Buchiges

Samariter von Jilliane Hoffman

Darum geht’s:

Faith Saunders ist nicht mehr nüchtern, als sie am späten Abend mit ihrer kleinen Tochter wütend die Geburtstagsparty ihrer Schwester verlässt. In ihrem Ärger lässt sie ihre Handtasche mit Geld und Handy liegen. Während der Sturm heftiger wird, und sie sich dann auch noch irgendwo in der Provinz verfährt, beschließt sie, angetrunken mitten im Nirgendwo ein Nickerchen zu machen.

Als die verängstigte junge Frau sie mit heftigem Klopfen weckt und um Hilfe bittet, macht Faith lieber nicht die Autortür auf. Die beiden Männer, in deren Gesellschaft sich das Mädchen befindet, machen Faith Angst. Sie will keinen Ärger mit der Polizei. Und schließlich hat sie ihre schlafende Tochter im Auto.

Mit dieser Entscheidung hat Faith einen Pfad eingeschlagen, der für das Mädchen tödlich endet und Faiths Leben auf den Kopf stellt.

So fand ich’s:

Dieses Buch ist kein klassischer Thriller, denn besonders viel Spannung und Action hat die Handlung an sich nicht zu bieten. Wir können die Arbeit der zwei sympathischen Polizeiermittler beobachten und auch die Tätigkeit der ehrgeizigen Staatsanwältin wird beleuchtet. Unter Zeitdruck müssen sie Indizien zusammentragen und sich dabei auf Faith Saunders verlassen, die mit der Wahrheit nur in kleinen Stücken herausrückt und insgesamt nicht allzu zuverlässig erscheint.

Was mich aber doch gefesselt hat, war die Kette von Ereignissen, die Faiths Fehlentscheidung folgt. Wir sehen in Faiths Kopf und bekommen schlüssige Begründungen für ihr Verhalten. Wir kennen ihr Privatleben, das einen großen Teil der Erzählung einnimmt, und die psychischen Schläge, die sie vor und während wir sie beobachten einstecken musste. Faith ist charakterschwach und wurde mit bis zum Ende nicht wirklich sympathisch. Doch die Frage, was passiert, wenn sich der Prozess gegen einen Serienmörder ausschließlich auf jemanden wie Faith verlassen muss, hat mich nicht losgeslassen.

Jilliane Hoffman schreibt ohne große Sprachexperimente sehr klar und direkt, was mir sehr gut gefiel. Die Ereignisse und ihre Folgen sprechen für sich selbst. Es wird nicht auf nervenzerfetzenden Thrill gesetzt, sondern die psychologische Komponente in den Vordergrund gerückt. Wer also eher die leisen Töne, das subtile psychologische Gruseln liebt, dem wird „Samariter“ gut gefallen.

Mehr dazu:

Auf Sunsys Blog gibt es eine Meinung zur Hörbuch-Version.

Hier ist mein Bericht zur Autorenlesung zu Samariter.


Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

2 Comments

  1. Sunsy 04/12/2016 12:47

    Du hast die Story sehr gut zusammengefasst und vollkommen recht. Für mich steht und fällt allerdings ein Buch mit seinem Protagonisten, und hier hatte ich ein großes Problem, denn ich hätte schon fast nach dem Ereignis abgebrochen, weil ich mit dieser Fehlentscheidung in Folge nicht klar kam… :\
    glg, Elke

    • Laberladen 04/12/2016 12:53

      Faith ist so, wie man selbst auf keinen Fall sein möchte – ich hätte sie die ganze Zeit schütteln können. Eine gewagte Sache von Jilliane Hofmann, so jemanden zum Protagonisten zu machen. Das kann einen – wie mich – faszinieren, oder es geht schief und das Buch nervt und gefällt einem einfach nicht.

      LG Gabi

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