Darum geht’s:
Alle hatten den Eindruck, der wohlhabende Freiherr von Sothen hätte das Glück gepachtet, so oft wie er selbst in der Lotterie gewonnen und beim Verkauf von Losen an andere zusätzlich verdient hat. Doch nun ist er erschossen worden und Oberinspektor Janek Pokorny muss ermitteln. Weil Nepomuk Hofmeisters Freund dieses Verbrechens verdächtigt wird und er sich hilfesuchend an Aurelia wendet, treffen die drei wieder aufeinander und müssen sich auch ihren privaten Verwicklungen stellen.
So fand ich’s:
Aurelia ist die einzige Person, die von Nepomuks Vorliebe für Männer weiß und der er sein Dilemma erzählen kann. Denn er könnte dem verdächtigen Leutnant ein Alibi geben, müsste dann aber offenbaren, was sie tatsächlich gemacht haben und das wäre ebenso fatal. Also suchen die beiden selbst nach anderen möglichen Tätern und stoßen dabei auf Dinge, die das Opfer in schlechtem Licht dastehen lassen. Auch Janek, der inzwischen zum Oberinspektor befördert wurde, sieht sich den Mord an von Sothen an und ermittelt offiziell.
Bei der Serie um Aurelia von Kolowitz gefällt mir, dass die Verbrechen grundsätzlich von zwei Seiten betrachtet werden. Janek hat als zuständiger Ermittler andere Informationsquellen als Aurelia und Nepomuk, die sich in der feinen Gesellschaft bewegen, Gerüchte hören und unter der Hand Dinge erfahren, die man einem Polizisten nicht erzählen würde. Es ist immer spannend zu sehen, ob und wie sich die zwei Vorgehensweisen schließlich überschneiden.
Neben dem Mordfall gibt es viele Einblicke in die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts in Wien und zwar quer durch alle Gesellschaftsschichten. Da Aurelia aufgeschlossen und liberal ist, sieht sie vieles durch eine moderne Brille und ist sehr interessiert daran, Frauenrechte zu stärken – oder überhaupt erst einmal zu etablieren. Dass sie unter einem männlichen Pseudonym Karikaturen veröffentlicht, wurde ihr gerade vom Zeitungsverleger untersagt, denn sie hatte es übertrieben. Janek und Nepomuk sind etwas zurückhaltender und vorsichtiger, vielleicht auch, weil sie nicht so naiv sind, wie Aurelia das manchmal in ihrem Eifer ist. Und doch sind die drei super sympathisch und ergänzen sich als ungleiches Ermittlerteam auch wunderbar. Dazu kommen noch die Gefühle, die sie füreinander haben, von denen keine Konstellation der drei wirklich unbelastet ist, was die Sache nur umso interessanter macht.
Die negativen Aspekte, besonders die prekären Arbeits- und Lebensbedingungen des ärmeren Teils der Bevölkerung oder auch dass Frauen grundsätzlich von den Entscheidungen des Vaters oder des Ehemanns abhängig waren, werden nicht verschwiegen und eine sozialkritische Komponente schwingt immer mit. Gerade weil zurzeit in Deutschland an allen Errungenschaften des Sozialstaats gestrichen und gespart wird, hat mir auch diese Reihe historischer Kriminalromane wieder vor Augen geführt, wie hart diese Dinge erkämpft wurden und wie leicht manches davon jetzt hergegeben wird.
In der Hörversion hat mir auch der dritte Band mit der umtriebigen jungen Adeligen Aurelia wunderbare Lesestunden beschert und ich empfehle nicht nur diesen Teil, sondern die ganze Reihe wärmstens weiter.
Mehr dazu:
Weitere Meinungen zum Buch:
(wird ergänzt)
Die Serie in der richtigen Reihenfolge:
Aurelia und die letzte Fahrt
Aurelia und die Melodie des Todes
Aurelia und die Jagd nach dem Glück
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Titel: Aurelia und die Jagd nach dem Glück
Autor/in: Beate Maly
Sprecher/in: Verena Noll
ISBN / ASIN: 978-3755800132
Sprache: Deutsch
Genre: Historischer Krimi
Serie: Aurelia von Kolowitz #3
Verlag: Dumont
Erscheinungsjahr: 2025
Medium: ungekürztes Hörbuch
Hördauer: 9 Stunden 15 Minuten
Seitenzahl Print: 352
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite