Buchiges

Shelter The Sea (englisch) von Heidi Cullinan – The Roosevelt #2

Darum geht’s:

Emmet und Jeremey sind in ihrer gemeinsamen Wohnung im „The Roosevelt“ sehr glücklich. Ohne die Betreuung und Hilfe, die ihnen dort geboten wird, könnte weder der Autist Emmet noch der an schweren Depressionen und Angsterkrankungen leidende Jeremey selbständig leben. Zum Glück hat Emmet einen gut bezahlten Job und sie können sich das Roosevelt leisten, im Gegensatz zu ihrem Freund Darren, der in einer schlecht betreuten staatlichen Einrichtung leben muss. Doch auch Emmets und Jeremeys Welt gerät aus den Fugen, als das Roosevelt in finanzielle Schwierigkeiten gerät und möglicherweise geschlossen werden muss.

So fand ich’s:

Emmet und Jeremey kennen wir schon aus „Carry The Ocean“, wo die beiden sich kennenlernten und ein Paar wurden. „Carry The Ocean“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern und ich bin mit gemischten Gefühlen an die Fortsetzung herangegangen. Natürlich wollte ich wieder Zeit mit Emmet und Jeremey verbringen und sehen, wie es ihnen ergangen ist. Andererseits kann eine lauwarme Fortsetzung eines Lieblingsbuches eine ganz schöne Enttäuschung werden. Doch Heidi Cullinan hat es auch mit „Shelter The Sea“ geschafft, mich voll und ganz zu überzeugen.

Obwohl die Chancen für Jeremey und Emmet auf ein selbständiges Leben und eine erfüllte Partnerschaft alles andere als gut standen, haben sie es geschafft. Und sie leben eine wundervolle Beziehung, von der sich viele Paare, die ohne Handicap leben dürfen, eine Scheibe abschneiden können.

Emmet muss mühsam die Mimik anderer Menschen anhand von Muster-Karten studieren, kann Berührungen und Nähe nur schwer ertragen und wenn ihn Gefühle überwältigen, was sehr oft passiert, muss er summen und mit den Armen wedeln, um den Druck abzubauen. Aber er ist ein brillianter, logischer Denker mit großem Spaß an allem, was mit Mathematik zu tun hat und erliebt Jeremey über alles.

Jeremey leidet an schweren Depressionen und an schlechten Tagen kann er kaum das Bett verlassen. Seine Angsterkrankung lässt ihn vor Menschen zurückschrecken und z. B. ein Besuch im Supermarkt ist ein riesiger Kraftakt für ihn. Doch für seine Freunde ist er der ruhende Pol und er liebt Emmet über alles.

Die beiden haben besondere Bedürfnisse, die nicht immer miteinander in Einklang zu bringen sind und sich manchmal sogar gegenseitig ausschließen. Doch sie schaffen es, Kompromisse zu finden und eine glückliche Partnerschaft zu leben und das ist wundervoll mit anzusehen. Man kann gar nicht genug bekommen von den beiden, die uns abwechselnd aus ihrer Sicht ihre Geschichte erzählen.

Durch staatliche Kürzungen ist ihr kleines Paradies in Gefahr und auch ihre Freunde im Roosevelt und auch außerhalb laufen Gefahr, unter viel schlechteren Bedingungen leben zu müssen – von Förderung ganz zu schweigen. Deshalb tun sich Emmet und Jeremey, David und Darren mit Helfern und Sponsoren zusammen und versuchen, das Roosevelt zu retten. Die jungen Männer, die mit ihren jeweiligen Einschränkungen schon so zu kämpfen haben, dass sie kaum kommunizieren können, versuchen, die Öffentlichkeit zu mobilisieren und stürzen sich in einen ungleichen und bewundernswerten Kampf um Aufmerksamkeit und Fördergelder. Man wirft einen Blick hinter die Kulissen des US-amerikanischen Gesundheitswesens und erlebt die direkten Auswirkungen auf die Bewohner des Roosevelt mit.

Das Buch schafft es, realistisch zu sein und doch einen positiven Grundton beizubehalten, denn es gibt in „Shelter The Sea“ einen Kreis von wundervollen Freunden, die als „Roosevelt Blues Brothers“ über sich hinauswachsen und die große Liebe zwischen Emmet und Jeremey, die fest über allem steht. Ich kann allen sowohl „Carry The Ocean“ als auch „Shelter The Sea“ nur wärmstens ans Herz legen.

Übrigens hat mir Heidi Cullinan in einem Tweet verraten, dass sie mit dieser Serie noch viel vor hat, unter anderem mit David und Darren, die schon in diesem Buch eine große und wichtige Rolle bekommen haben.

Mehr dazu:

Und auch wenn mir Cover sonst nicht so wichtig sind, diese hier gefallen mir sehr gut und ich finde, sie passen auch perfekt zur Geschichte, die die beiden Bücher erzählen.

 

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