Menu

Buchiges

Hier sollte eigentlich ein Lesungsbericht stehen …

… aber dann kam es doch ein bisschen anders.

Beim Einlass zur Veranstaltung “Achtung Lesensgefahr” von Klüpfel & Kobr, den Autoren erfolgreicher Allgäu-Krimis, bin ich gestern unangenehm überrascht worden. Meine schon einige Jahre alte Spiegelreflexkamera, die ich bisher bei allen Lesungen, die ich besucht habe, mit dabei hatte, wurde als “professionelle Kameraausrüstung” eingestuft (danke, liebe Veranstalter, die alte Canon hat sich geehrt gefühlt) und durfte nicht mit rein. Leider war auf den Tickets oder der Ankündigungen der Veranstaltung kein Hinweis darauf gewesen, sonst hätte ich die Kamera gleich zuhause gelassen, und ich war gezwungen, das gute Stück an der Garderobe in Verwahrung zu geben. Die Herrschaften waren sich auch nicht zu fein, mir dafür auch noch 1,50 € abzuknöpfen.

Und während ich den ganzen Abend beobachtete, wie mit hochwertigen Smartphone-Kameras das Programm in Bild und Film in HD-Qualität festgehalten wurde, während mein Fotoapparat draussen bleiben musste, nur weil man mit ihm nicht auch noch telefonieren kann, beschloss ich, diese Veranstaltung nicht mit einem Beitrag hier auf dem Blog zu würdigen. Kindisch? Mag sein. Aber ich fühlte mich tatsächlich veralbert.

Und wer sich gerne in Bild und Ton von Autorenlesungen berichten lässt, der sei damit getröstet, dass ich morgen auf eine andere Lesung gehe, über die ich dann – hoffentlich mit schönen Fotos garniert – berichten werde.

Nachtrag vom 12. April 2017:

Ich habe vorgestern den Veranstalter angeschrieben wegen dieser in meinen Augen merkwürdigen Verfahrensweise und noch am gleichen Tag eine freundliche, offene und ausführliche Antwort erhalten, die mich inhaltlich leider so gar nicht glücklich macht, aber die ich Euch nicht vorenthalten wollte:

Grundsätzlich herrscht bei den Veranstaltungen der Konzertbüro Augsburg GmbH ein komplettes Film- und Fotografierverbot (zu finden in den AGB, insbesondere Nr. 8). Da das so radikal in Zeiten hochwertiger Smartphones mit entsprechenden Aufnahmefunktionen nicht ohne großen Aufwand durchzusetzen ist, hat man den Kompromiss gemacht, im Normalfall private Erinnerungsschnappschüsse per Handy oder Kompaktkamera zu dulden, wenn nicht einzelne Künstler auf dem absoluten Verbot bestehen. Bei Kameras, die mit Wechselobjektiv ausgestattet sind, wie Spiegelreflexkameras und ihren digitalen Nachfolgern geht man aber davon aus, “daß dabei ein gewerbliches Interesse einhergeht, ob im Zuge von journalistischer Berichterstattung, dem Verkauf von Bildern oder anderer kommerzieller Verarbeitung des Bildmaterials. Daher auch der Hinweis auf den Fotopass und die Bitte um kurze vorherige Kommunikation. ” (Zitat aus der Antwortmail). Mit einem Fotopass kann man sich laut AGB vorher die offizielle Genehmigung zum Fotogafieren einholen.

Also wer mit Handy bzw. Kompaktkamera aufnimmt, bei dem unterstellt man private Erinnerungsfotos und duldet das trotz Verbot, weil man eben nicht 180 Handys einsammeln möchte. Wer eine Kamera mit Wechselobjektiv dabei hat, bei dem geht man von gewerblichem Interesse aus und untersagt das, wenn kein Fotopass beantragt wurde. Dass das keine gute Lösung, sondern nur ein Kompromiss zugunsten der Praktikabilität ist, gab auch der Veranstalter zu.

