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Shaking the Sugar Tree von Nick Wilgus (englisch)

Darum geht’s:

Tief im Süden der USA. Wiley macht kein Geheimnis daraus, schwul zu sein, kleidet sich wie er will und lässt seine Haare wachsen. Das alleine schon erregt Anstoß. Erschwerend kommt hinzu, dass er alleinerziehender Vater eines Meth-geschädigten Jungen ist. Doch Wiley ist nicht auf den Mund gefallen, liebt seinen Sohn Noah über alles und kämpft sich stur an der Armutsgrenze entlang.

An seiner Supermarktkasse lernt er Jackson kennen, einen Krankenpfleger, der gerade aus Boston in die konservative Provinz gezogen ist. Gutaussehend, sympathisch, Sohn Noah gegenüber aufgeschossen und offensichtlich an Wiley interessiert, scheint Jackson zu gut, um wahr zu sein.

So fand ich’s:

Wileys Leben ist ein bunter Mix an schönen und tief traurigen Dingen. Es wird nichts schön gefärbt, aber auch überhaupt nicht auf die Tränendrüse gedrückt. Wileys Leben mit Sohn Noah, der durch Meth-Konsum seiner Mutter in der Schwangerschaft taub und in der Entwicklung verzögert ist, ist geprägt von der tiefen Liebe zwischen Vater und Sohn. Wiley hat kein Interesse an flüchtigen One-Night-Stands, er sucht jemanden, mit dem er ein gemeinsames Leben aufbauen kann, doch wenn er auf die Reihe seiner Misserfolge zurückschaut, fühlt er sich vom Pech verfolgt und zweifelt daran, dass sich das jemals ändert.

Die Umstände, in denen er lebt, sind auch alles andere als rosig. Zum Mindestlohn teilzeitbeschäftigt, in einer Umgebung lebend, die von der Baptistischen Kirche gegen Schwule eingeschworen wird, muss er sogar in der eigenen Familie gegen Vorurteile und Engstirnigkeit kämpfen. Trotzdem versteht man, wieso Wiley nicht einfach weggeht, denn auch die Schönheit des Landes und die positiven Seiten der Südstaaten-Mentalität werden gezeigt, unterlegt mit Country-Musik, die Wiley am liebsten hört und deren Texte oft genug zu seinem Leben passen. Eine sehr originelle Nebenfigur ist sein verrückter alter Großvater, der auf der Veranda sitzt und jeden, der vorbei kommt, gleichermaßen beleidigt und mit seinen Sprüchen so manche Maske vom Gesicht reißt.

Und dann taucht Jackson auf. Es wird nicht übertrieben romantisch oder funkensprühend sexy, aber man merkt schon, dass die beiden auf eine bodenständige Art zusammenpassen. Wiley versucht, das Beste aus seinem Leben zu machen, ist stur, schnippisch, ein liebender Vater, großzügig, und temperamentvoll und diese Mischung fasziniert den Leser und natürlich auch Jackson. Da komplett aus Wileys Sicht erzählt wird, braucht man – genau wie Wiley selbst – eine Weile, um dahinter zu kommen, wo der Haken bei Jackson ist. Denn unproblematisch ist die Liebe der beiden nicht.

Während sich Wiley und Jackson langsam kennenlernen, lebt Wiley sein schwieriges Leben mit Durchhaltevermögen und bissigem Humor, werfen wir einen Blick auf die ungeschminkte Realität der us-amerikanischen Südstaaten und legen das Buch nach einer emotionalen Achterbahnfahrt ein bisschen durchgeschüttelt zur Seite. Ich hab’s in einem Rutsch verschlungen, weil ich nicht zwischendurch mal aussteigen konnte, so fasziniert war ich die ganze Zeit.


[Werbung] Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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