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[Hörbuch] NSA – Nationales Sicherheits-Amt von Andreas Eschbach

Darum geht's:

Wenn die Nazis schon Computer zur Verfügung gehabt hätten, wenn es Handys, Diskussionsforen und Online-Bezahlmöglichkeiten für die Bevölkerung schon damals gegeben hätte - was hätten die Nazis daraus gemacht? In dieser Welt lebt die Programmiererin - oh Entschuldigung - die Programmstrickerin Helene, die im Nationalen Sicherheitsamt arbeitet und mit ihren Auswertungen dazu beiträgt, die Bevölkerung zu überwachen. Eine glühende Anhängerin des Regimes ist sie nicht und als sie unbemerkt Menschen - und vor allen Dingen den Mann, den sie liebt - vor Entdeckung bewahren kann, tut sie das auch. Ihr Chef Eugen Lettke kocht ebenfalls sein eigenes Süppchen, allerdings nicht zum Wohle der Menschen, sondern weil er damit seine Rachepläne umsetzen will. Helene wird dabei unfreiwillig zu seiner Helferin.

So fand ich's:

Die Ausgangssituation ist genial und erschreckend. Wie wäre die Geschichte vor und während des zweiten Weltkrieges verlaufen, wenn die Nazis sich moderner Technik hätten bedienen können? Dieser Frage geht Andreas Eschbach nach und konstruiert eine absolut glaubhafte Welt, in der die beiden Protagonisten und Gegenspieler Helene Bodenkamp und ihr Chef Eugen Lettke sich in einer Welt bewegen, die historische Ereignisse und die Auswirkungen moderner Technik sehr geschickt miteinander kombiniert.

Die Begriffe wie Datensilo und Programm-Strickerin machen immer wieder klar, dass man sich nicht in der heutigen Welt befindet, sondern eine mögliche andere Entwicklung der Geschichte aufgezeigt wird. Sehr geschickt sind historische Tatsachen wie z. B. die Organisation der Weißen Rose, die versteckte Anne Frank und ihre Familie oder Georg Elsers Hitler-Attentat im Münchner Bürgerbräukeller eingewoben, und wie auch diese Geschichten im Buch etwas anders als in der historischen Wirklichkeit verlaufen, ist geprägt davon, dass Computer und ihre Auswertungsmöglichkeiten genutzt werden.

Helene soll eigentlich nur Abfragen programmieren. Doch durch die Entscheidung, welche Daten wie genutzt und mit welchen anderen verbunden werden, beeinflusst sie auch die Suchergebnisse. Das ist ihr schmerzhaft klar, doch sie kann die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen. Auch wenn sie sich immer darum bemüht, das Richtige zu tun, sind doch Verflechtungen viel zu komplex, man weiß viel zu wenig darüber, wie alles zusammenhängt. Helene versucht, so gut wie möglich zu helfen, Menschen zu retten, doch auch sie weiß nie, wie ihre Bilanz aussieht, ob sie mehr schadet als nützt. Ist sie nur ein Spielball oder bestimmt sie das Geschehen? Das Gleiche könnte sich auch Eugen fragen, der meint, einer der Drahtzieher zu sein und die Macht, die man ihm in die Hand gegeben hat, für seine eigenen bösartigen Zwecke ausnutzt.

Das Ende hat mich noch eine Weile beschäftigt, allerdings kann ich daran nichts kritisieren. Es war folgerichtig und passend konsequent weitergedacht und wahrscheinlich hat mich gerade das so mitgenommen.

Wer meint, dieses Buch erschöpft sich in Gedankenspielereien von historischem "was wäre wenn ...?", der denkt zu kurz. Denn wie die Mitarbeiter des NSA mit den zur Verfügung stehenden Daten im Buch umgehen, ist heute mindestens ebenso effektiv möglich. Und wer weiß denn genau, wie unsere persönlichen Daten im Augenblick sortiert, ausgewertet und verwendet werden? Den Überblick haben wir darüber doch alle schon verloren. Und so hat dieses Buch auch einen ganz aktuellen Bezug, den man durchaus als Warnung und Mahnung für die Gegenwart und Zukunft verstehen kann.

Aufgrund des Klappentextes und der Handlung hatte ich mir eigentlich einen männlichen Hörbuchsprecher vorgestellt, doch nach kurzer Zeit war ich angetan von der Sprecherin Laura Maire und bin ganz in die Geschichte versunken.

Ernste Themenbereiche in spannende Unterhaltung gepackt  - "NSA Nationales Sicherheits-Amt" hat mich in der Hörversion gefesselt und ich kann es jedem nur wärmstens ans Herz legen!

Mehr dazu:

Weitere Meinungen zum Buch:
Live your Life with Books
Buchwelten
LeseWelle
Der Leseratz
Monis Zeitreise

 

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Titel: NSA Nationales Sicherheits-Amt
Autor/in: Andreas Eschbach
Sprecher/in:
Laura Maire
ISBN / ASIN:
B07GP93RC1
Sprache:
Deutsch
Genre: Thriller
Verlag: Lübbe Audio / Audible
Erscheinungsjahr:
2018
Medium:
ungekürztes Hörbuch
Hördauer: 22 Stunden 14 Minuten
Autorenhomepage:
Andreas Eschbach
Klappentext- und Bildquelle sowie Buchdetails: Audible

 

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6 Comment authors
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Liebe Gabi,
total klasse, dass du das Buch gehört hast und es dir auch noch in der Hörfassung so super gefallen hat! Ich hab mim HB geliebäugelt, doch aufgrund deiner Rezi hab ich das Hörbuch nun gekauft. :-)
Die Idee des Autors ist total spannend und ich bin auf die Antwort darauf sehr gespannt. Ein Buch, das noch lange nachhallt, hat man heute nicht so oft. Danke für die tolle Besprechung!
GlG, monerl

Liebe Gabi,
Ich lese das Buch gerade und bin irgendwie zwiegespalten. Das Gedankenexperiment finde ich sehr spannend und sehe das wie du: Der Roman bleibt nicht bei dieser Idee im historischen Kontext stehen, sondern wirft auch Fragen für die heutige Zeit und die Zukunft der Datenanalyse auf. Diese Aspekte gefallen mir bisher sehr gut.
Auf der anderen Seite kann ich aber irgendwie keinen richtigen Bezug zu der Geschichte und den Personen aufbauen und so lese ich das Buch fast schon ein bisschen unbeteiligt und komme eher schleppend voran, weil es mich eben nicht fesseln kann. Mal sehen, was da noch so kommt.
Liebe Grüße, Julia

Sehr schön geschrieben. Ich fand das Buch auch erschreckend nah an der Gegenwart und hab es eher als Dystopie gelesen.
Letztens musste ich auch wieder daran denken als jemand stolz vom per App programmierbaren Staubsaugerroboter erzählte. Bei mir klingelte gleich “Übertragung von Grundrissen” – Die Antwort lautete natürlich “Na, und?”
Wer weiß, wofür es mal gebraucht wird. Gesammelt wird es auf jeden Fall.

Liebe Grüße,
Mona

Freut mich, dass es dir auch so gut gefallen hat :)).

Liebe Grüße
Ascari

Hey Gabi,

Schön, dass dich dieses Hörbuch fesseln konnte. Mir war ja erstmal schlecht, nachdem ich das Ende gelesen hatte un dmir wird immer noch schlecht, wenn ich jetzt wieder daran denke. Ich glaube, die meisten werden da am Ende etwas zum drüber nachdenken haben. Aussetzen kann ich daran auch nicht wirklich etwas, weil es eben konsequent bis zum Ende durchgezogen wird.
LG, Moni