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[Leserunde] Das Böse in uns von Cody McFadyen – Smoky Barrett #3 – startet am 1. August 2016

Weiter geht es mit dem Re-Read der älteren Smoky Barrett Bände von Cody McFadyen bis hin zum neuesten Band, der im September erscheinen wird. Regelmäßige Updates zu den Lesefortschritten wird es hier in diesem Beitrag geben und wer verfolgen möchte, was die anderen Leserundenteilnehmer beizutragen haben, kann sich hier bei Büchermonster informieren. Also schaut regelmäßig rein – oder lest am besten gleich mit!

Achtung: Ich werde mich an Sebastians Einteilung in die vier Leseabschnitte halten und unter den entsprechenden Kapiteln selbstverständlich auch über deren Inhalt reden. Wer das nicht lesen möchte, sollte diese Abschnitte im Beitrag besser überspringen und auf meine Rezension zum Buch warten.

 

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Leseabschnitt 1: Kapitel 1 bis 9:

Inhalt:

Kongressabgeordneter Reid, Freund und möglicher Nachfolger des Präsidenten, hat persönlich um den Einsatz von Smoky und ihrem Team gebeten. Seine transsexuelle Tochter Lisa wurde während eines Fluges ermordet. Die Familie hat sich offiziell von Lisa distanziert, um Papas Wahlchancen bei den Konservativen nicht zu schmälern, sie aber heimlich doch unterstützt.

Smoky spricht in Washington mit der Mutter, Rosario Reid, um sich ein Bild von Lisa zu machen. Die Obduktion ergibt, dass Lisa mit einem langen, spitzen Gegenstand von der Seite ins Herz erstochen wurde. In der Wunde wurde ein silbernes Kreuz hinterlassen, darauf das Symbol mit Totenkopf und gekreuzten Knochen und der Zahl 143.

Als Smokys Team in Washington eintrifft, äußert sich Alan unerwartet angewidert von Transsexuellen und James outet sich als schwul, was alle überrascht.

Da man in eine Mordplanung keinen festen Sitzplatz im Flugzeug einkalkulieren kann, war Lisa Reid ein Zufallsopfer? Oder war Lisa als Opfer schon vorgesehen, aber der Tatort spontan ausgesucht?

Smoky sieht sich in Lisas Wohnung um. Sie scheint deprimiert und einsam gewesen zu sein, ohne Freunde. Ihre Wohnung scheint unpeersönlich. In ihrem Tagebuch findet Smoky eine Nachricht des Täters. Sie soll die Frage “Was sammele ich?” schnell beantworten. Sonst passieren weitere Morde. Außerdem fehlen Seiten im Tagebuch.

Das Flugticket des Killers wurde mit der Kreditkarte von Richard Ambrose gekauft, den Alan tot in seiner Wohung findet. Alan sucht nach ähnlichen Verbrechen und findet eines, das erst vor 10 Tagen verübt wurde.

Mein Eindruck:

Die nochmalige ausführliche Vorstellung der einzelnen Teammitglieder und auch der Abriss über Smokys Vergangenheit haben mich jetzt in der dritten Version genervt. Das hätte man inzwischen auch kürzer abhandeln können. Wenn man mitten in eine Serie einsteigt, muss man mit Informationsverlusten rechnen und für jeden, der alle Bände gelesen hat, ist das nervig.

Bis jetzt fehlt mir hier der Donnerschlag, mit dem die ersten beiden Bände begonnen haben. “Das Böse in uns” lässt sich eher ruhiger an. Bisher fehlte es an schlimmen blutigen Details, worüber ich mich aber überhaupt nicht beklagen möchte! Der Mordfall scheint wieder auf ein Katz-undMaus-Spiel zwischen der Polizei und einem Mörder, möglicherweise Serienmörder, hinauszulaufen.