Wie das künftig die Blogger halten wollen, die ganz ohne finanzielles Interesse rein aus Enthusiasmus für die Veranstaltung ihre kostenlose Werbung mit schönen Bildern garnieren möchten, muss jeder selbst entscheiden. Ich habe meine persönliche Lösung (siehe oben) schon gefunden.

Loading Likes...

31
Hinterlasse einen Kommentar

15 Comment authors
  Kommentare abonnieren  
Benachrichtige mich zu:

Kopfschüttel. Manchmal steht man einfach nur Fassungslos da und ist sprachlos.

Hoppala, was ist denn das für ein Gebahren? Ich dachte bisher immer, dass gerade auf Lesungen es gern gesehen wird, wenn man Fotos macht um den eigenen Bericht zu untermalen. Ich kann dich verstehen.

Wie Du weißt, stehe ich auf Aphorismen und es gibt für jede Situation GsD eine *g*

“Hochmut kommt vor dem Fall und nach dem Beifall.” © Dr. rer. pol. André Brie (*1950)

Da Du ja Herr im eigenen Blog bist, steht es Dir frei, über die Herren, egal wie, wann und ob überhaupt, zu berichten. Wobei ich durchaus hier noch einen (weniger) netten 3-Zeiler an die Autoren und den Verlag schreiben und genau darauf hinweisen würde, dass auf wenn Du als Blogger “semiprofessionell” wärst, Du aber auch eine Palttform hast, die die Herren zu Werbezwecken durchaus schätzen sollten. Vielleicht lag es ja nur am “Veranstalter”, aber auch dann sollten sie es wissen. Ganz so (nur hier auf Deinem Blog) würde ich es nicht stehen lassen, denn was sie nicht wissen, stört sie selbst ja nicht…

Mir tut es leid, dass Du diese Erfahrung machen musstest, denn ich wusste ja, dass Du Dich wirklich drauf gefreut hattest.

LG El

Nö, nicht kindisch. Ich hätte auch keinen Beitrag geschrieben. :-(

Hey Gabi,
ich kann dich sehr gut verstehen und hätte auch nicht mehr berichtet. Gerade vor dem Hintergrund, dass auch mit dem Handy heute gutes Fotos und Videos gemacht werden können, ist das einfach Quatsch, was vom Veranstalter da angeordnet wurde.
In Ordnung würde ich es finden bzw. habe ich es gefunden, wenn, wie z. B. auf einem Konzert von Michael Patrick Kelly, niemand fotografieren durfte. Auch Handys waren verboten und es lief die ganze Zeit Security rum, die darauf geachtet hat, dass das Verbot eingehalten wird (ein Mädel haben sie sogar vor die Tür befördert, weil die nicht aufhörte zu filmen). Das ist dann eine Entscheidung des Künstlers und für mich in Ordnung.
Aber so, wie es da abgelaufen ist, ist es einfach Willkür.
LG
Yvonne

Julia | Literameer

Hallo Gabi,

das finde ich auch nicht kindisch und ich könnte mir gut vorstellen ähnlich zu reagieren.

ich finde es auch nicht okay, dass du die Kamera nicht mit rein nehmen durftest, wenn das im Vorfeld nirgends angegeben war.

Ich war mal auf einem Konzert, noch vor Veröffentlichung des neuen Albums, und da mussten alle Handys abgegeben werden. Es gab aber keine Schließfächer oder so, sondern nur eine große Kiste in der diverse Handys wild durcheinander flogen. Das war mir zu doof und ich bin wieder gegangen, da fehlte nämlich vorher auch die Info, dass man keine Handys mit rein nehmen darf.

