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Buchiges

Dertraumpartner.de von Katharina Behrendt

Darum geht’s:

Wieder mal ist die 48jährige Melanie Single und auf der Suche nach der Liebe. Auch früher schon hat ein Online-Datingportal zum Erfolg geführt. Deshalb versucht sie es jetzt noch einmal auf diesem Weg und macht sich auf die Tour durch diverse Verabredungen. Für einen “repräsentativen Mann” ist sie bereit, einiges zu tun. Doch wird das Verbiegen, Anpassen und Lächeln diesmal funktionieren?

So fand ich’s:

Melanie versucht immer wieder, sich in griffigen Schlagworten und festgelegten Kategorien anzupreisen, sich in Schubladen einzusortieren a la “beschreiben sie sich in 5 Worten”. Dabei merkt sie gar nicht, dass genau dieselben Kategorisierungen ihrer Traummann-Kandidaten für sie selbst gar keine Aussagekraft haben. Denn ständig muss sie feststellen, dass die Realität dem schönen Schein der zurechtgebogenen Online-Welt nicht standhalten kann, aber trotzdem versucht sie tapfer weiter, dem Ideal der Männer zu entsprechen, die sie für sich erobern will. Sie gilt nur etwas, wenn sie einen Mann vorweisen kann und diesem Ziel rennt sie zu lange Zeit nach, statt eigene Interessen zu entwickeln und ein buntes Leben zu leben. Dieses Verhalten fand ich über weite Strecken des Buches ärgerlich, deprimierend und leider auch nicht besonders unterhaltsam. Erst als sie beginnt, sich davon freizumachen, ist das Buch für mich wirklich interessant. Da war ich aber leider schon fast am Ende angekommen.

In Rückblicken werden Melanies vergangene Beziehungen beleuchtet, die alle den einen oder anderen Pferdefuß haben und irgendwann scheitern. Da sie auch schon früher auf Datingportale zurückgegriffen hat, war ich mir nicht immer klar darüber, ob nun gerade eine aktuelle oder eine Episode aus der Vergangenheit erzählt wird. Leider ist auch aus Melanies Verhalten nicht zu schließen, ob sie das als 25jährige oder als 45jährige erlebt, ihr Verhalten ändert sich durch die gemachten Erfahrungen nicht wirklich entscheidend. Durch die Rückblicke auf Episoden ihres Familienlebens mit den Eltern erschließt sich einem dann deutlich die Ursache für ihr in meinen Augen antiquiertes Selbstbild.

Der Erzählstil ist sehr sachlich und distanziert, man kann nicht wirklich in Melanies Seele schauen, sie bleibt einem fremd. Manchmal kommen einem diese Episoden vor wie Standardbeispiele in einem wissenschaftlichen Werk für angehende Paartherapeuten. Mitfühlen kann man nicht und da die Erlebnisse auch recht durchschnittlich und weder besonders witzig noch dramatisch oder abenteuerlich sind, ist für mich der Unterhaltungswert nicht besonders hoch.

Wieder versöhnt wurde ich mit Melanie und diesem Buch dadurch, dass sie zum Schluss nach einem langen Leidens-, Erfahrungs- und Erkenntnisprozess das Ruder noch noch herumreisst und wir ein realistisches, unkitschiges und schönes Happy End erleben.

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