Buchiges

Nomaden von Michael Schreckenberg

Darum geht’s:

Die Menschheit ist verschwunden, nur vereinzelt sind ein paar Leute noch da. Keiner weiß, was passiert ist, aber eines ist klar: das Überleben muss irgendwie gesichert werden. Nachdem sich der Schriftsteller Jo und seine Schulfreundin Sonja eine Weile alleine durchgeschlagen haben, schließen sie sich doch der Gruppe aus ihrer ehemaligen Schulklasse an. Sie wollen durch das Land ziehen, beweglich bleiben und sich von dem ernähren, was die Zivilisation zurückgelassen hat. Doch nicht nur die unbekannten Wesen, die nachts auftauchen, sondern auch andere Menschen können ihnen gefährlich werden.

So fand ich’s:

Nachdem mir „Der Finder“ schon richtig gut gefallen hat, war ich sehr neugierig und freute mich auf „Nomaden“. Im gleichen Endzeit-Szenario erzählt „Nomaden“ die Geschichte einer anderen Gruppe von Menschen, die sich in einer fast menschenleeren, aber trotzdem sehr gefährlichen neuen Welt zurecht finden muss. Anfangs überschneidet sich die Handlung sogar mit der des „Finders“, es handelt sich aber nicht um eine Fortsetzung, sondern spielt zur gleichen Zeit wie der Finder.

Neben Ich-Erzähler Jo gibt es noch so einige andere Personen, die aus ihrer Sicht die Ereignisse wiedergeben. Die Kapitel sind immer mit dem Namen der Erzähler überschrieben, so dass eine Orientierung leicht fällt. Obwohl wir eine größere Gruppe von Menschen beobachten, hatte ich keine Probleme damit, sie auseinander zu halten. Die wenigen Hauptpersonen sind mit Tiefe und Individualität ausgestattet, so dass man sofort mit ihnen mitfiebert und um sie herum gibt es einen Kreis von Mitstreitern, die unterschiedlich ausführlich vorgestellt werden, je nachdem wie groß ihre Rolle ist.

Da niemand weiß, was passiert ist und wie es weiter geht, gibt es auch keinen richtigen oder falschen Weg, mit der Situation eines fast menschenleeren Deutschlands umzugehen. Die Gruppe versucht, sich bestmöglich durchzuschlagen, sieht sich aber mit unterschiedlichen Vorstellungen, mit Streit und Machtgier konfrontiert und muss sich auch gegen die unheimlichen Wesen verteidigen, die nachts das Land durchstreifen.

Wo „Der Finder“ eine auf 321 Seiten komprimierte Abenteuergeschichte ist, beleuchtet „Nomaden“ mit seinen 509 Seiten neben dem Überlebenskampf von Großstadtmenschen und dem Grusel der „Kreischer“ auch eine psychologische Komponente. Alle Regeln des menschlichen Zusammenlebens sind außer Kraft gesetzt und müssen neu verhandelt werden. Und diese Kombination der verschiedenen Aspekte fand ich ausgesprochen spannend, so dass mir nicht nur die actionreichen Sequenzen, sondern auch die ruhigeren Teile sehr gut gefallen haben.

Zu den Buchcovern sage ich höchst selten etwas, aber dieses hier fand ich sehr gelungen und es passt perfekt zur Stimmung des Buches.

Dieser Endzeit-Thriller aus Deutschland hat mich rundherum überzeugt und von der ersten bis zur letzten Seite kurzweiliges und gruseliges Lesevergnügen beschert.


Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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