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Tochter der Angst von Alex Berg

Darum geht’s:

Die Hamburger Ärztin Marion Sanders steckt in einer Krise. Die Töchter sind erwachsen, die Ehe mit Paul macht sie nicht mehr glücklich, und deshalb will sie bei “Ärzte ohne Grenzen” helfen und gleichzeitig Abstand zu ihrem bisherigen Leben gewinnen. Als sie für ein paar Wochen in Paris auf ihren Einsatz vorbereitet wird, nutzt sie die Gelegenheit, um Louise und Greg wiederzutreffen, die sie seit der Kindheit kennt.

Louises Neffe Jean bringt das Flüchtlingsmädchen Zahra mit, stumm und traumatisiert. Zu Marion fasst das Kind allerdings schnell Vertrauen. Jean ist in Machenschaften verwickelt, die ihn nicht nur zur Flucht treiben, sondern auch den Geheimdienst-Agenten Baptiste ins Haus bringen. Selbst Marion wird in die Ermittlungen verwickelt und auch Zahra scheint nicht zufällig bei Jean gelandet zu sein.

So fand ich’s:

Obwohl das Buch so einige spannende Passagen enthält, handelt es sich hier nicht um einen Thriller. Auf dem Cover steht schlicht “Roman”. Wer nervenzerfetzende Spannung erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein, denn die leisen Töne sind hier ebenfalls genügend vorhanden.

Geheimagent Baptiste erzählt aus seiner Sicht genauso wie der undurchschaubare Jean. Am besten konnte ich mich allerdings in die dritte erzählende Person, Marion Sanders, hineinversetzen. Sie ist die jenige, die ohne irgendwelche Informationen in ein Intrigenspiel der Geheimdienste hineinstolpert, das sie erst nach und nach durchschaut.

Die Flüchtlingsproblematik spielt hier zwar eine Rolle, wird aber nicht vertieft und hinterfragt. Die Geschehnisse werden nicht in einen globalen Zusammenhang gestellt, die politische Dimension des Ganzen bleibt im Dunkeln, auch wenn verschiedene Geheimdienste aktiv werden. Der Schwerpunkt liegt bei den einzelnen Personen und ihren individuellen Schicksalen, allen voran Marion, deren Leben Stück für Stück auseinander genommen wird.

Verfasst ist das Ganze routiniert in wunderbar flüssig lesbarem Schreibstil, der einen durch die Handlung trägt. Die Charaktere fand ich nah an der Realität, manche sympathisch, andere wieder weniger, aber alle glaubhaft.

Es fällt mir schwer, diesem Buch ein Etikett zu verpassen. Denn es passt weder richtig in das Genre Krimi / Thriller, es enthält jedoch so einige Anteile davon, noch ist es ein Polit-Agenten-Drama, auch wenn diese Aspekte ebenfalls vertreten waren, noch ist es ausschließlich ein Familienroman über das Leben Marion Sanders. Es ist ein ungewöhnlicher Mix aus allem, der zwar keinen Aspekt wirklich bis in die Tiefe auslotet, mich aber trotzdem gut unterhalten hat.


[Werbung] Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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