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Alles außer Bücher, Kino

[Alles außer Bücher] Kino ~ Star Wars Die letzten Jedi – Episode VIII

Eckdaten:

Titel: Star Wars: Die letzten Jedi (Original: Star Wars: The Last Jedi)
Erscheinungsjahr: 2017
Land: USA
Regie: Rian Johnson
Länge: 152 Minuten

Trailer: Youtube

Gute Unterhaltung …

Als ich mit einem guten Gefühl aus dem Kino gekommen bin, war meine erste Reaktion: Ja, das war prima Unterhaltung. Kämpfe im Weltraum, Kämpfe mit dem Laserschwert, ein bisschen Jedi-Philosophie, spannende Action, exotische Alien-Wesen, ein bisschen Wortwitz und Humor, altbekannte, aber auch ein paar neue Figuren und der ewige Kampf Gut gegen Böse, natürlich zuerst und am wichtigsten in der Skywalker/Vader-Familie. Alles da.

… mit Einschränkungen

Doch je länger ich über diesen Film nachgedacht habe, desto mehr Dinge entdeckte ich, die mir nicht ganz so gut gefallen haben.

Genau besehen gab es eigentlich kaum eine echte Handlung.

Luke Skywalker kommt unterm Strich nicht wirklich gut weg bei der ganzen Geschichte. Ich hatte das Gefühl, sein eigener Mythos war zehn Mal besser als die Wirklichkeit und der verängstigte, verbitterte alte Mann hat sich selbst demontiert.

Der Handlungsstrang „wir müssen das Dingens auf dem Schiff der ersten Ordnung ausschalten, um den Widerstands-Leuten die ungesehene Flucht zu ermöglichen“ ist in mehreren Komponenten ziemlich blöd im Sand verlaufen. (Spoiler: Der Super-Codeknacker? Der windige Ersatzmann? Wo kamen die her, wo sind die hin und vor allen Dingen – wieso? Der tolle Plan überhaupt, das Dingens zu zerstören, endet sang- und klanglos vor der Tür? Der Superpilot Poe, der das Rebellen-Schiff auf der Flucht in den Hyperraum steuern soll und sich stattdessen auf sinnlose Streitgespräche mit seiner Kommandantin einlässt? Wusste der schon, dass der Plan nicht funktionieren wird und hat sich gar nicht ernsthaft bemüht, ans Steuer zu kommen? Und wieso wurde der eigentliche Plan B dem übereifrigen Piloten Poe vorenthalten und er hat es auch nicht erahnen können, obwohl er immerhin vor Ort war, aber der windige Ersatz-Codeknacker wusste davon und konnte das den Bösewichten verraten?)

Und wenn man das Szenario mal in einem etwas größeren Zusammenhang ansieht, scheint mir die Philosophie, dass sich Gut und Böse immer wieder ausbalancieren (müssen) auch nicht ganz aufzugehen. Das Gute kommt nur noch vor in Form einiger weniger Widerstands-Kämpfer, die trotz eindringlicher Hilferufe keine Unterstützung bekommen. Jedi gibt es so gut wie nicht mehr, nur noch als Legende, die viele schon gar nicht mehr für wahr halten, oder perspektivisch als Hoffnung für die Zukunft angedeutet. Wo ist denn das Gute, das die Übermacht der ersten Ordnung tatsächlich ausbalanciert? Das Ungleichgewicht scheint mir bei diesem Stand der Dinge im Moment wirklich extrem zu sein.

Was überwiegt?

Nun muss man sich aber auch überlegen, mit welchen Erwartungen man in so einen Film geht. Rechne ich mit einer raffinierten, komplexen Handlung? Nein. Wenn man genau hinsieht, kann man die Handlung aller Star Wars Filme gut in drei bis vier Sätzen zusammenfassen. Ich will bombastische Bilder, Weltraumabenteuer, eine märchenhafte Heldensaga und exotische Wesen sehen. Gehe ich davon aus, dass alles bis ins letzte Detail aufgeklärt und die Hintergründe beleuchtet werden? Auch nicht, denn das würde das Wesen dieses Films und dieser Reihe verändern, die sehr wohl auf Action und tolle Trick-Szenen ausgelegt ist. Außerdem ist die Gesamtgeschichte ja noch nicht zu Ende erzählt. Insofern ist alles gut, denn ich habe bekommen, was ich erwartet habe und wurde damit prima unterhalten.