Allerdings habe ich wie schon bei Band 2 eine Frage zu einer Information, die sich für mich überhaupt nicht erklären lässt: Auf Lisas Einkaufszettel am Kühlschrank fanden sich Binden. Bitte schön – wozu???
Nachtrag: Die Frage wurde mit Hilfe der Mit-Leserin Maraia (Danke sehr) aufgeklärt. Im englischen Original heißt es “need bottled water, napkins, Mac and cheese.” Es dürfte sich also nicht um Binden, sondern um Servietten handeln und diesen Gebrauchsgegenstand darf man ruhig auch Menschen ohne Gebärmutter zugestehen ;-)

Sebastians Fragen zu Leseabschnitt 1:

Und hier sind meine Antworten dazu:

Frage 1: Ich war nur irritiert, dass Alexa und Bonnie plötzlich gleich alt sein sollten, was sie vorher ja nicht waren. Dass Bonnie inzwischen eben 2 Jahre älter geworden war, ist mir erst später klar geworden. Ich finde es normal, dass solche spektakulären Mordfälle nicht unmittelbar aufeinander folgen. Deshalb sind solche Zeitsprünge für mich eher realistisch und ich lebe gut damit.

Frage 2: Callies Hochzeit scheint eine logische Folge davon zu sein, dass sie den richtigen Mann gefunden hat und sich auch damit ausgesöhnt hat, dass sie ihr Kind weggeben musste bzw. ihre Tochter ja wieder gefunden und ein gutes Verhältnis zu ihr hat. James hält ja mit allem Privaten hinterm Berg und deshalb konnte man ihn in seinen Ansichten und Vorlieben auch so gar nicht einschätzen. Dass er schwul ist, konnte man zwar nicht ahnen, aber es widerspricht auch nicht seinem Charakter, so wie wir ihn kennen. Bei Alan sieht es allerdings anders aus! Dass er so völlig aus dem Bauch raus einen so menschenfeindlichen und engstirnigen Charakterzug an den Tag legt, hat mich wirklich überrascht – und auch enttäuscht. Aber vielleicht gibt es dazu eine persönliche Geschichte, die wir noch nicht kennen. Und irgendwie macht das Alan auch sehr menschlich, diese Schwäche eingestehen zu müssen.

Frage 3: In der Öffentlichkeit so ganz anders aufzutreten als im Privatleben, scheint mir für Politiker grundsätzlich keine gute Idee zu sein. Irgendwann kommt es doch ans Tageslicht (dass die Tochter doch an Feiertagen zuhause war, dass finanzielle Unterstützung geflossen ist) und dann ist nicht die doch geliebte transsexuelle Tochter das Schlimmste, sondern dass der Abgeordnete einen ganz anderen Eindruck in der Öffentlichkeit vermittelte und seine Wähler, Parteigenossen etc. angelogen hat. Sich und seine Einstellung – und die eigene Tochter – zu verleugnen, nur um bessere Wahlchancen zu haben, finde ich moralisch verwerflich, feige und außerdem wird damit eine prima Chance vergeben, ein bisschen mehr Toleranz und Offenheit in die konservative Welt zu bringen, wenn der beliebte, erfolgreiche und geachtete Politiker voll und ganz zu seiner Tochter steht. Ich muss aber auch zugeben, dass die Reid-Methodee wahrscheinlich tatsächlich Papas Wahlchancen besser ausfallen lässt als es die Wahrheit täte.

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Leseabschnitt 2: Kapitel 10 bis 20:

Inhalt:

Zwischenspiel – Der Tod der Rosemary Sonnenfeld

Rosemary war sex- und kokainsüchtig, hat aber zu Gott gefunden. Sie wohnte in L. A., also in Smokys Bezirk. Rosemary wurde auf die gleiche Weise getötet wie Lisa, auch bei ihr findet man ein Kreuz in der Wunde, diesmal mit der Nummer 142. Vater Yates erzählt von Rosemary. Ihre Freundin Andrea vervollständigt das Bild und erzählt ihre eigene traurige Geschichte.

Smoky vermutet, der Mörder sammelt Sünden, denn sowohl Lisas Geschlechtsumwandlung als auch Rosemarys Lebenswandel in der Vergangenheit sind vor den Augen der Kirche Sünden. Außerdem scheint es da noch eine große Verfehlung der beiden zu geben, von denen wir bisher nichts wissen.

Privat hat Smoky ein Gespräch mit Freund Tommy, der ihr seine Liebe gesteht und sie auffordert, über sie beide nachzudenken. Bonnie äußert den Wunsch, auf eine Schule zu gehen und den Privatunterricht bei Elaina zu beenden.

