Buchiges

[Don’t Read in the Closet] Chasing Death Metal Dreams von Kaje Harper (englisch) – Love is an Open Road

Darum geht’s:

Tagsüber sitzt Carlos am Empfang beim Zahnarzt, in seiner Freizeit träumt er davon, mit seiner Metal-Musik Erfolg zu haben. Dass er als Mädchen zur Welt kam behält er genauso für sich wie die Tatsache, dass er auf Männer steht, denn wenn das herauskommt, ist er in der intoleranten Metal-Szene erledigt.

Nate hat sofort das Gefühl, dass der taffe Kerl an ihm interessiert sein könnte. Und obwohl er sich nicht mit Musikern einlassen will, wird er bei Carlos doch schwach.

So fand ich’s:

Kaje Harper ist immer eine sichere Bank, wenn es um gut strukturierte, emotional packende und realistisch erzählte Geschichten mit authentischen Charakteren geht. Und sie enttäuscht auch diesmal wieder nicht.

Als Leser ist man ganz bei Carlos, der als Beatriz in eine katholische Familie aus Mexiko hinein geboren wurde, aber schon als Kind sehr genau weiß, dass er ein Junge ist, der selbstverständlich keine rosa Kleidchen und Schleifchen im Haar möchte. Bis zu seinem Erwachsenenleben als männlicher US-Bürger mit solidem Beruf und einem vielversprechenden musikalischen Talent ist es ein langer Weg, der seine Spuren hinterlassen hat.

Nate hat einen leichteren Start, denn seine Familie ist liberal und tolerant und steht hinter ihm. Sein Männergeschmack scheint aber ein wenig zweifelhaft, denn er schafft es immer, enttäuscht, belogen und betrogen zu werden und so hat auch er sein Päckchen an schlechten Erfahrungen zu tragen.

Durch Nates Bruder Eli, der ebenfalls mit einer Metal-Band Erfolg haben will, bewegen sich sowohl Nate als auch Carlos in der Metal-Szene. Der Kampf, um vom unbekannten Hobbymusiker in eine professionelle Liga aufzusteigen, der Traum, seine eigenen Lieder einem großem Publikum vorstellen zu dürfen und sein Talent zu nutzen, um davon zu leben, ist ständig präsent und prägt sowohl Carlos als auch den Maler und Zeichner Nate. So konzentrieren wir uns nicht nur auf die beiden und ihr Kennenlernen, sondern verfolgen auch noch ihr Künstlerleben mit all seinen Höhen und Tiefen.

Ich hatte das Gefühl, dass sich Kaje Harper sowohl mit dem Thema Transsexualität als auch mit der Musikszene eingehend beschäftigt hat und zwischen spannender und berührender Erzählung auch ein paar grundlegend wichtige Informationen transportiert.

Diese mit 265 Seiten für eine „Love is an open Road“-Geschichte überdurchschnittlich lange, aber in jeder Zeile fesselnde Geschichte schafft es, emotional, aber nicht melodramatisch zu sein, das Leben in seiner Tiefe und seiner Leichtigkeit zu zeigen und einem ein paar Menschen näherzubringen, die ganz normal und doch einzigartig sind.

Was ist Don’t Read in the Closet?

Die Gruppe „M/M Romance“ auf der Bücherseite „Goodreads“ hat von 2011 bis 2015 jedes Jahr im Frühling das „Don’t Read in the Closet“-Event veranstaltet. Dabei wurden die Gruppenmitglieder dazu aufgerufen, Fotos und inhaltliche Vorgaben einzureichen, anhand derer professionelle oder Hobbyautoren eine Geschichte verfassen, die sich rund um homosexuelle Liebe oder Erotik dreht. Herausgekommen sind viele Erzählungen, die nach und nach bei Goodreads veröffentlicht und mit kurzer Zeitverzögerung zum kostenlosen Download für jeden freigegeben worden sind.

2011: Hot Summer Days
2012: Love Os Always Write
2013: Love Has No Boundaries
2014: Love’s Landscapes
2015: Love is an Open Road

Die Vorgabe:

STORY LETTER:
Dear Author,

I was sent to the US at the age of 10 by my father who could not accept me. You see I was misgendered at birth and I started fighting against my body at a young age. My father sent me to live with my cousin’s family along with enough money to pay my way for a few years. Little does he know he helped to fund the many surgeries and hormones to fulfill my dream of having my outside gender match the gender my brain has always known myself to be.

What do you think Author? Not many know of his secret. He is a gay man. Is he in a gang? Is he in a band? How will he find love? How will he be accepted?

Thank you!!

Sincerely,

Melissa

STORY INFO:
Genre: contemporary
Tags: musicians/rock stars, visual arts, in the closet, F2M transgender, family, men with pets, tattoos
Word Count: 93,309

Mehr dazu:

Die Story bei Goodreads (mit dem Foto, das zu dieser Geschichte inspirierte)

Hier geht’s zum Download dieser Geschichte als ePUB, MOBI und PDF für Leute, die nicht bei der Goodreads “M/M Romance Gruppe” angemeldet sind.

