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Martin Hais – Generation Z von Dennis Kornblum

Darum geht's:

Der Psychologe Martin Hais arbeitet von Zuhause aus als Lektor. Seine einzigen Kontakte sind drei Bekannte, die ihn regelmäßig besuchen und eine Art privater Gesprächstherapie mit ihm absolvieren. Das reicht ihm an sozialem Miteinander, denn er ist ein Einzelgänger und besonders im Umgang mit Frauen unbeholfen. Einer seiner Bekannten ist Kriminalkommissar Kai Wojcik, der mit Martin auch über seinen neuesten Fall spricht - den grausamen Mord an vier Teenagern auf dem Heimweg vom beliebten Club "Generation Z". Und der Text, den der Mörder bei den Opfern hinterlassen hat, kommt Martin irgendwie bekannt vor.

So fand ich's:

Martin hat das Asperger-Syndrom, was ihn etwas kauzig wirken lässt. Er ist menschenscheu und besonders bei attraktiven Frauen erstarrt er regelrecht. Doch er ist sympathisch, mitfühlend und ich musste über seine Macken auch mal schmunzeln, denn sie wirken liebenswert und ein wenig verschroben. Als er zum Beispiel auf seinen gut trainierten Körper angesprochen wird, antwortet er: "Ich trainiere zweimal pro Woche jeweils eine Dreiviertelstunde. Ich habe das vor etwa 10 Jahren in meine Gewohnheiten aufgenommen." Präzise, korrekt, und ein bisschen eigen, das ist Martin Hais.

Man kann sich darauf verlassen, dass der Aspekt Asperger hier richtig dargestellt ist, denn der Autor hat selbst das Asperger-Syndrom. Ich meine, man merkt das auch an der Art, wie das Buch erzählt ist, denn ich habe einige Parallelen zwischen dem Protagonisten Martin Hais und der Erzählweise von Autor Dennis Kornblum erkannt. Die Liebe zum Detail, die eine Formulierung lieber sperrig werden lässt als auf eine Information zu verzichten. Die ausführliche Beleuchtung der Hintergründe und Motivation, die sich nicht die künstlerische Freiheit des Weglassens nimmt und bei der man sich bestimme Dinge nicht selbst zusammenreimen muss. Die Erzählung ist daher eher langsam, aber alle Facetten werden gut ausgeleuchtet. Der Focus liegt nicht auf Action, sondern auf vollständiger, nachvollziehbarer Erzählung. Das hat mir am Anfang ein wenig Geduld und Durchhaltevermögen abverlangt, weil ich sonst eher flott geschriebene Bücher lese, bei denen ich auch ein anderes Lesetempo habe als bei "Martin Hais - Generation Z". Irgendwann hatte ich mich aber in die Art zu Schreiben eingelesen und genoss die Geschichte.

Martin Hais wird aus seinem geordneten Leben unfreiwillig herausgerissen, als die quirlige Ina Ruiz mit einem eigenen Interesse an der Aufklärung der Mordfälle in Martins Leben tritt. Denn die Polizei - inclusive seinem Freund Kai Wojcik - hat kein Interesse an Martins Theorie über den Mörder. Nur Ina verspricht sich Unterstützung von ihm. Dass Ina eine schöne Frau ist, bringt Martin zusätzlich durcheinander.

Mich hat ein wenig gestört, wie sorglos Kai Wojcik mit Details zu seinen Mordermittlungen umgegangen ist. Dass er Martin so vieles erzählt, was gar nicht in der Öffentlichkeit bekannt ist, tut er zwar mit dem Hinweis, dass Martin auf keinen Fall darüber reden darf. Doch Martin tut sich schwer damit, sich nicht zu verplappern, weil er es gewohnt ist, mit allem frei und offen herauszuplatzen. Abgesehen davon wird die Kriminalgeschichte geradlinig und schnörkellos erzählt. Man muss nicht aus verschiedenen Verdächtigen raten, wer der Täter sein könnte. Spannend wird es hauptsächlich, weil Martin und Ina keine Unterstützung von offizieller Seite bekommen, denn die Spur, die sie verfolgen, wird von der Polizei als Sackgasse abgetan. Sie sind auf sich alleine gestellt.

Ich würde das Buch nicht als Thriller bezeichnen, sondern eher als Charakterstudie, eingebettet in einen Krimiplot. Der Aspekt Asperger wird einem nicht vordoziert, sondern man erlebt aus Martins Sicht seine Wahrnehmung, was ihn stört, wie er denkt und fühlt und wie er martin-typisch unbeholfen auf die flotte Ina reagiert. Das fand ich interessant und bereichernd, denn zusammen mit einer unterhaltsamen Handlung bekommt man ganz nebenbei neue Einblicke und Perspektiven.

Als die letzte Seite zufrieden gelesen war, tat es mir Leid, Martin verlassen zu müssen. Er hat sich erstaunlich aufgeschlossen gezeigt und einen neuen Weg eingeschlagen und ich hätte nichts dagegen, ihn wieder mal ein Stück dabei zu begleiten.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch:
Ich lese
Book Addicted
Circlestones Books
Rika liest

 


Herzlichen Dank an den Autor für das Rezensionsexemplar

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Titel: Martin Hais - Generation Z
Autor/in: Dennis Kornblum
ISBN / ASIN: ‎
B09KN9X6TY
Sprache:
Deutsch
Genre: Roman, Gegenwartsliteratur
Verlag: Tredition, Selfpublishing
Erscheinungsjahr:
2021
Medium:
eBook
Seitenzahl: 393
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Autorenhomepage

 

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