Liebe Grüße
Julia

Ahoi!
Ich hatte letztens ein ähnliches Problem. Bei der Taschendurchsuchung wurde meine Wasserflasche beschlagnahmt, und zu meiner Spiegelreflex hieß es “Die ist eigentlich auch nicht erwünscht.” Ich erwiderte dann, wenn die Jungs glauben, ich würde ihnen meine Kamera überlassen und zu der Flaschensammlung stellen, hätten sie sich geschnitten. Es stand nirgends etwas von einem Kameraverbot und auch wenn meine Spiegelreflex ziemlich gut ist, die Kameras von Smartphones der letzten zwei Jahre sind oft besser als manche “echte” Kamera.
Sie haben sie mir nicht abgenommen (es hätte auch keine Garderobe gegeben), aber ich habe mich auch gefragt, was das ganze soll…

Ich hoffe, die Lesung war ansonsten toll :)

Ich bin gerade fassungslos. Da fährt eine Bloggerin, also eine “Influencerin”, wie das heute so schön neudeutsch heißt, zu einer Lesung, um darüber zu berichten, zu schreiben und natürlich auch, um ihre Leserschaft mit schönen, bewegenden Bildern einer tollen Lesung zu bedienen… und dann? Diejenigen, denen man hier kostenfrei Werbung bieten möchten, verweigern sich. Hallo…? Was haben denn wohl diese Herren geraucht? Also Jungs: Marketingvorlesung, erste Stunde: Wenn dir jemand kostenfrei Werbung anbietet, piesel ihm/ihr nicht ans Bein.
Im Ernst: Wenn ich bei einer meiner Lesungen jemand mit prof. Ausrüstung sehe, gehe ich freundlich auf ihn/sie zu, mache brav Small-Talk und frage, was sie/er braucht, um optimal berichten zu können. Die Leute kommen wegen mir, um über mich zu berichten. Und ich verärgere sie? Das ist unhöflich, dumm und unprofessionell. Besonders dann, wenn man nicht erkennt, wen man vor sich hat. #EpicFail

Liebe Gabi,
Ich kann deine Fassungslosigkeit gut verstehen! Davon abgesehen, dass mittlerweile jeder 2te oder 3te eine der früher so elitären Spiegelreflexkameras besitzt. (Vielleicht sollte ich meine mal wieder benutzen) hast du völlig recht dich, auf gut Deutsch: Verarscht zu fühlen!
Ein generells Verbot wäre zu verstehen gewesen, doch diese Selektion ist unter aller Sau!

Liebe Grüße
Kani

Hallo Gabi,

Das ist ja mal eine Frechheit. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Kann ich total verstehen, dass du dann nicht darüber schreiben willst.
Sowas ist mir zum Glück noch nicht passiert.

Liebe Grüße
Ramona

Das ist echt frech, ich kann deine Reaktion da völlig nachvollziehen und würde nicht auch noch Werbung dafür machen, wenn dir nicht mal ein Foto erlaubt war. Zumal zwischen Smartphone Kameras und “richtigen” teilweise wirklich nicht mehr viele Unterschiede bestehen und niemand wird die Auflösung seines Handys verraten müssen um es als professionell oder nicht-professionell einstufen zu lassen.
Völlig verständlich!

Absolut, darüber kann man nur den Kopf schütteln! Ich frage mich, wovor die eigentlich solche Angst haben? Was sollte passieren, außer dass du einen genialen Berich mit schönen Bilder dazu schreibst und tolle Werbung machst? Einfach unglaublich, insbesondere, da sie im Vorfeld nichts über so ein Verbot gesagt haben.

Viel Glück für die nächste Lesung! Ich freue mich auf den Bericht!

GlG vom monerl

Gabi, dein Beitrag liest sich wirklich wie ein schlechter Scherz. Mir fällt kaum etwas ein, was ich darüber sagen soll. Ich kann es absolut nachvollziehen, dass du diesen Veranstalter nicht noch ein Gesicht gibst. Schade um eine Lesung hier auf dem Blog, aber ich würde ähnlich bockig reagieren.

Liebe Grüße

Nisnis

Dann kann ich es mir ja sparen, eine “richtige” Kamera zu kaufen und weiterhin verwackelte Bilder mit meinem ollen Smartphone machen… :-)
Mal ehrlich – geht gar nicht, die Lesung, und Du hast das genau richtig gemacht. Ich würde mir in dem Fall auch den Beitrag sparen und meinem Ärger Luft machen.
LG, Christina