Im PDF-Format ist das Dokument 265 Seiten lang.

Mehr zu Transsexualität / Transidentität gibt es hier auf meiner Themenseite.

5 Comments

  1. Shauna 02/05/2017 14:18

    Hey Gabi!
    Im Moment scheinst du ja auf Transgender Stories zu stehen? Da solltest du auch unbedingt What it looks like von Matthew J. Metzger lesen. Das Buch mochte ich unheimlich gerne, obwohl die Charaktere alles andere als umgänglich waren. Auf Gefluche und heftige Ausdrucksweise musst du dich dann allerdings einstellen. 😉
    Ein bisschen BDSM ist aber auch mit dabei. Das liest du ja sonst eher nicht so, oder?
    Probier’s einfach mal aus. Wenn du KU hast kannst du es ja umsonst leihen.

    Shauna

    • Laberladen 02/05/2017 21:47

      Oh Danke für den Lesetipp! Über den Namen Matthew Metzger bin ich schon gestolpert, aber gelesen habe ich von ihm noch nichts. Das Buch kommt gleich mit auf die Leseliste, auch wenn ich kein KU habe.

      Ja, ich sammele im Augenblick interessante Bücher zum Thema transgender und freue mich auch über Empfehlungen. Eigentlich würde ich auch gerne mehr über genderfluid oder Asexualität lesen, aber im deutschsprachigen Bereich scheint es da nicht viel zu geben und auf englisch nur wenig mehr. Schade eigentlich.
      Was BDSM angeht, lese ich im Augenblick weniger davon, aber es gab auch mal eine Zeit, da bin ich alle 5 Minuten über Stories gestolpert, in denen das vorkam. Nicht meine persönliche Spielwiese, aber es macht mir auch nichts aus, wenn es in Bücherb vorkommt.

      LG Gabi

  2. Shauna 03/05/2017 15:25

    Matthew J. Metzger hat auch noch Spy Stuff geschrieben, was größtenteils auch gute Rezis bekommen hat. Es ist allerdings ein Young Adult Buch. Selber habe ich es noch nicht gelesen, aber das passiert demnächst bestimmt noch.
    Metzger ist ja selber trans und das merkt man auch, finde ich. Das Thema kommt bei ihm jedenfalls sehr authentisch rüber.

    Zu den deutschen Büchern kann ich nicht so viel sagen, da ich eh so gut wie nur auf Englisch lese.

    Über Asexualität im allgemeinen und Reviews von Büchern mit Ace-Charakteren kannst du viel auf dem Blog justlovereviews.com lesen. Mir haben sich durch diesen Blog echt die Augen geöffnet.
    El, eine der Betreiberinnen des Blogs ist auch ace und schreibt als Elyse Springer Bücher mit queeren Themen.

    Wo man wirklich viel dazu findet, ist Fanfiction. Ich weiß nicht, ob das dein „Cup of Tea“ ist, aber da gibt es ein paar sehr gute Geschichten. Gerade weil manche Buch- oder Filmcharaktere ziemlich offensichtlich ace sind (Bilbo, Sherlock).

    BDSM finde ich in letzter Zeit leider sehr ausgelutscht. Jeder meint, er muss zu diesem Thema auch ein Buch schreiben, vergisst dabei aber das Recherchieren. Was ich da kürzlich an Quatsch gelesen habe…

    Gut dass es die Buchblogger gibt. Da wurde ich schon so manches Mal von Fehlkäufen abgehalten 🙂

    Shauna

    • Laberladen 03/05/2017 20:01

      Danke für Deine ausführliche Antwort und die Tipps. Die schaue ich mir gerne an, auch den Blog.
      Ich bin auf Fictionpress schon auf englische Geschichten gestoßen, die sich etwas weiter vom Mainstream entfernen und zwar mit Rechtschreib- und Tippfehlern gespickt sind, aber trotzdem gut geschrieben. Da stöbere ich schon mal nach trans, genderfluid oder ace Geschichten. Auf dem deutschsprachigen Buchmarkt scheint sich jetzt langsam ein Interesse bzw. Bewusstsein für diese Thematik zu entwickeln und ich hoffe, ich kann im Laufe der Zeit eine schöne Sammlung von Buchtipps anlegen. Im Moment lese ich ja „George“ von Alex Gino, ein Kinderbuch aus der Sicht eines Trans-Mädchens, das ich kind/jugendgerecht und sehr empfehlenswert finde.

      LG Gabi

  3. Shauna 04/05/2017 14:20

    Ich kann dir da AO3 als Fanfictionportal empfehlen. Da kann man die meisten Geschichten auch unangemeldet lesen. Die gesperrten sind dann oft RPF (Real Person Fiction) z. B. über YouTuber oder Sportler.
    Wenn man nach verschiedenen Tags (asexual relationship, ace character o.Ä) sucht und dann nach Kudos sortiert, wird man da schon fündig.

    Shauna

Ich freue mich über Kommentare:

%d Bloggern gefällt das: