Buchiges

Exile (englisch) von Aleksandr Voinov – Doctrine Wars

Darum geht’s:

Kyle und Grimm sind eigentlich auf dem Weg zu Grimms Heimatplaneten, als sie auf ein paar Flüchtlinge von Kyles Heimat Tamene treffen. Diese Menschen wollten lieber ihre angestammte Welt verlassen, als die bevorstehende Invasion des Doctrine mitzuerleben. Kyle hasst die hirnlosen Zombie-Soldaten des Doctrine, denn dieses System ist eine Mischung aus Kommunismus und Sekte und übernimmt einen Planeten nach dem anderen unter dem Motto „schließ dich uns an oder stirb“. Kyle kann nicht anders, er muss nach Tamene reisen und Grimm lässt seinen Liebsten natürlich nicht allein.

So fand ich’s:

Kyle hat so seine Vorstellungen, wie die typischen Doctrine-Offiziere sind und was dieses System seiner Heimat antun wird. Im Doctrine muss man funktionieren, je gefühlloser und effizienter man die Ziele durchsetzt, desto höher ist man angesehen und Bedürfnisse des Einzelnen zählen nichts im Vergleich zum Wohlergehen der Gemeinschaft. Wer sich nicht freiwillig unterwirft, wird gnadenlos ausgerottet. Kyle sieht die Kultur seines Planeten in Gefahr, der nur schwach besiedelt ist und dessen Bevölkerung aus spirituellen Freigeistern besteht, die im Einklang mit der Natur und ohne Maschinen und Technik leben. Außerdem verdammt das Doctrine Homosexualität als Verbrechen, was auf Tamene ganz anders gesehen wird. Kyle befürchtet, mit dem Offizier, der die Verhandlungen auf Tamene leitet, nicht reden zu können, denn seiner Erfahrung nach sind alle Doctrine-Offiziere gefühllose Zombies.

Als Grimm und er schließlich auf den Befehlshaber Arkady Kidashell treffen, ist Kyle erstaunt, wie sehr er sich geirrt hat. Zwar treffen völlig verschiedene Philosophien aufeinander und die stärkste Macht in dieser Gleichung hat kaum Toleranz für Individualität. Wer sich also nicht einfügen kann oder will, ist quasi schon zum Tode verurteilt – oder kann man das doch verhindern?

Weil Grimm sich in der Kurzgeschichte „Incursion“ schon in Kyles Leben eingemischt hat, entwickelt Kyle immer mehr Eigenschaften von Grimms Volk und wandelt sich im Grunde selbst in einen Glyrinny um. Weder Kyle noch der Leser wissen viel über diese Wesen und je mehr Kyle an sich selbst spürt, wie er sich verändert, desto mehr erfährt er auch über Grimms Natur. Das ist ungeheuer spannend und in wundervollen Metaphern wird das Wesen der Glyrinny beleuchtet und greifbar gemacht. Dieser Aspekt des Buches hat mir besonders gut gefallen.

Arkady Kidashell ist einerseits ehrgeizig und will im Militär des Doctrine Karriere machen. Dafür passt er sich an und ist der perfekte Vertreter des Systems. Doch er hat auch seine eigenen Pläne. Und weil er eben nicht herz- und hirnlos ist, macht er Eindruck auf Grimm und vor allem auf Kyle.

Und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Kyle und Grimm vertiefen ihre Partnerschaft und so neu diese Beziehung auch ist, so klar ist doch ziemlich schnell, dass es beiden ernst miteinander ist. Auch wenn die Lage auf Tamene alles andere als lustig ist, gibt es doch entspannte und humorvolle Kabbeleien zwischen Kyle und Grimm, die man mit Vergnügen liest.

Da „Incursion“ die Vorgeschichte zu diesem Roman erzählt, empfehle ich, diese Kurzgeschichte zuerst zu lesen. Das erleichtert das Verständnis darüber, in welcher Welt sich das Ganze abspielt und man erfährt auch mehr über Kyle. Grimm gibt sich nach wie vor gerne so geheimnisvoll wie sein ganzes Volk.

Mir gefällt die Welt, die Aleksandr Voinov da erschaffen hat mit ihren verschiedenen Planeten und politischen Systemen, die noch jede Menge Möglichkeiten bietet, spannende Geschichten zu erzählen. Arkady und besonders natürlich Kyle und Grimm sind mir ans Herz gewachsen und ich würde mich sehr darüber freuen, wenn ich ihnen wieder begegnen würde. Dieser dicht gewebte Mix aus Weltraumabenteuer, einer guten Portion Spiritualität, Aliens, homosexueller Liebe, die durchaus auch explizit geschildert wird, unterschiedlichen Lebensweisen, die aufeinanderprallen, einer spannenden Handlung und wundervollen Charakteren spreche ich sehr gerne eine absolute Leseempfehlung aus. „Exile“ hat meinen Geschmack perfekt getroffen!

Mehr dazu:

Die Doctine Wars Serie:
Dark Edge of Honor
Incursion
Exile

 

 

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