Menu

[Therapiehund] wie Levi und ich ein Besuchshundeteam wurden – Teil 1

Beim mittäglichen Gassigang mit Levi habe ich ein paar weihnachtlich dekorierte Steine im Park gelassen. Nun habe ich es mir zuhause mit einem Kaffee gemütlich gemacht und Levi schnarcht neben mir auf dem Sofa. Jetzt wird es endlich mal Zeit, Euch zu erzählen, wie ich überhaupt zu einem Therapiehund kam.


Wie ich auf das Thema aufmerksam wurde

Schon als ich überlegt habe, welche Rasse oder ob ein Mischlingshund für mich in Frage kommt, bin ich bei Züchtern von Cavalier King Charles Spanieln darüber gestolpert, dass diese Hunde als Besuchshunde eingesetzt werden. Ihr Wesen ist einfach so freundlich, aufgeschlossen und menschenbezogen, dass sie quasi perfekt dafür geeignet sind, um kranken, alten, behinderten oder jungen Menschen den Umgang mit Hunden näherzubringen oder ihnen einfach eine schöne Zeit mit einem lieben Tier zu ermöglichen. Auch die Züchterin, von der ich Levi bekam, war da sehr aufgeschlossen und selbst interessiert und wir haben länger darüber gesprochen.

Levi erwies sich im Laufe der Zeit als kontaktfreudiger Hund, der auf der Straße oder im Park gerne mal zu Fremden geht und gestreichelt werden will. Es macht ihm nicht aus, wenn wir ausgerechnet in der Pause an der Schule vorbeikommen und gleich 10 Kinder durch den Zaun an ihm herumfummeln und seinen Namen rufen. Bei einigen alten Damen, die ihn regemäßig streicheln, wartet er schon am Straßenrand, bis sie herangekommen sind, stellt sich am Rollator auf und lässt sich herzen. Und als ich gesehen habe, wie viel Freude die Menschen von 0 bis 99 an Levi und seiner lieben Art haben, kam mir im Laufe der Zeit das Thema Besuchshund wieder in den Sinn.

Die Möglichkeit, eine Ausbildung als Besuchshundeteam zu machen, gibt es überall in Deutschland, aber man muss wahrscheinlich weiter weg fahren, um so einen Kurs machen zu können, weil es nicht allzu verbreitet ist. Deshalb sind es oft Seminare, die an Wochenenden stattfinden - die übrigens sehr unterschiedlich viel kosten. Also ist es angebracht, ausführlich zu schauen, was die einzelnen Anbieter in ihren Kursen schulen, wie ausführlich und zu welchem Preis. Ich war sehr begeistert, als ich feststellte, dass es in Nürnberg einen Verein gibt, der solche Seminare anbietet und nicht allzu weit weg von mir ist. Als gemeinnütziger Verein machen sie mit diesen Kursen keinen Gewinn, der nicht wieder für Vereinszwecke eingesetzt wird.

Nach der einen oder anderen coronabedingten Verzögerung habe ich Kontakt aufgenommen mit

Therapiehunde Deutschland e. V.

Und Levi wurde zu einem Wesenstest eingeladen.


Der Verein

Wer sich für das Thema interessiert, kann gerne auf der Homepage des Vereins stöbern und sich erste Informationen dazu holen.

Der Verein hieß ursprünglich „Therapiehunde Franken e.V.“, hat sich aber umbenannt, als der Wirkungskreis immer größer wurde. Nur um mal eine Zahl zu nennen: es sind ca. 450 Hunde im regemäßigen wöchentlichen Einsatz für den Verein (wenn nicht gerade Corona dazwischen funkt und die Besuche pausieren müssen). Das fand ich schon beeindruckend viel!

