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[Lesung] Simon Beckett mit “Totenfang” am 13.03.2017 beim Krimifestival München

Wenn man sich das umfangreiche Programm des Krimifestivals München ansieht, an dem ständig ergänzt und erweitert wird, bekommt man fast den Eindruck, dass dies eine Dauerveranstaltung ist, die uns das ganze Jahr über mit spannenden Lesungen versorgt. Aber tatsächlich gibt es eine Eröffnungsveranstaltung, die auch für 2017 wieder den Startschuss für einen Frühling voll interessanter Termine gibt. Und diese erste Lesung der Saison 2017 durfte ich besuchen, als Simon Beckett aus seinem neuesten Buch “Totenfang” las.

Eröffnet wurde die Veranstaltung im Carl-Orff-Saal durch den Stadtrat Klaus Peter Rupp, gefolgt von einer kurzen Rede von Sabine Thomas, die zusammen mit Andreas Hoh das Krimifestival München nun schon im 15 Jahr veranstaltet. Da neben lokalen Größen auch internationale Bestsellerautoren immer wieder dort zu Gast sind, gehört dieses Festival zu meinen Lieblingsveranstaltungen und ich bemühe mich, in jedem Jahr mindestens eine Lesung dort zu besuchen. Wer wissen möchte, welche Lesungen dieses Festivals ich in den vergangenen 4 Jahren schon besucht und davon erzählt habe, klick bitte hier.

Auf die Lesung von Simon Beckett war ich schon sehr gespannt. Sein Held David Hunter gehört mit seiner Krimireihe zu den etwas ruhigeren Protagonisten, da er als forensischer Anthropologe nicht in vorderster Front der Ermittlungen steht und auch eher ein etwas grüblerischer Typ ist. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen gehört er zu meinen Lieblingen. Sein 5. Abenteuer “Totenfang” hat mir sehr gut gefallen.

Simon Beckett musste nicht alleine auf die Bühne, sondern mit Margarete von Schwarzkopf moderierte eine versierte Buchkennerin und souveräne Gesprächspartnerin auf Deutsch und auf Englisch den Abend. Unterstützt wurden sie durch den Schauspieler und Sprecher Hans Jürgen Stockerl, der den Part der deutschen Lesung übernahm.

Auch wenn Simon Beckett eindeutig nicht der raumgreifende Entertainer und polternde Alleinunterhalter ist, hat er das Publikum mit seiner freundlichen und gelassenen Art für sich eingenommen. In zwei Gesprächsblöcken erzählte er unter anderem davon, wieso er sich mit seinem aktuellen David Hunter Band ganze 5 Jahre Zeit gelassen hatte. Es war grundsätzlich schon immer geplant, die Serie fortzuführen (und auch dieser 5. Band soll nicht der letzte sein – ein Ende der Serie ist nicht abzusehen), aber es musste erst die richtige Story gefunden werden. Und dann ist auch die Gegend, in der ein Buch spielt, für Simon Beckett sehr wichtig. Auch wenn alle Schauplätze frei erfunden sind, hat er sie doch an real existierende Regionen angelehnt und braucht die Atmosphäre, die eine bestimmte Landschaft erzeugt, als wichtigen Bestandteil für sein Buch. Wer die Bücher mit David Hunter kennt, kann dem nur zustimmen, denn die Bücher dieser Reihe sind immer sehr atmosphärisch und beziehen die Landschaft in das Geschehen mit ein, was mir persönlich sehr gut gefällt. Bevor also nicht klar ist, in welcher Region das nächste Buch spielen soll, kann die Schreibarbeit nicht beginnen.

Die eigentlichen Kriminalfälle sind immer frei erfunden und wurden auch nicht an wahre Begebenheiten angelehnt.

Während des Schreibens überrascht sich Beckett auch manchmal selbst mit Wendungen, die er vorher so nicht geplant hatte, die sich aber aus der fortschreitenden Geschichte ergeben. Es wirkte, als habe er besonders großen Spaß daran, wenn seine Figuren ein Eigenleben entwickeln.

