Buchiges

Schwarz von Stephen King – Der Dunkle Turm #1

Darum geht’s:

„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ Dieser berühmte erste Satz fasst tatsächlich schon ganz gut zusammen, worum es in diesem Buch geht. Roland ist der letzte Revolvermann, der durch eine unwirtliche Endzeit-Landschaft den Mann in Schwarz verfolgt. Während seiner Reise trifft er auf verschiedene Menschen, bei denen er einige Zeit verbringt und der Junge Jake, der ihn eine Weile begleitet, wächst Roland ans Herz. Wir erfahren etwas über Rolands Vergangenheit und auch ein bisschen davon, was er mit dem Mann in Schwarz zu tun hat.

Ein Cowboy-Roadmovie der mystischen Art und der Start in das Epos des Dunklen Turmes.

So fand ich’s:

Schon bei der Auswahl des Buches hatte ich etwas mehr zu überlegen, als das normalerweise der Fall ist. Nehme ich die zerfledderte Ausgabe, die ich 1989 / 1990 gelesen habe, nochmal zur Hand, oder doch lieber die überarbeitete Version? Oder versuche ich es mal mit dem englischen Original?

Nachdem ich zwischen allen drei Ausgaben hin und her gewechselt habe und anfangs mit der überarbeiteten Version so meine Probleme hatte, bin ich dann doch bei der deutschen Neuausgabe hängen geblieben. Ich habe einige Änderungen darin bedauert, manche hinzugefügte Anspielungen auf spätere Ereignisse begrüßt, aber je weiter ich gelesen habe, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass die angepasste Version zum großen Ganzen der kompletten Saga passt, und das gab den Ausschlag. Sie hält sich an das, was King selbst angepasst und geändert hat und das Wort des Autors ist das, was ich lesen möchte. Lesern, die sich zum erten Mal mit der Dunkle-Turm-Reihe beschäftigen möchten, empfehle ich also die aktuelle Ausgabe, entweder auf deutsch oder englisch.

Da ich die komplette Reihe schon kenne, habe ich diesen ersten Band vielleicht ein bisschen nostalgisch verklärt mit Fan-Augen gelesen. Die kleinen Anspielungen auf spätere Ereignisse in den Folgebänden hat eine wohlige Vorfreude darauf geweckt. Wer die Reihe zum ersten Mal liest, wird die Anspielungen einfach nicht bemerken und sich dadurch nicht gestört fühlen.

Über Rolands ganzer Welt liegt eine Atmosphäre des Verfalls, sie wird bevölkert von Mutanten und mystischen Wesen. Dass es noch andere Welten gibt, zeigt Jake, denn der Junge wird aus dem 20. Jahrhundert, wie wir es kennen, in Rolands Welt katapultiert. Manche Dinge, die Roland fremd erscheinen, sind für Jake  – und für uns – alltäglich, mit wieder anderen Dingen ist Roland vertraut und Jake findet sie seltsam. Diese Vermischung lässt von einem ganz gewöhnlichen U-Bahnhof bis zu fantastischen Orakelwesen alles möglich erscheinen. Man bekommt keine lange und ausführliche Einführung in diese Welt. Man muss sie sich selbst zusammenreimen und bekommt nur zögerlich Informationen. Das liegt daran, dass auch Roland und Jake nicht viel wissen, sondern auf Gerüchte, Überlieferungen und die eigene Kombinationsgabe angewiesen sind. Nicht einmal auf die Naturgesetze scheint man sich mehr verlassen zu können, denn z. B. die Zeit scheint nicht mehr linear zu laufen. Wir müssen alle miteinander abwarten, wie die Welt sich am  nächsten Tag präsentiert und diese Unsicherheit macht den Schauplatz für Rolands Verfolgungsjagd einmalig.

Wer astreinen Horror a la Stephen King erwartet, dem sei gesagt, dass diese Reihe eher ein Fantasy-Epos ist und kaum Horror-Elemente enthält.

Roland ist ein sehr spannender Charakter. Er scheint ungeheuer zielstrebig zu sein und nicht viele Kompromisse zu machen. Wenn er ein Ziel verfolgt, dann geht er stur und stoisch seinen Weg, was ihn nicht immer und unbedingt sympathisch macht. Ein paar Einblicke in seine Vergangenheit und die Begegnung mit dem aufgeweckten Jungen Jake lassen allerdings erahnen, dass Roland komplizierter ist, als man anfangs denkt.