Der Verein existiert schon über 10 Jahre und bildet nicht nur Therapiehunde-Teams aus, sondern kümmert sich auch um die Einsätze, solange man Vereinsmitglied ist und das möchte. Das ist, wie ich festgestellt habe, nicht der Standard, denn meistens kann man sich und seinen Hund ausbilden lassen, bekommt eine Bescheinigung darüber und muss dann sehen, wo man bleibt. Wenn man wie ich keinen konkreten Einsatzort (z. B. ein Altenheim, in dem man arbeitet oder Familienangehörige leben) im Auge hat, ist es sehr komfortabel, dass sich der Verein darum kümmert. Schließlich hängen da auch rechtliche Konsequenzen daran, wenn dem Hund was passiert oder der Hund irgendwelche Schäden verursacht. Der Verein macht richtige Verträge mit den Einrichtungen und das Hund/Mensch-Team kann sich um die angenehmen Dinge kümmern, nämlich jemandem eine Freude zu machen.


Begriffserklärungen

Allgemein bekannt sind sicher die "Assistenzhunde", allen voran die Blindenhunde. Diese werden ausführlich ausgebildet und bleiben bei dem Menschen, dem sie assistieren sollen.

Anders ist es bei den Therapie- oder Besuchshunden. Die gehören und arbeiten mit ihren Besitzern, die TherapeutInnen, LehrerInnen, ErzieherInnen usw. oder Ehrenamtliche wie ich sind. Entsprechend werden die Hunde bei der Therapie oder im sozialen, zwischenmenschlichen Bereich eingesetzt.

Die Begrifffe sind nicht geschützt, genauso wie es keine einheitliche Ausbildung für Therapie- oder Besuchshunde gibt.


Was der Hund können muss

Das Mindestalter, um als Therapiehund eingesetzt zu werden, ist ein Jahr. Levis Wesenstest fand im September 2021 statt.

Ich fand es sehr angenehm, dass hier keine perfekt abgerichteten Hunde erwartet oder gar gefordert werden. Sie sollen bestimmte Charaktereigenschaften mitbringen, zum Beispiel Menschen gegenüber aufgeschlossen und nicht ängstlich sein. Das wird von Prüfern des Vereins in verschiedenen Szenarien getestet.

Schon da bekam ich einen ersten Eindruck, welche Grundsätze in dem Verein herrschen. Levi durfte sich vorher im Raum umsehen, er wurde von den Prüfern gestreichelt, angesprochen, und es wurde darauf geachtet, dass der Hund nicht unnötig gestresst wurde. Da merkte man allen an, dass das große Hundefreunde sind. Trotzdem musste er sich mal in die Ecke drängeln lassen oder ein schreiender Mann kam mit den Händen in der Luft wedelnd auf ihn zu, es fiel was neben ihm zu Boden oder jemand im Rollstuhl oder mit Krücken lief neben ihm her und ähnliches. Levi hat zwar nicht immer zuverlässig auf Befehle reagiert, aber ängstlich war er überhaupt nicht und er hat den Wesenstest bestanden.

Was war ich stolz auf meinen Kleinen!

Somit hatte Levi tatsächlich schon seinen Teil der Vorbereitungen geschafft. Nun war ich dran mit dem Basisseminar, für das ich Ende Oktober 2021 einen Platz bekam und von dem ich Euch nächsten Sonntag erzählen will. Außerdem noch etwas zu den verschiedenen Einsatzmöglichkeiten.

Ich hoffe, das war bis jetzt einigermaßen interessant. Wenn Fragen sind, stellt sie gerne in den Kommentaren. Ich möchte Euch künftig natürlich auch von unseren Praxiseinsätzen erzählen, aber ich fürchte, es wird Frühling werden und Corona wieder abflauen, bevor wir uns tatsächlich an den ersten Besuch machen können.

Levi und ich wünschen allen einen schönen 2. Advent!

Loading Likes...
Kommentare abonnieren
Benachrichtige mich zu:
4 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
6 Monate her

Eine ganz tolle Sache! Herzlichen Dank für den Einblick!

Ayasha
6 Monate her

Liebe Gabi,
Hey Levi,

Ich finde es einfach super, was ihr beide da zusammen schafft! Ich kann mir kaum ein schöneres und sinnvolleres Hobby vorstellen!

Und ich freue mich, dass wir daran teilhaben dürfen. Vielen Dank dafür! <3

Begeisterte Grüße
Ayasha