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Welch schöne Tiere wir sind von Lawrence Osborne

Darum geht's:

Naomi verbringt wieder mal den Sommer im Haus ihres Vaters auf der griechischen Insel Hydra. Sie freundet sich mit der etwas jüngeren Samantha an und durchstreift mit ihr die Insel. Als sie einen verwahrlosten Mann schlafend am Strand finden, beschließe sie, dem syrischen Flüchtling zu helfen. Und Naomi hat einen genialen Plan.

So fand ich's:

Es gibt Bücher, da weiß ich während des Lesens schon, was ich über sie erzählen will. Und es gibt Bücher, bei denen fällt es mir schwer, in Worte zu fassen, wie sie auf mich wirkten, was sie ausmacht, und manchmal sogar, ob sie mir gefallen haben oder nicht. Und so ein Buch habe ich hier wieder mal vor mir.

Schauplatz ist die griechische Insel Hydra. Sommerliche Hitze, dekadente Faulenzerei der Reichen, eine abgeschiedene Insel, auf der die englischsprachigen Urlauber unter sich sind, die eigene Häuser dort besitzen und die Sommer auf der Insel verbringen. Die Atmosphäre, die einsame wilde Landschaft, die einheimischen Griechen und die reichen Briten / Amerikaner, die aufeinander treffen und doch jeder in seiner eigenen Community bleiben - der Schauplatz steht einem deutlich vor dem inneren Auge.

Hier ist auch Naomi seit vielen Jahren in den Sommern zuhause, spricht Griechisch, kennt das Hausmädchen fast besser als Vater und Stiefmutter und langweilt sich durch den Sommer. Obwohl Naomi zeitlebens vom Reichtum ihres Vaters profitiert hat, gibt es zwischen ihnen kein herzliches Verhältnis. Naomi stört sich an der Stiefmutter und dem immensen Reichtum ihres Vaters. Ähnlich geht es der etwas jüngeren Samantha, einer US-Amerikanerin, die ebenfalls mit ihrer Familie auf Hydra den Sommer verbringt. Die jungen Frauen freunden sich an, Naomi gibt die Richtung an und Samantha folgt der neuen Freundin, die bestimmt und den Ton angibt.

Als Naomi und Samantha einen verwahrlosten Mann schlafend am Strand entdecken, beschließen die beiden, dem syrischen Flüchtling Faoud zu helfen. Er soll in die Villa von Naomis Eltern einbrechen, Naomi würde schon dafür sorgen, dass alles reibungslos laufe. Es wäre sowieso alles versichert, niemand käme zu Schaden und Faoud bekäme genug Geld und Wertgegenstände zusammen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Doch der Plan geht nicht auf und es läuft schief.

Naomi ist verwöhnt, gelangweilt, manipulativ und eine erstklassige Lügnerin. Besonders sympathisch wirkte sie nicht auf mich, denn was auch immer sie antreibt, sie kann ihre Gefühlskälte und den Eigennutz vor den LeserInnen nicht verbergen. Was in ihrem Inneren vorgeht, wird oft nur angedeutet oder bleibt ganz im Dunkeln und manchmal drängt sich der Verdacht auf, dass da bei ihr wirklich nicht mehr Emotionen zu finden sind.

Es ist nicht klar, wer hier wen ausnutzt. Aus Langeweile, aus Verzweiflung, aus Rachsucht - jeder hat seine eigenen Motive und mehr als eine Person kocht hinter der glatten, gefälligen Oberfläche hier sein eigenes Süppchen.

"Welch schöne Tiere wir sind" ist eine psychologische Charakterstudie, in der das Schicksal Regie führt, die nicht gerade vor Action und Spannung strotzt, aber deren düsterer Sog und der Blick auf menschliche Abgründe einen doch faszinieren und in der Story halten. Das gekonnte Spiel mit der Sprache passt zu einem trägen Sommer im Süden, die Geschichte wird sehr atmosphärisch erzählt, schleicht durch die heißen Nachmittage dahin und fängt einen erst langsam ein.

Das Buch ist manchmal sperrig, die Figuren sind eigen, interessant, aber nicht unbedingt die großen Sympathieträger. Mir hat es sehr gefallen, dass die Geschichte abseits vom Mainstream nah am Leben bleibt und nicht zurückschreckt vor den beschämenden und allzu menschlichen Abgründen, in die man hier blickt.

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch:
(wird ergänzt)

 


Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar

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Titel: Welch schöne Tiere wir sind
Original-Titel:
Beautiful Animals
Autor/in: Lawrence Osborne
Übersetzer/in:
Stephan Kleiner
ISBN / ASIN:
978-3-492-05926-8
Sprache:
Deutsch
Genre: Roman
Verlag:
Piper
Erscheinungsjahr:
2019
Medium:
Hardcover
Seitenzahl: 336
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

 

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5 Comment authors
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Liebe Gabi,
Das Buch habe ich ja auch schon in meinem Neuerscheinungsbeitrag erwähnt. Der Klappentext hat mich irgendwie gleich angesprochen. Die Geschichte klingt interessant, finde ich. Und was du schreibst, macht mich noch neugieriger. Mit Protagonisten, die keine Sympathieträger sind, habe ich ja manchmal so meine Schwierigkeiten, aber es kann eben auch sehr interessant sein. Und “psychologische Charakterstudie” klingt ja eigentlich total nach was für mich! Das Buch wandert auf der Wunschliste auf jeden Fall ein paar Plätze nach oben.
Liebste Grüße, Julia

Liebe Gabi,
toll, dass du das Buch so mochtest! Auch mich hatte damals die Buchvorstellung total angesprochen und nun liegt es neben mir zum Lesen bereit. Wahrscheinlich werde ich aber erst nächsten Monat dazu komme es zu lesen. Ich freue mich schon auf die sperrigen Figuren, die deiner Meinung nach dennoch eine besondere Leselektüre ausmachen.
GlG, monerl

Oh Gabi, da hast du aber etwas besonderes aufgetan und mich ja direkt begeistert mit deinen Worten. Alleine der Titel ist ja schon mega und ich ahne so ein klitzekleines bisschen auf was es in der Geschichte hinausläuft und das macht mich noch neugieriger. Direkt auf die Wunschliste, aber ganz weit nach oben. Du hast das so toll beschrieben ohne zu spoilern, finde ich genial. Zudem mag ich diese Art Charaktere. Liebe und nette nerven mich oft, ich will eher die Abgründe lesen und dabei muss es nicht mal brutal sein. Das hier scheint eine fiese und gemeine Geschichte zu sein. Danke für diese tolle Vorstellung
Liebe Grüße
Kerstin

Huhu (=

Also dafür, dass dir Worte fehlen, hast du eine wundervolle Rezension geschrieben! Psychologische Charakterstudie – die Bezeichnung zuckert mich an! Wobei ich von der Beschreibung an sich, eher das Gefühl habe, das die Geschichte nicht gänzlich etwas für mich ist. So schwer es dir fällt, das Gelesene in Begeisterung oder “Enttäuschung” (um mal im Extremen zu besprechen, um zu verdeutlichen was ich meine) einzuteilen, ebenso schwer fällte s mir zu sagen, ob es mich reizt oder nicht …

Ich steh ja nicht so drauf, Menschen auf dem Cover zu sehen, aber wie auch bei “The Girls” von Emma Cline, finde ich es hier passend und optisch ansprechend!

Mukkelige Grüße!