„Schwarz“ ist im Grunde nicht mehr als eine Einleitung. Eine Episode. Wir haben noch nicht einmal ganz umrissen, wo die Handlung der „Dunkle Turm“-Reihe spielt, wer darin vorkommt, und vielleicht nur ein Gefühl dafür, worum es geht. Stephen King hat das Buch als junger Mann geschrieben und selbst nur grob gewusst, wohin ihn und uns diese Geschichte führen wird. Daran hat auch die Überarbeitung und Glättung nichts Grundsätzliches geändert. Da ich aber weiß, welches üppige Epos uns erwartet, hat „Schwarz“ wieder mein Interesse geweckt an Roland und seiner Reise zum dunklen Turm.

Weiter geht’s mit dem zweiten Band mit dem Titel „Drei“.

Mehr dazu:

Meine Lesenotizen zu „Schwarz“.

Geplauder und Links (auch zum aktuellen gemeinsamen Lesen) zur ganzen Reihe.

KingWiki mit diversen Unter-Seiten erklärt einem auch die Welt des Dunklen Turms.

Die Serie in der richtigen Reihenfolge:

Schwarz
Drei
Tot
Glas
Wolfsmond
Susannah
Der Turm
Wind (spielt zeitlich zwischen Glas und Wolfsmond)

7 Comments

  1. deutschemuslima71 16/06/2017 04:42

    Das ist ja witzig. Da schrieb ich gerade gestern für den TTT, dass dieses Buch eines von denen ist die ich abgebrochen habe. Wenn ich deine Beschreibung lese, denke ich, ich wäre wohl nie damit warm geworden und daher habe ich richtig entschieden.

    • Laberladen 16/06/2017 09:03

      „Schwarz“ bzw. die ganze Dunkle-Turm-Reihe ist sicher nicht jedermanns Sache. Selbst wenn man King-Fan ist, muss sie einen nicht zwangsläufig begeistern, weil sie doch anders ist als die anderen King-Bücher.
      Schade, dass sie Dich nicht packen konnte.
      LG Gabi

  2. -Leselust Bücherblog- 25/06/2017 21:03

    Guten Abend Gabi,
    Wow, das ist ja wirklich ein ganzer Epos. Und die hast du alle schon gelesen? Wahnsinn. Viele sind ja so begeistert von Stephen King, aber da ich weder Horror noch Fantasy so sehr gerne lese, wurde ich noch nicht so richtig warm mit dem Autor.
    Aber diese „nostalgischen Fan- Gefühle“ beim wiederholten Lesen toller Bücher kenne ich natürlich. Das ist so schön! Und ich finde es besonders toll, wenn Autoren dann so kleine Hinweise einbauen, die man erst beim zweiten oder dritten lesen versteht. Man liest das selbe Buch mehrmals, aber es ist trotzdem auch immer ein bisschen ein neues Buch und es gibt jedes Mal Neues zu entdecken. Das ist die wahre Kunst!
    Liebe Grüße, Julia

    • Laberladen 26/06/2017 18:58

      Hallo Julia,
      es ist zwar schon viel Jahre her, dass ich die sieben Bücher der Dunkle-Turm-Reihe gelesen habe, aber ich hab die Geschichte noch gut in Erinnerung. Es ist zwar nicht das Genre, das ich am häufigsten lese, aber ab und zu mache ich doch mal einen Ausflug zu Horror oder Fantasy.

      Und Du hast völlig recht, dass bei einem zweiten oder dritten Lesen nochmal ganz andere Dinge auffallen. Und das ist bei dieser Reihe auf jeden Fall so.

      LG Gabi

  3. Nicoles Bücherwelt 01/07/2017 18:10

    Hallo Gabi,

    ich habe vor einigen Jahren die Saga vom „Dunklen Turm“ mit großer Begeisterung gelesen und kann dir nur zustimmen – „Schwarz“ ist eher eine Einleitung, aber macht schon neugierig auf das was da noch kommt – und das ist ja einiges. Wenn ich deine Rezension so lese, hätte ich tatsächlich nochmal Lust auf einen re-read der Reihe. :).

    Liebe Grüße
    Nicole

    • Laberladen 02/07/2017 11:33

      Liebe Nicole,

      dann mach doch mit beim Re-Read!
      Einen Zeitplan habe ich sowieso nicht, sondern ich schiebe immer ein Buch ein, wenn ich Lust darauf habe.

      LG Gabi

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