Mein Eindruck:

Es kann doch nicht sein, dass dieser verrückte Mörder schon 143 Menschen getötet hat. Das ist einfach unvorstellbar und ich hoffe, dass es eine andere Erklärung für diese Zahlen auf den Kreuzen gibt. Nach immerhin der Hälfte des Buches sind wir mit der Mordermittlung noch völlig am Anfang. Jetzt wird es aber wirklich langsam Zeit, dass die Ermittlertruppe irgendwie vorankommt und einen ersten Ansatz hat, wie sie den Killer einkreisen können.

Ich weiß nicht, wieso Smoky nach 2 Jahren offensichtlich glücklicher Beziehung so zögert, endlich voll und ganz zu Tommy zu stehen, aber wir werden das hoffentlich noch erfahren. Vermutlich liebt sie ihn schon längst. Bonnie will in eine normale Schule gehen und ich halte das für eine hervorragende Idee. Dass dieser Vorschlag vom Kind selbst kommen muss und die Erwachsenen nicht schon lange darüber nachdenken, finde ich seltsam.

Sebastians Fragen zu Leseabschnitt 2:

 

Und hier sind meine Antworten dazu:

Frage 4: Ich finde gar nicht, dass sich in diesem Band die Gewalt steigert. Die Morde sind nicht so blutig und im Detail beschrieben wie in den Vorgängerbänden. Dafür steht aber zu befürchten, dass es eine riesige Anzahl von Opfern gibt, was seinen ganz eigenen Horror bereithält. Leider ist das im wirklichen Leben ja auch schon vorgekommen und deshalb nicht realitätsfern. Darüber, ob das noch realistisch ist, dass sich das alles ausgerechnet in Smokys Umfeld abspielt, könnte man diskutieren – aber so ist das eben bei Serien mit einem Hauptakteur und damit lebe ich ganz gut.

Frage 5: Anregungen für so schlimme Geschichten finden sich in den Zeitungen und Fernsehberichten der heutigen Zeit genug. Ich glaube, der Autor lebt seine kranke Fantasie ganz gut in den Büchern aus und es besteht keine Gefahr, dass er zum Serienmörder wird, weil er ein Ventil braucht. Wir sind sicher :-)

Frage 6: Ich glaube, Bonnie braucht in erster Linie so viel Normalität und typisches Teenagerleben wie möglich und sollte sich keine Gedanken darüber machen, dass sie später mal verrückte Serientäter jagen möchte. Ich hoffe, sie entscheidet sich noch um, denn ihr Seelenleben hat schon genug gelitten.

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Leseabschnitt 3: Kapitel 21 bis 32:

Inhalt:

Auf einer Internetseite entdeckt das Team Videoclips des Killers. Er erklärt seine Motivation, dass die nicht gebeichteten Sünden die Menschen von Gottes Wahrheit fern halten würden. Er sorgt dafür, dass sie beichten. Es folgen viele Videoclips mit den Beichten seiner Opfer. Unter anderem werden Lisas fehlende Tagebuchseiten verlesen – als Junge hat Dexter einen Jungen gequält aus Angst, selbst von einem älteren Schüler verprügelt zu werden. Rosemary hat ihren jüngeren Bruder zum Sex verführt und er hat sich daraufhin umgebracht. Eine Freundin von Kirby ist auch unter den Opfern.

Das Team versucht, die Identitäten der Opfer herauszufinden. Obwohl man erfährt, von welchem Anschluss aus die Videos hochgeladen wurden, halten das alle für eine Sackgasse. Der ungesicherte Anschluss eines Familienvaters wurde genutzt.

Smoky und Alan führen ein interessantes Gespräch über Glauben mit Vater Yates. Er bringt Smoky dazu, ihr eigenes dunkles Geheimnis zu beichten. Nach Matts und Alexas Tod wollte sie sterben. Matt hatte nicht mehr erfahren, dass sie schwanger war und wegen dem Kind brachte Smoky es nicht fertig, sich umzubringen. Also hat sie abgetrieben. Und sich dann doch nicht umgebracht. Anschließend wird Smoky klar, dass man über eine Wanze im Beichtstuhl viele solche schwere Sünden hören kann. Später wird festgestellt, dass wohl eine Wanze da war, inzwischen aber wieder entfernt wurde.

Immerhin führt ihre Beichte dazu, dass sie Tommy ihr Geheimnis ebenfalls erzählt und ihm ihre Liebe gesteht. Also privat offensichtlich erst mal ein Happy End.

