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[Gänseblümchen der Woche] #141

Letzte Woche ist der Gänseblümchenbeitrag ausgefallen. Wer mir auf Twitter folgt, hat sicher schon mitbekommen, dass ich ordentlich in den Seilen hänge und bei mir im Moment nicht allzu viel geht. Ich habe alle möglichen Aktivitäten ausfallen lassen und hab auf ganz kleiner Flamme das Überlebensprogramm gefahren – nur das, was absolut nötig war.

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Natürlich hat sich das auch auf meine Challenge, bis Ende Februar eine Million Schritte zu gehen, ausgewirkt.

Die Kunst liegt darin, ein gesundes Gleichgewicht zu finden. Einerseits soll mich diese Challenge ja motivieren, öfter nach draußen zu gehen und Spaziergänge zu machen, auch wenn das Wetter mal nicht direkt dazu einlädt. Und das funktioniert auch gut, wenn ich nur den letzten Anschubser brauche, um eine größere Runde zu drehen.

Andererseits gibt es – wie im Moment – auch Zeiten, da geht das absolut nicht. Ich könnte versuchen, mich zu zwingen, würde scheitern, hätte das Gefühl, versagt zu haben und der Klassiker-Spruch “reiß Dich doch zusammen”, den man als psychisch Kranke nicht hören will, weil es einfach nicht so funktioniert, der taucht dann in meinem eigenen Kopf auf. Da ist großer Frust vorprogrammiert, der viel mehr schadet als ein kleiner Motivationsschub mir nützen würde.

Was tue ich also? Ich habe die Schritte im Blick, auch wenn ich weiß, dass ich im Augenblick einen Rückstand habe, der aber im Moment noch nicht so groß ist, dass ich ihn nicht aufholen könnte. Ich schubse ab und zu den inneren Schweinehund und schaue, ob es “nur” der ist, der mich hindert, oder die Depression so schlimm ist, dass mir Schwein und Hund und Schritte komplett egal sind. Das ist ein bisschen verzwickt und man muss ne Menge in sich hineinhorchen und ausprobieren, ob schubsen oder sich selbst gegenüber großzügig zu sein und die Kraftlosigkeit mal gewinnen zu lassen, gerade die richtige Maßnahme ist. Das wird jeden einzelnen Tag wieder neu ausdiskutiert. Keine Ahnung, ob andere Leute mit Depression das genauso empfinden, aber mir geht es regelmäßig so.

Inzwischen habe ich darin eine gewisse Routine und auch die Gelassenheit gefunden, das ohne Panik zu beobachten. Momentan hänge ich ca. 20.000 Schritte hinterher, die ich bis Ende Februar 2020 natürlich wieder aufholen kann, und bin schon froh darüber, wenn ich den Rückstand nicht vergrößere, sondern meine täglich geforderten 6.579 Schritte gehe. Das klappt an den meisten Tagen und das werte ich als Erfolg.

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Mein Interesse für die Stolpersteine ist auf interessierte Augen und Ohren gestoßen und ich darf nächstes Jahr ein Projekt im Bildungszentrum (Volkshochschule) mitgestalten, bei dem genau dieses Thema behandelt wird. Ich dachte mir schon lange, dass das perfekt dafür ist, Geschichte greifbar zu machen, denn diese Stolpersteine liegen ja genau vor den Wohnhäusern, was das Leben dieser Menschen, die Opfer der Nazis wurden, für einen selbst noch ein gutes Stück konkreter macht. Man steht vor dem Wohnhaus und ganz zwangsläufig gehen einem die Szenen durch den Kopf, die sich hier wohl abgespielt haben. Wenn es nächstes Jahr konkret wird, werde ich sicher mehr darüber berichten, aber schon alleine die Tatsache, dass Interesse besteht und ich dabei mitmachen darf, freut mich total.

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Ich weiß nicht, wie das passieren konnte, aber die psychologische Beraterin, mit der ich ein paar Gespräche führen darf, hat bei unserem letzten Gespräch am richtigen Tag zur richtigen Uhrzeit angerufen und war sich auch sicher, dass alles korrekt war. Eine Premiere. Denn sonst hatte sie ihren Terminkalender nicht wirklich im Griff. Die Gespräche sind aber immer gut und nützlich und das war auch letzte Woche so. Neben der ambulanten Therapie noch durch eine weitere qualifizierte Quelle Input zu bekommen, Anregungen, eine neue Perspektive oder auch die eine oder andere Erinnerung an Dinge, die man selbst schon weiß, die man aber gerade nicht auf dem Schirm hat, bringt eine Menge. Und die Frau ist auch ziemlich lustig und wir lachen eigentlich jedes Mal zwischen den ernsten Themen.

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Gestern hab ich angefangen, in die 2. Staffel der “Purge”-Serie reinzuschauen. Und muss heute gleich weiter schauen. Ich fand ja schon Staffel 1 interessant, aber die neuen Folgen haben mich schneller gepackt als bei Staffel 1 und ich finde die Storys, die hier erzählt werden, ziemlich spannend.

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Die Schnur, die ich über mein Sofa gespannt habe und an der ich alle Weihnachtskarten aufhänge, ist schon gut bestückt. An Weihnachten mache ich mal ein Foto für Euch, denn ich hoffe, sie füllt sich noch ein bisschen mehr. Aber auch jetzt gefällt mir der Anblick schon gut!

Ich wünsche Euch einen schönen 2. Advent!

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Welche schönen Momente haben Euch in dieser Woche ein Lächeln ins Gesicht gezaubert?

Die ursprüngliche Idee zum Gänseblümchen der Woche stammt von „Hoffnungsschein“ und ich hab die Aktion bei „Schattenwege“ entdeckt. Auf diesen Blog gibt es auch regelmäßig neue Beiträge zur Rubrik “Gänseblümchen”.

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8 Monate her

Ich lasse eine Umarmung da, wenn du magst! Und freue mich auf das, was da noch passiert in Bezug der Stolpersteine <3

Ich hoffe die Gespräche bringen dich auch zukünftig weiter und sind ein angenehmer Wechsel zwischen ersten Themen und dem Lachen <3

Ich hoffe, du kannst es dir heute mukkelig machen und etwas abschalten!

8 Monate her
Reply to  Gabi

Das weiß ich leider … hab immer ein Ohr fürs jammern wenn du magst! Und manchmal muss gejammert werden, damit der Kopf etwas entlastet wird <3