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Der Mörder und das Mädchen von Sofie Sarenbrant

Darum geht’s:

Cornelia hat es fast geschafft, ihrem gewalttätigen Ehemann zu entkommen. Die neue Wohnung ist gemietet und die Koffer sind gepackt, aber an dem Tag, an dem sie mit ihrer Tochter Astrid die Villa verlassen will, findet Astrid ihren Vater erstochen im Gästezimmer. Die Ermittlungen in diesem Mordfall übernimmt Emma, die Schwester von Cornelias bester Freundin, doch das bringt Cornelia auch keine Vorteile – sie ist die Hauptverdächtige.

So fand ich’s:

In jedem der vielen Kapitel erzählt eine andere beteiligte Person und auf diese Weise können wir allen Charakteren in die Köpfe schauen. Da berichtet die Witwe Cornelia, ihre Freundin Josefin, deren Schwester Emma, die als ermittelnde Polizeibeamtin zwischen privaten Sympathien und beruflichen Erkenntnisse hin und her gerissen ist, genauso wie auch der Makler, der die Villa verkaufen soll, seine Assistentin, Emmas hartnäckiger Exfreund, ihr aktueller Partner und so weiter. Eine Stimme erhält auch der Mörder, und wir Leser bemerken schon, dass er sich im Dunstkreis um Cornelia und Emma bewegt, beobachtet und immer wieder an den Schauplätzen auftaucht, wir kennen aber nicht seine Identität.

Weil die Beteiligten einem nach und nach vorgestellt werden, hatte ich keine Probleme damit, dass ungewöhnlich viele Erzählperspektiven vorhanden sind. Den Überblick darüber, wer wie mit wem verbandelt ist, hatte ich jederzeit. Alle sind stinknormale Menschen und wir bekommen ihre Sorgen und Nöte mit. Hinter jeder noch so glänzenden Fassade gibt es Risse und so hat die Erzählung insgesamt nichts Leichtes oder Fröhliches, sondern die Personen sind überwiegend ängstlich, überarbeitet oder genervt. Wer humorvolle Lektüre sucht, der sollte also besser die Finger von diesem Buch lassen.

Wir Leser bekommen genau so viel Informationen wie die Charaktere im Buch auch, es gibt keinen Wissensvorsprung und wir sind gezwungen, abzuwarten und die Personen zu beobachten, die sich zutiefst menschlich und nicht immer fehlerfrei verhalten. Auf sehr erzählerische Art und Weise wird die Handlung eher ruhig vor einem ausgebreitet, Action ist nur wenig vorhanden. Doch die Frage, wer was zu verbergen hat, in welche Abgründe man noch blicken kann und wer den bösartigen Ehemann Hans nun letztendlich ermordet hat, ließ mich doch mit großem Interesse dran bleiben. Außerdem fand ich die Charaktere spannend, wenn auch nicht immer sympathisch. Sie handelten nachvollziehbar und waren für mich interessant. Und auch der flüssige Schreibstil und die vielen kurzen Kapitel tragen dazu bei, dass man immer weiter liest und sich von der Story mitreissen lässt.

Leider hat der Klappentext bzw. die Kurzbeschreibung bei der eBook-Ausgabe knapp an den Fakten vorbei beschrieben, als die Ermittlerin Emma als hochschwanger bezeichnet wurde – sie ist gerade mal im dritten Monat und ihre Kollegen haben von ihrer Schwangerschaft noch nicht einmal was mitbekommen. Ärgerlich.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt ist der Titel der deutschen Ausgabe. Es geht hier nicht speziell um den Mörder und das Mädchen und ich fand ihn deshalb nicht besonders passend.

Ich meckere hier aber von der Position einer Leserin aus, die von dem Buch sehr angetan war. Insgesamt hat mich auch ohne nervenzerfetzendem Thrill die Geschichte gefesselt und auch die ungewöhnlich vielen Erzählperspektiven haben mir gefallen. Wer atmosphärische Erzählungen mit Schwerpunkt auf den Charakteren gerne liest, dem wird “Der Mörder und das Mädchen” bestimmt genauso gut gefallen wie mir.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch gibt es bei:
Kejas Blogbuch


[Werbung] Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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5 Comment authors
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Eine sehr gut geschriebene Rezi die mich neugierig auf das Buch gemacht hat. In welchem Land spielt sich das denn ab ?

Kerstin

Hey wow, da sind wir ja wieder einer Meinung. Das mit dem hochschwanger hatte ich mir auch anders vorgestellt; -)
Und ja, der Titel ist recht irre führend aber trotzdem ein lesenswertes Buch.
Liebe Grüße und ich hab gesehen du hast uns verlinkt – Daaaaanke
Kerstin

Hallo Kerstin,

ja, diese Kleinigkeiten mit der hochschwangeren Kommissarin und dem merkwürdigen Titel sind wirklich die einzigen Dinge, die ich bemeckern kann. Der Rest hat absolut überzeugt.

LG Gabi

Janna | KeJas-BlogBuch

Ja, Kerstins Rezi hatte mich bereits neugierig gemacht – deine unterstreicht es nochmal! Wenn die Zeit mal da ist, wird ichs mir von meiner feinen BlogKollegin leihen ;)

Hab noch einen feinen Sonntag!

Liebe Janna,

wir wollen ja nicht, dass die Wunschliste mal irgendwann abgearbeitet ist und keine neuen Buchvorschläge warten. Von uns kriegst Du von allen Seiten gute Bücher empfohlen ;-)

LG Gabi

Janna | KeJas-BlogBuch

Ich glaube das ist ein Ding der Unmöglichkeit – WuLi abgearbeitet zu haben :D