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Lesungen

[Lesung] Simon Beckett stellte beim Krimifestival München am 20. März 2019 “Die ewigen Toten” vor

 

Zur Neuerscheinung des 6. Buches mit dem forensischen Anthropologen David Hunter war der Autor Simon Beckett auch in München zu einer Lesung und ich saß im Publikum.

Der Hörsaal des Klinikums rechts der Isar hatte überhaupt nichts mit dem Schauplatz von “Die ewigen Toten” gemeinsam, denn der moderne, freundliche Hörsaal bot zwar gute Sicht von allen Plätzen, aber alles andere als die verstaubte, gruselige Atmosphäre des verlassenen St. Jude Krankenhauses aus Simon Becketts neuestem Roman.

Nach einer kurzen Begrüßung der Veranstalterin Sabine Thomas betraten die Hauptakteure die Bühne.

(Hans Jürgen Stockerl – Simon Beckett – Günter Keil)

Günter Keil moderierte den Abend, stellte Simon Beckett jede Menge gute Fragen und übersetzte die Antworten für die Zuschauer. Der Schauspieler Hans Jürgen Stockerl las zwischendurch einige Passagen aus der deutschen Übersetzung von “Die ewigen Toten” und überzeugte mit sonorer Stimme und gekonnter Vertonung.

Die Hauptperson des Abends war natürlich der Autor Simon Beckett. Ein freundlicher, eher ruhiger Mann, der den Prolog des aktuellen Buches auf Englisch las und dann geduldig und manchmal mit Augenzwinkern die Fragen von Günter Keil beantwortete.

Eigentlich hatte ich immer angenommen, dass David Hunter seinen Namen als Anspielung auf seine Tätigkeit als “Verbrecherjäger” bekommen hat. Doch Simon Beckett meinte, dass es tatsächlich gar keine Anspielung sein sollte. Ihm habe einfach der Name David Hunter gut gefallen. Tja, so einfach kann es manchmal sein ;-) Er habe auch eine Vorstellung, wie Hunter aussieht, aber er beschreibt ihn absichtlich nicht so detailliert in seinen Büchern, denn jede/r Leser/in solle sich eine eigene Vorstellung von ihm machen. Deswegen verriet uns Simon Beckett auch seine eigene Vorstellung von David Hunters Aussehen nicht. Ich selbst finde, dass Simon Beckett und David Hunter im Auftreten viele Ähnlichkeiten haben und deshalb habe ich den Forensiker in meiner Vorstellung auch optisch immer weiter an den Autor angepasst.

In Simon Becketts Büchern spielt das Setting immer eine große Rolle. Ob das nun eine nebelige Moorlandschaft, eine einsame Insel oder die Backwaters sind, er schafft es immer, eine besondere Atmosphäre zu kreieren. Und weil er “Die ewigen Toten” in der Stadt spielen lassen wollte, kam er auf das abrissreife Krankenhaus St. Jude als passende Kulisse. Es existiert zwar nicht tatsächlich, ist aber an das eine oder andere verlassene Gebäude in seiner Heimatstadt Sheffield angelehnt, das dort heruntergekommene Gruselstimmung verbreitet.

David Hunter muss sich mit einem nervigen jungen Kollegen herumplagen und Simon Beckett erzählte, dass er es interessant fand, seinem Helden einen jungen Konkurrenten zu verpassen. Schließlich ist Hunter zwar ein anerkannter Experte, doch die nächste Generation steht schon in den Startlöchern und Hunter darf seinen Status nicht als gegeben hinnehmen, sondern muss sich damit auseinandersetzen, dass die Konkurrenz nicht schläft. Außerdem mag es Simon Beckett, seinen Helden ein bisschen zu ärgern und es ihm in seinen Büchern nicht zu leicht zu machen. Das würde ihm beim Schreiben besonders viel Spaß machen und er hofft, dass das auch bei den Lesern gut ankommt (bei mir schon!).

Wie in allen Hunter-Büchern geht es auch in “Die ewigen Toten” um Verwesung, eine (diesmal mumifizierte) Leiche und Fliegen und Maden, an denen man einiges über Zeitpunkt und Art der Todesumstände ablesen kann. Inzwischen muss Simon Beckett dazu nicht unbedingt so viel neu recherchieren, weil er sich schon im 6. Buch mit diesem Themenfeld beschäftigt. Natürlich holt er sich immer wieder neu Rat und Fachwissen bei Experten, so dass die Verwesungsprozesse und Verfahren im Rahmen der Leichenschau, die im Buch geschildert werden, alle stimmen.

Zum Schreibprozess erzählte Simon Beckett, dass er ausschließlich zuhause an seinem Schreibtisch seine Bücher verfassen würde und so keine besonderen Erinnerungen an den Entstehungsprozess bestimmter Szenen vorhanden wären. Allerdings hätte er an humorvollen oder überraschenden Ereignissen extra viel Spaß beim Schreiben.

Als er in einem kleinen Schwenk zur Tagespolitik nach dem Thema Brexit gefragt wurde, schlug er nur die Hände vor’s Gesicht und wollte nicht antworten. Das Gelächter aus dem Publikum sagte aber schon genug, man hatte ihn auch so verstanden :-)

Mit einer langen Schlange am Signiertisch und einem fleißig schreibenden Simon Beckett ging der interessante Abend für die ca. 400 Zuhörer im ausverkauften Hörsaal zu Ende. Wer mehr (und bessere) Fotos von der Veranstaltung sehen möchte, dem empfehle ich einen *klick hier*, der zur Facebookseite der Veranstaltung auf dem Account des Krimifestival München führt.

Zu meiner Rezension von “Die ewigen Toten” geht’s hier entlang.

Und auch “Die Rezensentin” hat einen Lesungsbericht zur “Schwesterveranstaltung” drei Tage später bei der LitCologne geschrieben und tolle Fotos gemacht.

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5 Comment authors
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Ein sehr schöner Bericht! So ähnlich war es bei uns in Köln auch. Simon Beckett ist wirklich sehr nett.

Vielen Dank für den schönen Lesungs-Bericht! Ich stelle mir David Hunter übrigens auch wie Simon Beckett vor – zumindest optisch. XD Ob das in Sinn des Autors ist?

Liebe Grüße
Nicole

Oh Gabi, ich liebe deine Lesungsberichte! Und in einem Klinikum? Wie genial passend!

Hihi, “der Name gefiel”, Punkt – so finden die Protas halt auch zur ihrer Identität. Nachdem du geschrieben hattest, der Autor sei lustig aber eher zurückhaltend, musste ich auch direkt an seinen Prota denken (= Wie Beckett die Forensik beschreibt ist wundervoll, man benötigt kein Fachwissen und langweilt sich an keiner Stelle.

Hab lieben Dank das du mich an deinem Abend hast teilhaben lassen!

Hallo Gabi,

ich habe Simon Beckett auf schon bei einer Lesung erlebt und war sehr angetan. Ich finde ihn total sympathisch und unterhaltsam.

Ich muss sehr schmunzeln, dass dein David Hunter Simon Beckett ähnlich sieht. Bei mir ist das nämlich auch der Fall, besonders was die kleinen Haare angeht. Mein ehemaliger Deutschlehrer hatte auch diese Frisur und hat die immer als kleine Haare bezeichnet.

Spannend, dass es diesmal einen jungen Kollegen gibt. Ich habe das Buch leider noch nicht gelesen, da ich auf das Taschenbuch warte.

Danke für den tollen Bericht :)
Liebe Grüße
Julia