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[Lesung] Val McDermid las aus “Der Sinn des Todes” am 12. November 2017 beim Krimifestival München

Nach Arne Dahl stand auch die schottische Krimiautorin Val McDermid auf meiner persönlichen Auswahl aus dem tollen Programm des Krimifestival München.

Und wieder durften wir in den Sektionshörsaal der Anatomischen Anstalt, der eine fantastische Kulisse bietet und mit entsprechender “Dekoration” (farbig beleuchtete Skelette und Absperrband) für eine Krimilesung noch passender gemacht worden war.

Die Einleitung zu diesem Abend übernahm Sabine Thomas, die – passend zum Sektionshörsaal – auf die Möglichkeit hinwies, seinen Körper der Anatomischen Anstalt zu Studienzwecken zu hinterlassen. Man dient dann zwischen 12 und 24 Monaten als Studienobjekt und wird schließlich auf einem Friedhof seiner Wahl beerdigt. Die Information, dass neben den eigenen sterblichen Überresten auch noch über tausend Euro an Geld erforderlich sind, die man mitbringen muss, verursache ein Raunen im Publikum. Wenn man aber bedenkt, dass die Beerdigung damit ebenfalls bezahlt ist, stellt das aber tatsächlich ein Schnäppchen dar.

Damit waren wir in der richtigen Stimmung für Mord und Krimi und die drei Akteure des Abends wurden uns vorgestellt.

Der Moderator Günter Keil übernahm das Gespräch mit Val McDermid auf Englisch und fasste die wichtigsten Aussagen nochmal auf Deutsch zusammen. Die Schauspielerin Marie-Lou Sellem las einige Passagen aus der deutschen Übersetzung von “Der Sinn des Todes”.

Ich finde, auf diesem Foto springt Val McDermid schon ein bisschen der Schalk aus dem Gesicht und genauso wirkte sie auch auf mich, gut gelaunt und voller Humor, aber auch mit Leidenschaft bei den Themen, die sie bewegen.

In einem schönen, weichen Schottisch erzählte Val McDermid von ihren Anfängen als Autorin – neben Talent und viel Fleiß brauchte man auch eine gute Portion Glück, um erfolgreich zu sein. Mit “Der Sinn des Todes” hat Val McDermid schon ihren 30. Krimi veröffentlicht. Leichter würde das Schreiben für sie im Laufe der Zeit aber nicht werden, denn auch ihre Ansprüche an sich selbst steigen von Buch zu Buch.

Manchmal gehen ihr ihre Serienfiguren tatsächlich auch auf die Nerven. Wenn die Heldin smarter, schlanker und erfolgreicher als sie selbst ist und sie sich darüber ärgert – dann schreibt sie einfach an einer anderen Serie weiter. Das ist der einzige Grundsatz, an den sie sich immer hält: nicht Buch für Buch einer Serie nacheinander zu schreiben, sondern immer hin und her zu wechseln. Wie gut, wenn man mehrere erfolgreiche Serien schreibt, um das tun zu können!

Val McDermid las zum Anfang und zum Ende der Veranstaltung je eine Szene auf Englisch, in der ihre neue Serienheldin, Detective Chief Inspector Karen Pirie, nachts durch die Stadt streift und auf eine Gruppe syrischer Flüchtlinge trifft. Weitere Szenen auf Deutsch wurden von Marie-Lou Sellem sehr lebendig und mitreissend gelesen.

In “Der Sinn des Todes” wird die Polizei aufgrund eines Autounfalls auf einen jungen Mann aufmerksam, dessen routinemäßige DNA-Untersuchung eine familiäre Übereinstimmung mit einem Mordfall vor 20 Jahren ergibt. Da der Junge adoptiert wurde, beginnt nun die Suche nach seinem leiblichen Vater.

Val McDermid erzählte, dass es tatsächlich in Großbritannien zunehmend Fälle gibt, bei denen ein routinemäßiger Abgleich der DNA mit der nationalen Datenbank eine teilweise übereinstimmung ergibt und man einen Täter dann im familiären Umfeld des Getesteten suchen muss. Das hat die Verbrechersuche zwar einerseits schon vereinfacht, birgt aber auch seine Gefahren. Denn nur weil die DNA eines Menschen vor vielen Jahren irgendwo anhaftete, muss er noch lange nichts mit einem Verbrechen zu tun haben.

