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Tage der Nemesis von Martin von Arndt

Darum geht’s:

Frühjahr 1921: Im vornehmen Berliner Stadtteil Charlottenburg wird die Leiche des ehemaligen türkischen Staatsführers Talât Pascha gefunden. Kommissar Andreas Eckart erkennt in dem Toten einen der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an den Armeniern aus dem Jahr 1915 und kommt rasch einer Terrororganisation auf die Spur, die Rache für die Opfer des Genozids nimmt und die politischen Entscheidungsträger von damals im Visier hat. Als weitere Attentate geschehen, führen die Ermittlungen Eckart bis nach Rom. Doch je weiter der Kommissar mit seinen Recherchen voranschreitet, desto tiefer verstrickt er sich in die politischen Winkelzüge eines zutiefst verfeindeten Europas, das zwischen den Katastrophen zweier Weltkriege steht. Schließlich gerät Eckart selbst ins Fadenkreuz der Attentäter (Quelle: Verlagsseite)

So fand ich’s:

Deutschland zwischen den zwei Weltkriegen – das war wohl noch nie die Kulisse für einen Krimi, den ich gelesen habe.

Auch wenn darauf nicht der Schwerpunkt der Erzählung lag, wurde einem ganz nebenbei ein lebendiges Bild der damaligen Zeit vermittelt. Ermittler Eckart hat ein Trauma und eine Morphiumabhängigkeit aus dem ersten Weltkrieg mitgebacht. In Italien organisieren sich die Faschisten. In Berlin, wo Oberkommissar Eckert ermittelt, fährt man mit der „Elektrischen“, muss sich durch das „Fräulein vom Amt“ ein Telefongespräch vermitteln lassen und heizt bevorzugt mit Kohle. Selbst durch die Wortwahl und die Art zu erzählen fühlte man sich in diese Zeit zurückversetzt.

Der Mord scheint von Anfang an politisch motiviert. Doch wie verzwickt und komplex die Verflechtungen zwischen den Armeniern, Türken und auch der deutschen Regierung sind, erschließt sich Eckart und dem Leser erst so nach und nach.

Den historischen Hintergrund bildet der Konflikt zwischen Türken und Armeniern, der zu einem Massenmord an Armeniern in den Jahren 1915 und 1916 führte. Die armenische Organisation „Nemesis“ versucht, die Verantwortlichen aufzuspüren und zu töten, da sie von offizieller Seite nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Und da diese Morde in Deutschland stattfinden, kann sich Staat und Geheimdienst nicht heraushalten. Ganz zu schweigen vom eifrigen und unerschrockenen Polizisten Eckert, der von politischem Kalkül und internationaler Diplomatie bei seinen Mordermittlungen so gar nichts wissen will, auch wenn sie ihm seine Arbeit gehörig erschweren.

Hier wurde eine informative Geschichtsstunde in eine spannende Krimihandlung verwoben und heraus kam ein lesenswerter historischer Polit-Krimi.


Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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