Eine Besonderheit der David Hunter Bücher ist, dass am Anfang jeden Buches den Lesern immer eine medizinische Information ziemlich detailreich geschildert wird, die mit der Todesart des jeweiligen Buches zu tun hat. Da wird als Einleitung schon mal erklärt, was passiert, wenn ein menschlicher Körper verbrennt. Oder wie bei “Totenfang” wird geschildert, was mit einer Leiche passiert, die länger im Wasser treibt. Gerade für diese forensischen Informationen braucht es genaue Recherche. Und auch darauf, die polizeiliche Arbeit möglichst realistisch zu schildern, legt Simon Beckett großen Wert. Natürlich ist das Internet oder seine mittlerweile vorhandene Sammlung von Fachbüchern eine Hilfe, aber seine Haupt-Informationsquelle ist es, sich von Fachleuten informieren zu lassen. Ein festes “Team Hunter” an Experten gibt es dafür nicht, denn es werden auch immer mal unterschiedliche Fachgebiete gebraucht.

Beckett meinte selbst nicht, dass seine Hauptfigur David Hunter besonders viel von seiner eigenen Person beinhaltet, Hunter ist nicht als literarische Version von Beckett angelegt. Obwohl Hunter in seinem Fachgebiet ein Ass ist und dort auch sicher und souverän auftritt, macht er ansonsten Fehler wie jeder andere Mensch und trifft auch regelmäßig falsche Entscheidungen. Er soll kein Superman sein, sondern ein ganz durchschnittlicher Mensch, der eben nur einem ungewöhnlichen Beruf mit viel Expertise nachgeht. Und je schusseliger und wenig heldenhaft sich Hunter als Mensch benimmt, desto mehr Spaß hat auch Beckett an den Szenen.

Nach der größten Herausforderung bei dieser Serie gefragt, erzählte Beckett, dass er sich viel Mühe gebe, jeden Band mit einer individuellen Handlung zu versehen, die ihn deutlich von den anderen Bänden der Reihe unterscheidet, aber doch klarzumachen, dass die einzelnen Folgen zusammen gehören. Das Privatleben David Hunters zieht sich schließlich auch als fortlaufende Geschichte durch alle Teile. Ich finde, dieser Spagat gelingt ihm sehr gut.

Zwischen den Gesprächsblöcken las Simon Beckett jeweils den Anfang eines Kapitels auf englisch und Hans Jürgen Stockerl las dann die komplette Szene auf deutsch. Bei der sonoren Sprecherstimme hätte man auch gerne noch länger zugehört und man merkte auch die Faszination des Publikums, denn es war mucksmäuschenstill im Saal. Bei dieser Gelegenheit konnte man auch einen kleinen Vergleich anstellen zwischen dem englischen Original und der deutschen Übersetzung, weil der Teil, den Beckett auf englisch las, nochmal auf deutsch wiederholt wurde. Margarete von Schwarzkopf und Hans Jürgen Stockerl waren sich einig, dass die Übersetzung von Sabine Längsfeld und Karen Witthuhn ausgesprochen gut gelungen ist und auch die besondere Atmosphäre des Buches perfekt wiedergibt.

Nach der Lesung war wie immer Gelegenheit, sich ein Buch signieren zu lassen und davon wurde reichlich Gebrauch gemacht.

Mehr dazu:

Auf der Seite des Rowohlt-Verlages kann man Simon Beckett im Kreuzverhör und ein Interview mit ihm nachlesen.

Wer noch mehr Fotos von der Lesung sehen möchte, kann sich noch 15 weitere auf der Facebookseite des Krimifestivals ansehen.

Und wer auf den Geschmack für Krimilesungen gekommen ist – hier geht’s zur Homepage des Krimifestivals München.

 

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Mir geht’s wie dir – ich finde auch schon seit einiger Zeit, dass das Krimifestival sich zu einer ganzjährigen Veranstaltungsreihe entwickelt. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde … ;-)

Hey Gabi!
Ein sehr interessanter Beitrag, ich war noch nie an einer Lesung dabei, aber das möchte ich gerne ändern. Aber wenn mal in meiner Nähe eine statt findet, interessiert mich die Genre nicht :( Mit Krimis tue ich mich immer schwer. Ich habe bisher zwei oder drei Krimis gelesen und war nicht völlig überzeugt. Meinst du “Totenfang” ist etwas für Krimi-Anfänger? Ich möchte gerne andere Genres ausprobieren und da ich wie schon erwähnt so gut wie keine Krimis lese, wird es langsam Zeit das zu ändern :)
Liebe Grüsse
Julia

