Buchiges

Ein anderes Wort für Glück von Deborah O’Brien

Darum geht’s:

Freunde hat Kevin Dwyer nicht und auch bei seinem Hobby, den Quizwettbewerben, tritt er am liebsten als „One-Man-Show“ auf – und das dank enormer Allgemeinbildung sehr erfolgreich. Selbst seine Schwester findet ihn manchmal merkwürdig, und um ihr zu zeigen, dass er auch anders kann, lässt er sich diesmal darauf ein, sich einem Quizteam anzuschließen. Denn die freundliche Maggie, die ihn gefragt hat, ob er bei ihnen einsteigen will, findet er auf Anhieb sympathisch.

So fand ich’s:

Kevin ist Mitte 40, Maggie ein paar Jahre älter. Beide verbindet der Spaß am Quizabend, der einmal wöchentlich für das 12 Wochen dauernde Turnier stattfindet. Zusammen mit Maggies Lehrerkollegen und Teddy, dem Ehemann von Maggies Kollegin Carole, löst Kevin neuerdings im Team die Rätselfragen. Das Rateteam ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen und ihre Teamarbeit nicht immer problemlos, doch für den Leser amüsant, denn menschliche Schwächen und Macken werden augenzwinkernd und ohne Häme geschildert.

Diese 12 Wochen lang beobachten wir Kevin und Maggie, wie sie jeder für sich ihre Leben leben und nur zu den Quizabenden aufeinander treffen. In kleinen, sehr passend eingeflochtenen Rückblicken erleben wir Szenen aus ihrer Vergangenheit und lernen Kevin und Maggie dadurch besser kennen. Durchschnittstypen sind sie beide nicht, aber Kevin ist noch ein gutes Stück ungewöhnlicher als Maggie. Der Einzelgänger mag Übersichten, Listen und klare Strukturen und versteht die Menschen in den seltensten Fällen. Irgendwann steht der Verdacht auf das Asperger-Syndrom im Raum, auch wenn der Begriff nie ausdrücklich genannt wird. Seinen Neffen Patrick, der wie eine Miniaturausgabe von ihm selbst daher kommt, liebt er sehr. Und auch in Maggies Leben ist nicht immer alles glatt gelaufen. Doch sie hat auf ihre freundliche und offene Art den richtigen Zugang zu Kevin gefunden.

Das Buch spielt in Australien, was sich durch die Auswahl der Quizfragen ein bisschen bemerkbar macht. Außerdem sind die Quizabende so geschildert, dass man auch selbst mitraten kann, wenn man möchte.

Unter der Oberfläche der wunderschönen Geschichte, die einen immer mal wieder schmunzeln lässt und fluffig-leicht unterhält, versteckt sich ein Plädoyer dafür, Menschen individuell so zu nehmen, wie sie sind und nicht alle gleichförmig in die Norm pressen zu wollen. Ein sehr gelungenes Buch, das ich wärmstens empfehlen kann.

 


Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

6 Comments

  1. monerl 21/12/2017 15:52

    Hallo Gabi,

    das klingt nach einem schönen Buch! Leicht und dennoch irgendwie mit Tiefgang. Solche Buchtipps suche ich immer wieder. Zwischendurch darf es auch mal Gegenwartsliteratur mit spannenden Charakteren sein. Vielen Dank für deine Buchvorstellung!

    GlG vom monerl

    • Laberladen 23/12/2017 12:15

      Genau das finde ich auch – man muss ja nicht immer nur an seinen Lieblingsgenres festkleben und dieses Buch hier war wirklich schön zu lesen.
      LG Gabi

  2. el ma 21/12/2017 15:55

    Vielen Dank für diese Tip. Das Buch durfte auf die WL 🙂
    LG Elke

    • Laberladen 23/12/2017 12:15

      Ich hoffe, es gefällt Dir so gut wie mir.
      LG Gabi

  3. Buchfresserchen 21/12/2017 22:50

    Huhu!

    Ich mag es, wenn Bücher so eine versteckte Botschaft haben und vielleicht auch dazu anregen, nach dem Lesen die Menschen, die einem begegnen, mit anderen Augen zu betrachten. Das Buch habe ich mir mal gemerkt. 😉

    Außerdem: Ganz lieben Dank für deine weihnachtlich-buchige Postkarte! Ich habe mich sehr gefreut, als ich die ganz überraschend aus dem Briefkasten zog. 😀

    Dir und deinen Lieben wünsche ich ein schönes und ruhiges Weihnachtsfest, dir natürlich Bücher unter’m Baum und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 🙂

    LG Svenja

    • Laberladen 23/12/2017 12:17

      Man muss ja nicht immer mit dem erhobenen Zeigefinger griße Moralpredigten halten. Ich finde, wenn man mal in die Rolle von Menschen schlüpfen darf, die nicht unbedingt der Norm entsprechen, und ihre Gefühle miterleben kann, weckt das viel mehr Verständnis und Toleranz. Deshalb liebe ich solche Bücher so.
      LG Gabi

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