Sie bekannte sich dazu, sich mehr als Europäerin zu fühlen als als Britin und eine Gegnerin des Brexit zu sein. Schottland hat ihrer Ansicht nach einen Wandel durchgemacht vom ausländerfeindlichen Land hin zu Offenheit und Toleranz und die vielen Flüchtlinge, die Schottland aufgenommen hat, wären im Allgemeinen dort gut akzeptiert worden.

Günter Keil war aufgefallen, dass besonders die Männer in Val McDermids neuestem Krimi nicht besonders gut wegkommen und die männlichen Polizisten auch mit seltsamen Spitznamen bedacht werden. Die Autorin erklärte, dass es bei der Polizei üblich sei, solche Spitznamen zu vergeben und erläuterte auch, wie es zu den einzelnen Namen kam. Darauf, dass Männer insgsamt nicht gut wegkommen, ging sie dann aber nicht weiter ein :-)

Vergleicht man Val McDermid mit ihrer Romanheldin Karen Pirie, dann sind beide fanatische Arbeitstiere, die das lieben, was sie tun. Man dürfe aber nicht zuviel von der Autorin in die Ermittlerin hinein interpretieren. Karen wäre z. B. eine leidenschaftlichen Gin-Trinkerin, Val McDermid dagegen hasst Gin – sie ist ein “Whisky-Girl”, was man bitte bei Geschenksendungen an sie berücksichtigen solle, ergänzte sie augenzwinkernd.

Nach der Lesung konnte man sich noch ein Buch signieren lassen und für mich stand fest, dass ich mit “Der Sinn des Todes” als dem ersten Band einer neuen Reihe ebenfalls mit einsteige und dieses Buch lesen werde, denn die Lesung hat mich ser neugierig auf den Rest des Buches gemacht.

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Rita

Liebe Gabi, vielen Dank für deinen eindrucksvollen Bericht. Ich habe schon einzelne Bände der Autorin gelesen. Eine neue Serie, das wäre vielleicht ein Grund, sich das Buch genauer anzusehen :-)

Liebe Gabi,

vielen Dank für diesen tollen und hochinformativen Beitrag zu der Lesung, mit atemberaubender Kulisse ;-). Val McDermid ist total pfiffig, talentiert und sehr sympathisch. Ich habe sie auf der Leipziger Buchmesse getroffen und schnellstens mein feinstes englisch ausgepackt. Es war ein sehr nettes Gespräch.

Ich liebe Val McDermids Bücher schon seit vielen Jahren. Bisher hat sie mich nur ein einziges mal enttäuscht (Jane Hustens Northanger Abbey). Für dein Thriller-Herz empfehle ich dir unbedingt Anatomie des Verbrechens.

Viele liebe Grüße

Anja

Hallo Gabi,

ich war auch schon bei einer Lesung der Autorin und war ebenfalls sehr begeistert. Sie ist super sympathisch und was den Schalk angeht, hast du vollkommen recht. So habe ich sie auch erlebt.

Ich habe bisher nur zwei Bücher von ihr gelesen, eines ist schon sehr viele Jahre her und das andere war letzten Monat. Oder diesen? Ich hab jegliches Zeitgefühl verloren… jedenfalls habe ich bei deiner Männersache noch mal an mein letztes Buch von ihr gedacht und ja, irgendwie war es da auch so. Aber nicht so arg, dass es einem sofort ins Gesicht springt. Vor allem bezieht sich auf den sexuellen Bereich, da einige Männer homophob waren, andere wirkten fast sexsüchtig und Impotenz und Telefonsex war auch ein Thema. Kann man jetzt drüber denken was man will :D Ich fand das Buch trotzdem gut und freue mich, mehr von ihr zu lesen.

Hast du das Buch mittlerweile gelesen?

Liebe Grüße
Julia