Buchiges

Slow Heat (englisch) von Leta Blake

Darum geht’s:

Völlig unerwartet trifft der junge Student Jason auf seinen Erosgape, seinen für ihn bestimmten Partner, Vale. Leider  sind die Voraussetzungen für beide alles andere als ideal, obwohl ihre Natur sie unwiderstehlich zueinander hinzieht. Vale ist eigentlich schon zu alt und hat sich ein Leben aufgebaut, das durch die Verbindung mit Jason völlig auf den Kopf gestellt würde. Außerdem hat er einen Makel, den er selbst für unüberwindlich hält. Und Jasons Eltern haben auch ihre festen Vorstellungen für das Leben ihres Sohnes.

So fand ich’s:

Gestaltwandlergeschichten sind nicht so meine Sache. Allerdings dreht sich „Slow Heat“ auch nicht um Gestaltwandler im herkömmlichen Sinne, sondern es ist eine Dystopie. Nach dem „Großen Tod“, dessen Ursache nicht weiter beleuchtet wird, sind einige Tierarten und auch menschliche Frauen ausgestorben, die Welt hat sich entscheidend verändert. Die Menschheit musste sich etwas einfallen lassen und so wurde von Wissenschaftlern die männliche mit der Wolf-DNA vermischt, um den Fortbestand der Menschheit zu sichern. Drei Geschlechter entstanden: die Alphas, die Kinder zeugen können, die Omegas, die Kinder bekommen können und die Betas, die im Gegensatz zu den beiden anderen Geschlechtern nicht von Hormonen gesteuert, aber unfruchtbar sind.

Da Omega-Männer auch nach der genetischen Veränderung nicht perfekt zum Kinderkriegen geeignet sind, gibt es oft medizinische Probleme und eine Schwangerschaft und Geburt ist ein ernstzunehmendes Risiko. Allerdings gibt es bei den Omegas eine fruchtbare Zeit, eine Art Brunstzeit, in der sie von Instinkten überwältigt werden, ihr sexuelles Verlangen kaum im Zaum halten können und alle Risiken in den Wind schlagen. Ohne einen Alpha-Partner an ihrer Seite wird diese Phase regelmäßig zur Qual.

Aber auch Alpha-Männer können sich kaum gegen ihre Triebe wehren, wenn sie ihrem Erosgape begegnen. Es entsteht ein lebenslanges Band zwischen ihnen, und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit und tiefen Liebe zueinander sind beide mehr oder weniger ausgeliefert.

In diese recht interessante Welt eingebaut wird die Liebesgeschichte zwischen dem jungen Alpha Jason und dem wesentlich älteren Omega Vale.

Man lernt die Traditionen und Vorgaben kennen, wie eine Annäherung ablaufen soll, Protokolle sind zu beachten, wie man einen Vertrag zwischen Alpha und Omega verhandelt und erstaunt stellt man fest, dass es auf eine heutzutage zum Glück überholte Rollenverteilung hinausläuft, wie sie früher zwischen Männern und Frauen üblich war. Die Gesellschaft und die Regierung erwarten Reproduktion und die Erhaltung der Art, unterstützen andere Lebensentwürfe überhaupt nicht.

Man wirft einen Blick auf diese neue Gesellschaft, in der zwar nur Männer leben, aber trotzdem nicht alle gleich sind. Aufgrund ihrer verschiedenen Rollen als Alpha, Beta oder Omega sind die Weichen für das Leben schon weitestgehend gestellt. Omegas müssen ihren Besitz aufgeben, sobald sie eine Verbindung mit einem Alpha eingehen. Das geht entweder per Vertrag oder – wenn man Glück hat – findet man seinen Erosgape, mit dem man eine starke emotionale Verbindung hat, der man sich aber auch nicht oder kaum widersetzen kann.

Auch Jason und Vale haben ihre Vorstellungen und Träume. Jason ist ein Einzelkind und soll viele Kinder in die Welt setzen, um Erben für die Firma seiner Eltern zu haben. Vale hat die Hoffnung schon aufgegeben, seinen Erosgape zu finden, und hat sich ein selbständiges Leben als Professor für Literatur aufgebaut.

Das Buch ist ein guter Mix aus dem Gesellschaftsbild einer Bevölkerung, die sich nach der Katastrophe des „großen Todes“ eine neue Form des Zusammenlebens erschaffen musste und der Liebesgeschichte zwischen Jason und Vale, die aufgrund ihres Altersunterschiedes eigentlich nicht zusammen passen, die aber unwiderstehlich zueinander hingezogen sind, weil sie eben doch Erosgape sind. Beide sind interessante und liebenswerte Menschen. Besonders der noch sehr junge Jason muss über sich hinauswachsen, um seinem älteren Partner gerecht zu werden und es ist eine Freude mit anzusehen, wie er erwachsen wird und sich seiner Rolle stellt.

Gleichzeitig erleben wir die Ehe von Jasons Eltern, die mit großen Problemem belastet ist und Jasons Freund Xan, der zwar selbst ein Alpha ist, aber keinerlei Lust dazu verspürt, sich einen Omega zu suchen, um mit ihm eine Familie zu gründen – Xan möchte einen Alpha als Partner, was in der existierenden Gesellschaftsstruktur so aber gar nicht vorgesehen ist.

Dieses Gesellschaftsbild, das in eine wunderschöne und sehr sexy Liebesgeschichte eingebunden ist, hat mir ein paar schöne Lesestunden beschert und mich überzeugt. Ich hätte nichts dagegen, mehr Geschichten aus dieser Welt zu lesen!

 

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