Mein Eindruck:

Smoky und auch mir macht es zu schaffen, wie vielen Menschen der “Prediger” getötet und wie viele Familien er zuerstört hat. Und das Ganze aus einem wirren religiösen Verständnis, das er sich zusammengeschnitzt hat. Kirbys Auftritt als Hochzeitsplanerin sorgt kurz für Erheiterung, bis auch sie einen bekannten Namen auf der Opferliste entdeckt.

Was mich ganz enorm ärgert, ist wieder mal der Klappentext. Da steht: “Mit seinen Taten will der Mörder die Schuld seiner Opfer sühnen. Smoky Barrett steht als Nächste auf seiner Liste. Denn auch sie hat ein finsteres Geheimnis.” Ich habe jetzt drei Viertel des Buches gelesen und noch ist Smoky überzeugt davon, dass ihre Beichte nicht vom Killer mitgehört wurde. Wie kann man bitte eine Info, die sich erst aus dem letzten Viertel des Buches ergibt, in den Klappentext schreiben?

Die Aussprache zwischen Smoky und Tommy fand ich übertrieben. Sie hat mich nicht gepackt, sondern ich habe über den Pathos, den die beiden verbreiten, den Kopf geschüttelt und die Passage nur überflogen. Überhaupt fand ich die Info von Smokys Schwangerschaft und Abtreibung aus einer verwirrten Selbstmord-Logik heraus ebenfalls übertrieben. Musste das noch dazu kommen, damit Smoky noch ein “dunkles Geheimnis” übrig hatte, das sie für den Killer interessant machte? Ich dachte mir bei der Szene “nicht auch das noch …”.

Es gibt ein weiters Opfer – das angekündigte Kind. Ein 10jähriges Mädchen.

Dieser dritte Band packt mich nicht so wie die beiden davor. Ich muss nicht zwingend in Blut waten, um einen Thriller gut zu finden, also dass hier etwas unblutigere Verbrechen begangen werden, kann nicht der Grund dafür sein. Immerhin ist die psychische Folter, der die Opfer ausgesetzt werden, umso schrecklicher. Ich lese auch dieses Buch gern, weil Cody McFadyen einfach gut erzählen kann. Aber die letzte Begeisterung lässt noch auf sich warten.

Sebastians Fragen zu Leseabschnitt 3:

 

Und hier sind meine Antworten dazu:

Frage 7: Öhm, das ist mir gar nicht aufgefallen, also scheine ich da wohl ziemlich hartgesotten zu sein, was die Sprache angeht. Wahrscheinlich fand ich das einfach in diesem Zusammenhang als realistisch und angemessen.

Frage 8: Ich befasse mich nicht besonders viel mit Religion. Bei dieser Mordserie, die einen religiösen Wahn als Motivation hat, gehört das aber dazu und ich fand es sehr passend, wie ausführlich das Thema beleuchtet wurde. Ich fand es gut, dass die negative Seite, den religiösen Fanatismus, die positive Seite mit Vater Yates und die öffentlichkeitswirksame Seite der katholischen Kirche in Form des Kardinals gezeigt wurde und damit die ganze Vielfalt, die es gibt.

Frage 9: Verstanden habe ich die Begründung für diese Abtreibung nicht. Ich muss mein ungeborenes Kind und mich separat töten, weil ich mich nicht töten kann, wenn ich weiß, dass bei dieser Gelegenheit das ungeborene Kind auch getötet wird. Nur mein ungeborenes Kind zu töten, das bringe ich aber über mich? Das war mir zu hoch.

Dass Smoky in ihrer damaligen Situation (Matt und, unbeabsichtigt durch sie selbst, auch noch Alexa getötet und Smoky selbst schwer traumatisiert) sich nicht vorstellen kann, ein Kind zu bekommen und großzuziehen, das kann ich schon nachvollziehen. Ich selbst hätte vielleicht eher an der letzten Verbindung zu Matt verzweifelt festgehalten, aber wenn man selbst dem Tode so nah ist, sieht man das vielleicht nicht so. Grundsätzlich glaube ich, dass keine Frau so eine Entscheidung leichtfertig trifft und weil man niemandem hinter die Stirn sehen kann, man jeder Frau diese Entscheidung selbst überlassen muss.