Hey du Liebe,

ich hab Simon auf der FBM im Oktober kurz erspäht, als er zur Signierstunde am Rowohltstand war, aber irgendwie hab ich das auch zu spät wirklich gecheckt und war dann schon vorbei gelaufen. Muss jetzt auch endlich mal die Reihe anfangen und weiterlesen, hab damals irgendwann “Chemie des Todes” bei einem freund angelesen, aber nie weiterverfolgt. trotzdem stehen die ersten drei (und alle anderen Becketts) tatsächlich in meinem Regal. Ungelesen, natürlich *Augen roll* ^^

Na ja, irgendwann komm ich auch ins Rentenalter, ganz bestimmt …

Liebe Grüße,
jess

Kerstin

Hallo Gabi,
da bin ich ja neidisch ;-) warum wohne ich nur am Popo der Welt. Solche Lesungen würde ich auch gerne mal besuchen – hach – und dann Beckett. David Hunter ist ein so einprägsamer Protagonist, die Bücher um ihn habe ich mit Genuss verschlungen. Auch weil es eben ruhiger ist aber dafür sehr atmosphärisch.
Toll dein Beitrag
Liebe Grüße
und bis bald
Kerstin

Janna | KeJas-BlogBuch

Hey meine Feine, ein wirklich wuuunderbarer Beitrag über die Lesung und dann auch noch Beckett *-* Egal ob die Hunter-Reihe oder Einzelbände, ich liebe seine Bücher und warte schon hibbelig auf den nächsten Band!

Ganz liebe Grüße
Janna

Hey :)

Jetzt kommt er endlich, der versprochene Kommentar :). Ich muss ja gestehen, dass mich Beckett nicht wirklich begeistern kann. Sorry, wenn ich das so direkt sage, aber ich fand “Die Chemie des Todes” damals nicht sooooo besonders, als ich den ganzen Hype um die Bücher nachvollziehen könnte. Aber gut, jedem das Seine – oder besser gesagt: Gott sei Dank jedem das Seine. Wär ja sonst auch langweilig :D.

Kann aber gut verstehen, dass du dir diese Lesung gegönnt hast. Margarete von Schwarzkopf hat mir auf der FBM16 zusammen mit Jussi Adler-Olsen auch sehr gut gefallen, die Frau weiß, wie man solche Gespräche und Lesungen moderiert.

Bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen, dass ich mir das irgendwann auch mal geben muss – wozu hab ich Bekannte in München, die mir da weiterhelfen können? :D

Liebe Grüße
Ascari

Liebe Gabi,

ein wunderschöner und vor allem sehr informativer Bericht. Ich finde Hunter großartig, eben weil er eher der grüblerische und ruhigere Typ ist. Diese Reihe habe ich sehr genüsslich verschlungen, denn ich mag es auch sehr, von den top recherchierten, forensischen Details zu lesen. Totenfang besitze ich immer noch nicht *kopfschüttel*.

Vielen Dank für diesen lesenswerten Bericht.

Liebe Grüße

Nisnis

Huhu!

Bisher habe ich von Simon Beckett nur den ersten Band der David-Hunter-Reihe gelesen, war davon aber schon mal sehr begeistert! Ich werde sicher noch die weiteren Bände lesen. Eine Lesung von ihm würde ich auch gerne mal besuchen. Mir war gar nicht klar, dass es vor dem fünften Band eine so lange Pause gab!

Ein schöner Bericht, den ich gerne gelesen habe. :-)

Ich habe diesen Beitrag HIER für meine Kreuzfaht durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

LG,
Mikka

Hallo liebe Gabi,

ich mag Berichte zu Lesungen sehr gern. Margarete von Schwarzkopf als Moderatorin einer solchen Lesung ist für mich meist das i-Tüpfelchen. Sie macht das einfach großartig. Leider habe ich von Simon Beckett noch nichts zwischen meinen Bücherhänden gehabt. Hach, es gibt einfach zu viele gute Autoren…

Ganz liebe Grüße
Karin

Hallo Gabi,

das klingt nach einem tollen Abend.
Ich war mal im Rahmen der lit.cologne auf einer Lesung von Simon Beckett und fand es wirklich klasse. Sicher ist er kein Entertainer, aber an dem Abend war er wirklich gut drauf und es war echt witzig.

Margarete von Schwarzkopf hab ich bei der lit.cologne auch öfter als Moderatorin erlebt und sie macht das auch immer toll.

Ich freu mich wahnsinnig das im Sommer Totenfang als TB erscheint. Ich werde sofort den Buchladen stürmen :D