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Buchiges

Wenn Funken über Wolken tanzen von Sandra Binder

Darum geht’s:

Mit 33 Jahren ist Nico nach einer katastrophalen Ehe dabei, sich zu vergraben und zum Einsiedler zu werden. Ihre Freundin Tina zwingt sie dazu, mit ihr auszugehen – und prompt trinkt Nico zu viel und wird von einem freundlichen Fremden nach hause gebracht. Kosta bleibt nach ihrem One Night Stand noch zum Frühstück und obwohl Nico eigentlich nicht auf eine Wiederholung aus ist, gibt sie ihm ihre Telefonnummer. Die beiden mögen sich auf Anhieb und sogar die desillusionierte Nico fängt an, wieder Gefühle zu entwickeln – bis sie entdeckt, dass Kosta erst 19 Jahre alt ist.

So fand ich’s:

Durch das ganze Buch hat es mich irritiert, dass Nico für mich ausschließlich ein Männername ist. Da es die Abkürzung für den ungeliebten Namen Nicolette ist, liegt es nahe, dass sie von allen so genannt wird. Trotzdem hatte ich große Probleme damit, den Namen Nico einer Frau zuzuordnen.

Kosta wirkt durch seine gelassene, ruhige und charakterlich gefestigte Art und seine Körpergröße von stattlichen 1,90 m älter als 19, Nico hält ihn eher für Mitte 20. Und auch Kosta irrt sich, was Nicos Alter angeht, denn er schätzt sie ein paar Jahre jünger als sie ist. Dass sie stolze 14 Jahre trennen, wird ihnen erst klar, als beide schon Gefühle für den anderen haben. Nico tritt auf die Bremse, doch sie vermisst Kosta schon viel zu sehr, um den Kontakt tatsächlich abzubrechen. Aber was werden seine und ihre Freunde sagen, wenn sie es miteinander versuchen und ein Paar werden?

Dadurch, dass Nico ziemlich unreif und nach einer krachend gescheiterten Beziehung mit einem Partner, der sie immer klein gehalten hat, auch verunsichert ist, wirkt sie nicht wirklich um 14 Jahre reifer als der gelassene Kosta. Eigentlich gleichen ihre Charaktere den Altersunterschied perfekt aus, denn Nico wirkt oft zu unvernünftig und kindisch und Kostas Verhalten viel zu empathisch und alt für seine jugendlichen 19. Dadurch wirkten beide leider nicht immer unbedingt authentisch auf mich, doch offensichtlich scheint für diese beiden Menschen in ihrer Beziehung zueinander dieser Altersunterschied kein Problem zu sein.

Ihre Umgebung findet allerdings überhaupt nicht, dass sie zusammenpassen. Nicos beste Freundin Tina benimmt sich wie eine konservativ-festgefahrene Ignorantin und der restliche Freundeskreis Nicos schließt sich mit Bedenken und Lästereien gegen einen so viel jüngeren Partner an. Auch Kostas Kumpels sind nicht wirklich gewillt, die ältere Frau in ihrer Clique aufzunehmen. Nicos Exfreundin und seine Mutter schießen ebenfalls gegen Nico. Bis auf Nicos Vater gibt es nur negative Reaktionen und deutliche Worte gegen die Beziehung. Was sind das alles für Leute, mit denen sich Nico und Kosta umgeben? Diese Unmenge an teilweise übertrieben negativen Reaktionen haben mich mehr als einmal den Kopf schütteln lassen. Meine Freunde wären das alle nicht (mehr).

Dass eine Beziehung zwischen zwei Menschen, die auf den ersten Blick nicht zueinander passen, auch mal belächelt oder nicht ernst genommen wird, ist nachvollziehbar. Doch sobald man merkt, dass die Chemie zwischen ihnen perfekt stimmt, sollte man als Freund oder Familie doch ein bisschen Vertrauen haben und überholte Konventionen über Bord werfen.

Leider ist das hier nicht so und ausgerechnet bei Nico sitzt der Drang, zu gefallen, es allen recht zu machen und bloß nicht negativ aufzufallen, sehr tief. Deshalb brauchen sie und Kosta ein ganzes Stück bis zu ihrem Happy End. Dieser Weg war für mich gepflastert mit ärgerlichen Begegnungen mit schrecklichen Freunden und es machte nicht immer Spaß, das zu lesen.

Dafür, dass keine spannende oder außergewöhnliche Handlung die Geschichte tragen könnte, sondern der Focus auf den Charakteren, ihrer Situation und ihrem Innenleben liegt, war mir die Geschichte besonders in der ersten Hälfte zu gemächlich erzählt. Es dauerte lange, bis mich die Story überhaupt ein bisschen packen konnte. Tiefer emotional berührt hat sie mich bis zum Ende nicht, sondern ich habe sie eher mit distanziertem Interesse (und manchmal Ärger) verfolgt.

Die Lehre, die alle Beteiligten ziehen sollen und es dann auch getan haben, liegt auf der Hand. Passende Eckdaten sind kein Garant für eine gute Beziehung und nur weil diese eben nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind, kann es zwischen zwei ungleichen Menschen trotzdem klappen. Die Geschichte, mit der uns diese Erkenntnis nahegebracht wurde, hat mir durch die Vielzahl eher unsympatischer Charaktere und der zu ruhigen Erzählweise nur bedingt gefallen.


[Werbung] Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite
Herzlichen Dank an den Verlag und Vorablesen für das Rezensionsexemplar

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Witzig, ich habe eine ehemalige Kollegin, die so heißt. Aber ich wüsste nicht, dass die Bücher schreibt.