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Leseabschnitt 4: Kapitel 33 bis Ende:

Inhalt:

Das getötete Mädchen Valerie hat Katzen gequält, aber nach außen die Fassade des blonden Engels gewahrt. Selbst bei der Beichte hatte sie Spaß und bereute nichts.

Eine Befragung der Opfer-Familien ergibt, dass die Toten alle parktizierende Katholiken waren und ihre Kirchengemeinden lassen sich ermitteln. Die jeweiligen Pfarrer haben aber keine verdächtigen Fremden bemerkt, die die Wanzen hätten anbringen können. Polizei und Kirche sind sich einige, den Abhörskandal im Beichtstuhl nicht an die Öffentlichkeit dringen zu lassen.

Der Prediger schickt ein neues Video, in dem er die Polizei auffordert, ihn zu finden. Er habe alle Informationen, die man dafür braucht, schon gegeben. Sein Ziel ist wohl, durch die Verhaftung den Status eines Märtyrers zu erreichen und noch mehr Ausfmerksamkeit für seine Ansichten zu bekommen.

Rosemarys Freundin, die Ex-Polizistin Andrea, wird nochmal überprüft, die Identität ist falsch. Tatsächlich heißt sie Frances Murphy und hat einen Zwillingsbruder Michael. Beide sind als Team der Prediger und seine Helferin, sie schicken ein Video, auf dem man ihre Gesichter sieht und beichten, dass sie die Kinder eines Zwillings-Geschwisterpaares wären. Ihr Vater, ein Priester, habe zwar gebeichtet, dass er uneheliche Kinder in die Welt gesetzt hat, aber die größere Sünde, das mit seiner Schwester, einen Nonne, getan zu haben, hat er verschwiegen.

Noch bevor die Polizei das Haus der Murphys stürmen kann, findet sie Kirby, die ihre Freundin rächen will, und wird von den Murphys gefangen genommen. Nachdem sie gefoltert wurde, um sie zu einer Beichte zu bringen, stürmt die Spezialtruppe das Haus und befreit sie.

Um zu erfahren, was aus den Leichen der ganzen Opfer geworden ist, geht Smoky auf einen Handel mit Michael Murphy ein und beichtet ihm, dass sie ihre im Sterben liegende Mutter getötet hat, um ihr weitere Schmerzen zu ersparen.

Kirby hält ihr Versprechen und tötet die Murphys, lässt es wie einen Selbstmord aussehen.

Mein Eindruck:

Die Spur zum Prediger ist hauchdünn und besteht im Grunde nur aus einer Manipulation des Holzes im Beichtstuhl, wo einmal eine Wanze gewesen sein könnte. Bis auf wilde Vermutungen gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Mir wurde auch nicht klar, wieso Smoky Andrea / Frances nochmal überprüfte, es schien mir eine Verzweiflungstat, weil nichts anderes Erfolg brachte und der Prediger darauf bestand, dass die Polizei alle Informationen schon habe. Die Polizei ist nur Spielball der verrückten Geschwister und erfährt bis zum Schluss nur das, was der Prediger ihnen an Informationen zukommen lassen möchte. Das Trauma, das die Geschwister erlitten haben, ist sicher schlimm, aber dass das zu einem 20 Jahre dauernden Mord-Feldzug gegen Sünderinnen führte, fand ich sehr weit her geholt. Die Story ist nur schräg, aber weder besonders actiongeladen noch packend.

Kirbys Verhalten hat mich auch furchtbar enttäuscht. Zum einen hätte ich ihr mehr zugetraut und nicht erwartet, dass sie nicht gegen einen einzelnen Mann, der sicher nicht in irgendwelchen Kampfkünsten ausgebildet ist, und seine willige Schwester, bestehen kann. Aber okay, selbst wenn sie gefangen genommen wurde, wieso verhält sie sich dann so extrem dumm und provoziert ihre Folter selbst? Wollte sie gequält werden? So stur und verbohrt kann man doch gar nicht sein, dass man in dieser Situation nicht eine lange, glaubhafte Beichte anfängt und einfach wartet, bis die Spezialtruppen eintreffen. Dass die nicht weit sein können, das konnte sie sich doch sicherlich denken. Hier hat Kirby gehörig meinen Respekt verloren, als sie dummen Stolz vor Vernunft stellte.