Sehr gut hat mir die Komponente gefallen, wie Rey und vielleicht-oder-doch-nicht-ganz Bösewicht Kylo Ren miteinander verbunden waren und diese Verbindung auch optisch durch eine Art Fern-Dialoge umgesetzt wurden.

Die Figur Kylo Renn fand ich überhaupt sehr gelungen, denn in seiner Person ist der Kampf Gut gegen Böse und die Zerrissenheit, die den fruchtbaren Boden für das Böse bildet, sehr gut dargestellt. Diese Hoffnung, dass er doch noch nicht komplett ans Böse verloren ist, der Beweis des Gegenteils, neue Hoffnung usw.

Was mir tatsächlich fehlte, ist die Jedi-Philosophie, denn Luke will sie eigentlich mit sich selbst sterben lassen und gibt sie auch gar nicht an Rey weiter. Die Jedi legten viel Wert auf Ausbildung, Tradition und eben die Philosophie, die ähnlich wie bei einer fernöstlichen Kampfkunst hinter ihrer langjährigen Lehrzeit steckt. Ist das alles inzwischen unwiederbringlich fort und Geschichte? Rey hat einen gefühlten 5-Minuten-Schnellkurs erhalten, der niemals eine vollwertige Ausbildung ersetzen kann, auch wenn Rey noch so viel Macht in sich hat. Oder? Ich hoffe, das wird dann die nächste Episode IX wieder mehr beleuchten.

Mein persönliches Kinoerlebnis:

Ich habe mir den Film in 3D angesehen, was ganz nett als zusätzliches optisches Erlebnis war. Im Kinosaal gab es “Dolby Atmos” Sound, was wohl die Betreiber dazu animiert hat, den Ton auf maximale Lautstärke zu drehen. Das tat dann manchmal schon in den Ohren weh. Da wäre weniger ganz sicher mehr gewesen und hat mich besonders bei den Lautstärkeunterschieden von Dialog zu Weltraumkampf gestört.

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Als der erste Film raus kam, war ich knackige 83 Jahre alt. Nun sind 40 Jahre vergangen. Und ich war enttäuscht. Als Prinzessin Leia von der Toten auferstanden und durch den Weltraum geflogen ist, war das gesamte Star Wars feeling an meinem alten Arsch. Der ganze Film hat sich angefühlt wie ein lieblos hingeklatschter weiterer Marvel oder Star Trek Film. Buh

Mir ging es ähnlich wie dir. Ich bin ja ein riesiger Star Wars Fan und musste diesen Film ganz unabhängig vom Inhalt gucken. Die Effekte und alles waren cool und wie du schon sagtest: Man kam aus dem Kinosaal raus und dachte “Geil!”.
Aber auf den zweiten Blick war vieles nicht wirklich sinnvoll in meinen Augen: Der Kampf zwischen Rey und Kylo war geil, aber dass ‘nur’ der Chef von den Bösewichten starb, war sinnlos, es hätte ein Finale geben müssen oder der Kampf auf die nächste Episode verschoben werden müssen. Auch dass Kylo dann die Führung übernahm und der General eigentlich überflüssig war, finde ich nicht gut genug durchdacht. Und Luke… war mir als aufmüpfiger Jugendlicher lieber, als das was aus ihm geworden ist. Und Leia hätte definitiv sterben müssen, nicht weil sie nicht super ist, sonder weil es das logischste gewesen wäre.
Vieles hat mich auch einfach an Episode V erinnert: der Planet sah original aus wie das Hoth-System, egal wie viel roter Sand unter dem Schnee war. Es ist in meinen Augen also gar nicht vergleichbar mit den anderen Filmen, Episode VII fand ich noch cool, aber dieser ist leider schwächer. Ich hoffe in der nächsten Episode kriegen die Regisseure die Kurve, ansonsten wird das wohl eines der schlechtesten Star Wars Filme werden, was sehr schade wäre. Denn SW ist einfach ein Klassiker den man durch immer neue Episoden nicht ruinieren sollte, meiner Meinung nach.

Puuuh das war jetzt einiges an Kritik, aber verglichen mit den anderen Episoden, ist dieser hier leider weniger gut weggekommen, aber mal sehen, vielleicht wird das ja noch ;)

LG, Ümi