro gefragt (eine Gruppe hatte in der Nähe des kleinen Teiches ein bisschen gefeiert, da gehörte sie wohl dazu). Freundlich. Ich hab sie gefragt, wozu sie den Euro braucht, schließlich muss sie sich den Euro wenigstens pseudo-verdienen. Sie meinte, sie hätte kein Geld mehr und bräuchte eine Busfahrkarte. Das reichte mir als Ausrede ;-)

Nach einem ebenso freundlichen Dankeschön ist sie wieder im Gebüsch verschwunden.

Ist die Menschheit noch zu retten? Angesichts der Covidioten, Nasenpimmel und Ich-demonstriere-mir-Corona-weg-Spezialisten sind mir solche Begegnungen eigentlich ganz lieb. Besser im Freien im Park mit den Kumpels ein Bierchen trinken als sich zuhause auf dem Sofa zusammenquetschen. Wie kann man von jungen Menschen vernünftiges und maßvolles Verhalten erwarten, wenn es weit ältere, gesetzte Menschen nicht hinbekommen?

Nachdem das akute Drama in den USA erst einmal beendet scheint, werde ich mich ein bisschen von den Nachrichtensendern und politischen Diskussionen verabschieden und versuchen, mein Vertrauen in die Menschheit wieder zu stärken. Mal sehen, ob das funktioniert.

Habt einen schönen Sonntag!

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