Am Ende erfahren wir, dass Smoky nicht nur ihre Tochter Alexa erschossen, Matts ungeborenes Baby abgetrieben, sondern auch ihre eigene Mutter auf dem Sterbebett getötet hat und das schon mit 12 Jahren. Ist das für eine einzige Person nicht einen Hauch übertrieben? Vielleicht war es genau das, was mich nach dem erstmaligen Lesen vor vielen Jahren dazu gebracht hat, den vierten Band erst einmal (bis heute) nicht anzupacken.

Randnotiz: Die katholische Kirche hat die kranke Ansicht, dass Transsexualität nur eine besonders raffinierte Methode ist, seine Homosexualität auszuleben – urgs, ist das wirklich so oder hat McFadyen das erfunden? Ich finde weder Trans- noch Homosexualität irgendwie verwerflich, aber dieser Gedankengang der Kirche ist einfach pervers!

Und noch ne Sache, die mich nervte: In Leseabschnitt drei dachte ich ja noch, dass im Klappentext etwas verraten würde, was der Leser erst im letzten Leseabschnitt erfährt, was mich gehörig geärgert hat. Nun weiß ich, dass da gar nichts verrraten wird, weil Smoky nie als potentielles Opfer im Focus des Predigers war. Die Info aus dem Klappentext ist also schlichtweg falsch. Macht es jetzt insgesamt auch nicht besser …

In diesem letzten Abschnitt wartete also eine Ansammlung von schwachen Erklärungen, dummen Verhaltensweisen, eine unrealistische Konzentration von Familien-Mord bei Smoky und eine ziemlich weit hergeholte Auflösung des Kriminalfalls auf den Leser. McFadyen erzählt wie immer so, dass man dranbleiben und weiterlesen möchte, aber die Story an sich fand ich schwächer als bei den beiden Vorgängern.

Sebastians Fragen zu Leseabschnitt 4:

 

Und hier sind meine Antworten dazu:

Frage 10: McFadyen erzählte wie immer so, dass man dranbleiben und weiterlesen wollte, aber die Story dieses dritten Teils fand ich bisher als die schwächste in der Serie.  Und obwohl mich das beim ersten Lesen vor einigen Jahren dazu veranlasst hatte, die Serie zu unterbrechen und sich dieser Eindruck auch beim zweiten Lesen nicht geändert hat, fand ich „Das Böse in uns“ immer noch gut genug geschrieben und doch so unterhaltsam, dass ich wie geplant am 29.08. mit Band 4 „Ausgelöscht“ weitermachen werde.

Frage 11: Ich glaube, Smoky braucht dringend etwas, an dem sie sich festhalten kann. Ein guter Therapeut hätte es auch getan, aber dieser Versuch ging ja bekannter Maßen nach hinten los ;-) Ich halte es schon für glaubwürdig, dass sie ihren Hass und Ablehnung der Kirche wieder in Glauben umwandeln kann, denn gleichgültig steht sie der Kirche nicht gegenüber. Ich hätte es bei jemandem, der mit Kirche und Glauben noch nie etwas  anfangen konnte, als unrealistischer empfunden.

Frage 12: Die Menge und das Ausmaß an Grausamkeiten macht es nicht. Es gibt auch viel harmosere Bücher, die mich mehr packen. Ich glaube, je abgedrehter und unrealistischer ein Verbrechen ist, desto besser komme ich damit klar, denn das ist ja deutlich nur eine erfundene Geschichte in einem Buch und selbst wenn so etwas tatsächlich vorkommt, dann nur einmal in hundert Jahren. Ich lese schon lange blutige Thriller und glaube nicht, dass mich das abgestumpft hat. Ich konnte die als Teenager schon problemlos lesen, also war ich wohl schon immer unempfindlich, was das angeht.

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Ha, da hast du wieder in Worte gefasst, was ich schon fast vergessen hatte. Die Binden! Wir lesen ja die Übersetzung, wer weiß, was tatsächlich gemeint war? Denn Binden im Sinne von weiblicher Hygiene können es nicht gewesen sein.

Übrigens finde ich es bewunderungswert, dass du die Fragen der Leserunde so ausführlich beantwortest! Ich lösche ja die eBooks immer gleich nach dem Lesen vom Kindle und könnte gar nicht mehr kapitelgenaue Einschätzungen abgeben.

Fühle dich gedrückt -Elke