Buchiges

Wild Cards: Das Spiel der Spiele, George R. R. Martin

Darum geht’s:

Der nach dem Ende des 2. Weltkrieges verbreitete Wild-Card-Virus verändert die Menschen. Viele sterben. Manche weisen körperliche Mutationen auf, man nennt sie die Joker und inzwischen sind sie überall anzutreffen. Wer Glück hat zieht ein Ass, bekommt besondere Fähigkeiten und kann sich z. B. in einen Wespenschwarm verwandeln, regeneriert sich auch von den schlimmsten Verletzungen innerhalb von Stunden oder teilt sich in immer mehr kleinere Ausgaben von sich selbst. Nun veranstaltet ein US-Fernsehsender eine Castingshow, in der der Beste unter ihnen, der „American Hero“, gefunden und mit einer Million Dollar belohnt werden soll. Doch nicht nur in dieser Fernsehshow, sondern auch an Krisenherden der Welt werden die speziellen Fähigkeiten der Asse gebraucht.

So fand ich’s:

Dieses Buch hat viele Autoren und der Herausgeber George R. R. Martin ist nur einer davon. Doch es ist keine Sammlung von Kurzgeschichten zum gleichen Thema, sondern erzählt eine fortlaufende Geschichte in Kapiteln, die eben von verschiedenen Autoren geschrieben wurden, aber trotzdem ein harmonisches Ganzes ergeben und gut ineinander greifen. Am Ende des Buches gibt es eine Übersicht, der Fantasie welchen Autors die einzelnen Helden entsprungen sind. Dieses Konzept war für mich neu und ich muss sagen, für meinen Geschmack ist dieses Experiment sehr gut gelungen.

Die Kandidaten der Superhelden-Show müssen in Teams verschiedene Aufgaben lösen, wobei sie ihre besonderen Fähigkeiten manchmal einsetzen können, manchmal aber auch nicht, sie müssen sich gegenseitig aus der Show herauswählen oder Allianzen bilden. Und die Kameras sind immer dabei. Das Ganze erinnert an die verschiedenen Shows, die auch üppig im deutschen Fernsehen geboten werden und da ich mich gerade mit „Promi Big Brother“ amüsiert habe, als ich das Buch las, fand ich jede Menge Dinge daraus sehr gut wiedergegeben. Dieses Fernsehformat wird dabei aber nicht verherrlicht, sondern die eine oder andere Maske fällt und man kann darüber schmunzeln oder sich tatsächlich kritisch damit auseinander setzen.

Obwohl es eine Gruppe von Personen gibt, auf die man sich konzentriert, statt durchgehend einem einzelnen Erzähler zu folgen, hatte ich überhaupt keine Probleme damit, die individuellen Perspektiven und Personen auseinander zu halten. Wahrscheinlich war es da sogar von Vorteil, dass mehrere Autoren am Werk waren, die sich auf ihre Figuren konzentrierten. Außerdem hilft es, dass unsere Helden ein buntes Völkchen von teilweise skurrilen Charakteren sind, deren Wettkämpfe und das, was sie hinter den Kulissen treiben, hohen Unterhaltungwert haben.

Doch die schillernde Fassade der Fernsehkulisse und die politischen Ereignisse in Ägypten vermischen sich und so muss jeder der Aktuere entscheiden, welche Art Held er sein will. Aus dem spielerischen Wettkampf wird eine todernste Angelegenheit, was die Spannung nur noch weiter ansteigen lässt und die Truppe von allzu menschlichen „Superhelden“ in einen bombastischen Showdown schickt.

Diese Mischung aus Fantasy, Action und Superheldenstory hat mich von Anfang bis Ende hervorragend unterhalten.

Mehr dazu:

Das Projekt „Wild Cards“ beschäftigt George R. R. Martin schon seit 1987 und es gibt bereits einige Veröffentlichungen aus diesem „shared universe“ mit verschiedenen Autoren. Es ist aber nicht erforderlich, die anderen Bücher zu kennen. Ich bin auch ohne das Vorwissen bestens mit diesem Buch klar gekommen.

Drei weitere Bände der Wild Cards sind nach Verlagsangaben in Planung und Syfy Films, die unter anderem Heureka und Stargate schufen, arbeiten bereits am Drehbuch für die Verfilmung.


Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Verlagsseite

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