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Flug 416 von T.J. Newman

Darum geht’s:

Kapitän Bill Hoffman meint, er würde einen Routineflug von Los Angeles nach New York durchführen. Doch kurz nach dem Start bekommt er die Nachricht, dass seine Frau und Kinder von einem Terroristen festgehalten werden. Seine Forderung: Bill soll das Flugzeug, in dem er sitzt, abstürzen lassen.

So fand ich’s:

Ich bin ein großer Fan von Action-Thrillern. Ob nun als Film oder als Buch, ich mag es sehr, wenn es heiß her geht, wenn aussichtslose Situationen sich mit waghalsigen Rettungsversuchen abwechseln. Eine ausgefeilte Handlung und psychologische Tiefen muss ich nicht unbedingt dabei haben, aber wenn es so ist, umso besser. Mit diesen Voraussetzungen bin ich an “Flug 416” heran gegangen.

Leider hatte ich Probleme, mich auf die Story einzulassen, weil ich die Ausgangssituation eigentlich die komplette Lektüre über als absurd empfand und mir einige Erklärungen fehlten. Fragen schwirrten mir im Kopf herum und hielten mich davon ab, mich von der Handlung mitreißen zu lassen.

Die Motivation des Bösewichtes konnte ich lange Zeit nicht nachvollziehen, die Erklärungen deuteten auf ein moralisches Exempel hin, das Wut und Hilflosigkeit aufzeigen sollte. Da wir den Bösen nicht wirklich in die Köpfe und Seelen schauen konnten, blieb das, was sie antrieb, für mich im Dunkeln. Ich hätte mir gewünscht, die Tätigkeiten einer Flugbegleiterin nicht ganz so detailverliebt geschildert, dafür aber Gedanken, Gefühle und Motive des Terroristen etwas ausführlicher begründet zu bekommen. Etwa in der Mitte des Buches war ich überzeugt, dass mich selbst eine glaubwürdige Auflösung nicht mehr damit versöhnen würde, vorher so lange mit wirren Gedankensplittern abgespeist worden zu sein.

Wer Spoiler zum Buch in Kauf nehmen will, kann hierauf klicken und Beispiele dazu lesen, was mich während des Lesens umgetrieben hat.

Wieso sollen die Passagiere umständlich vergiftet werden, kurz bevor das Flugzeug zum Absturz gebracht wird und sowieso alle sterben?

Wieso meldet sich der Terrorist gleich am Anfang des Fluges und gibt Kapitän, Crew und FBI satte 5 Stunden Zeit, um seine Pläne zu vereiteln? Wenn er sich kurz vor der Landung gemeldet hätte, wären Gegenmaßnahmen wesentlich schwieriger geworden.

Es heißt, dass ein Komplize des Bösewichts an Bord ist. Wieso bringt der Komplize das Flugzeug nicht selbst zum Absturz, wenn er schon bewaffnet an Bord gelangt ist? Und was will der Bösewicht? Es kann ja nicht wirklich so sein, dass er einfach mal erleben bzw. demonstrieren will, wie sich ein „guter Mensch“ wie der Pilot in so einer Stress-Situation verhält. Diese vorgeschobene Begründung ist unfassbar bescheuert.

Die aufkeimende Spannung wurde durch gedankliche Abschweife der Personen immer wieder ausgebremst. Ich fand es nicht nötig zu erfahren, dass Flugbegleiterin Jo ein Bläschen in der Kaffeetasse, auf die sie starrt, sein möchte oder Kapitän Bill den tropfenden Wasserhahn in der Bordtoilette beobachtet und sich ärgert, dass er ausgerechnet jetzt pinkeln muss, wo es doch gerade wichtigere Dinge gibt. Das und ähnliche Gedanken haben für mich die Handlung lange Zeit heruntergebremst und mich ungeduldig werden lassen. Und trotz der vielen kleinen Erzählschleifen, die eingebaut worden waren, um uns die Personen näher zu bringen und sie besser kennenzulernen, konnte ich die Distanz zu ihnen nicht abbauen. Sie haben meine Gefühle nicht erreicht und blieben stereotyp und schablonenhaft.

Die Autorin war Flugbegleiterin und das merkt man auch. Details aus dem Flugbegleiteralltag waren so auffällig und ausführlich eingeflochten, dass es einem nicht entgehen konnte. Und nicht nur Chefpurserin Jo ist voller Pathos, aber sie trägt schon am dicksten auf. Heldenhafte Flugbegleiterin, dumme und bockige Passagiere – es gibt ein Schublädchen für alle.

Und daher fasste sie in diesem letzten Moment vor der Schlacht den Vorsatz, über sich hinauszuwachsen. (…) In Gedanken verneigte sie sich vor den Generationen von Göttinnen, Kriegerinnen und Überlebenden, die in ihrer DNA weiterlebten und zu denen sie nun tatsächlich gehörte.

(Flug 416, Seite 265)

Allerdings handelt es sich um ein Debüt und da rechne ich damit, dass beim ersten Buch noch Luft nach oben ist. Der Showdown war sehr gelungen und gegen Ende hing ich tatsächlich an den Seiten des Buches und konnte keine Lesepause mehr machen. Der Erzählstil passt sehr gut zu actionreichen Thrillern und die Autorin hat zweifelsfrei Talent. Mit mehr Routine werden ihre Bücher mir künftig sicher viel Spaß machen, auf jeden Fall mehr, als ihr Erstling “Flug 416” es geschafft hat. Ein Reinfall war es aber trotzdem nicht und hat es auf meiner persönlichen Begeisterungsskala ins Mittelfeld geschaft. Zu ihrem nächsten Buch werde ich auf jeden Fall ebenfalls greifen.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch:
Ayasha hier im Laberladen

Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar

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Titel:  Flug 416
Original-Titel:
Falling
Autor/in:  T.J. Newman
Übersetzer: Thomas Bauer
ISBN / ASIN:  B09KPV4LQH
Sprache: Deutsch
Genre: Thriller
Verlag:  Goldmann
Erscheinungsjahr:
2022
Medium:
 Taschenbuch
Seitenzahl:  416
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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